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römisches Theater in Caesarea (Kesarya), Israel.
Ruinen der Kreuzfahrerstadt

Caesarea Maritima, das hĂ€ufig ohne weiteren Namenszusatz nur Caesarea bzw. CĂ€sarea genannt wird (griechisch Ï€Î±ÏÎŹÎ»ÎčÎżÏ‚ ΚαÎčÏƒÎŹÏÎ”Îčα), war eine bedeutende antike Stadt Palaestinas, spĂ€ter auch eine wichtige Festung der Kreuzfahrer. Die archĂ€ologischen StĂ€tten gehören heute zu den bedeutendsten Israels; das GelĂ€nde wurde zum Nationalpark erklĂ€rt.

Die Stadt liegt nordwestlich von Hadera in der nördlichen Scharonebene am Mittelmeer. Unweit des antiken Ortes befindet sich das moderne Caesarea bzw. Keisarija.

Inhaltsverzeichnis

Bearbeiten Geschichte

Bearbeiten Römische Kaiserzeit und SpÀtantike

Mosaikfußboden aus römischer Zeit

Caesarea Maritima wurde wie einige andere StĂ€dte, z. B. Caesarea Philippi, zur Zeit der römischen Herrschaft gegrĂŒndet und zu Ehren der römischen Kaiser Caesarea genannt. Zur Unterscheidung erhielt der Ort den Namenszusatz Maritima, was auf die Lage am Mittelmeer verweist.

Die GrĂŒndung Caesareas geht auf Herodes den Großen, der das Gebiet in den Jahrzehnten vor der Zeitenwende als Klientelkönig Roms beherrschte, zurĂŒck. Er ließ Caesarea zwischen 22 und 10 v. Chr. an der Stelle einer kleineren phönizischen Hafensiedlung namens Turris Stratonis (Stratons Turm) zu Ehren des römischen Kaisers Augustus (der auch den Namen seines Adoptivvaters Caesar trug) anlegen und mit einer Vielzahl von Bauwerken luxuriös ausstatten. Bei den Grabungen, bei denen entlang des Meeres ein Streifen von mehreren hundert Metern LĂ€nge ausgegraben wurde, wurden unter anderem ein Theater, ein Hippodrom, GeschĂ€ftsstraßen, große BĂ€der und Palastanlagen entdeckt. Der kĂŒnstliche Hafen Caesareas mit großen Wellenbrechern war der bedeutendste im Bereich des heutigen Israel/PalĂ€stina und der zweitgrĂ¶ĂŸte im Mittelmeerraum. Nördlich des eigentlichen Stadtgebietes stehen die Überreste eines sechs Kilometer langen AquĂ€dukts, das die Stadt mit Wasser aus dem etwa 10 Kilometer entfernten Karmelgebirge versorgte. Durch gezielten Ausbau wurde Caesarea innerhalb kĂŒrzester Zeit eine der wichtigsten StĂ€dte des römischen Orients.

Stein, in den der Name Pontius Pilatus eingraviert ist. Zweite Zeile: ...vs Pilatvs

Die Stadt wurde im Jahr 6 n. Chr., als das Gebiet unter direkte römische Kontrolle kam, Residenz der römischen Procuratoren (Statthalter), die nur hin und wieder in Jerusalem ihren Aufenthalt hatten. In Caesarea wurde der erste außerbiblische Nachweis der Statthalterschaft von Pontius Pilatus, eine Inschrift, gefunden.[1]

Im Neuen Testament wird Caesarea mehrfach erwĂ€hnt. Hier soll die erste Taufe eines Heiden bzw. Nichtjuden (der römische Hauptmann Kornelius) stattgefunden haben (Apostelgeschichte 10 EU); außerdem berichtet die Bibel, dass Paulus hier zwei Jahre in Gefangenschaft war (Apostelgeschichte 23 EU).

Nach der Zerstörung Jerusalems 70 n. Chr. wurde Caesarea zur Hauptstadt der Provinz PalĂ€stina; die Stadt blĂŒhte bis ins spĂ€te 6. Jahrhundert. Im 2. Jahrhundert soll Caesarea eine Bevölkerungszahl von bis zu 125.000 Einwohnern gehabt haben.

Nach dem Bar-Kochba-Aufstand wurden im Jahr 135 einige der AnfĂŒhrer des Aufstandes in Caesarea zu Tode gefoltert. Unter ihnen war auch Rabbi Akiba, der geistige Vater von Bar Kochba. Ende des 2. Jahrhunderts wurde die Stadt christlicher Bischofssitz, sie nahm wĂ€hrend der SpĂ€tantike einen deutlichen Aufschwung.

WĂ€hrend der valerianischen Christenverfolgung (257/58) wurden in Caesarea in Palaestina, wie spĂ€ter Eusebius von Caesarea berichtet, angeblich (!) drei MĂ€nner (Priscus, Malchus und Alexander) wegen ihres Bekenntnisses zu Christus wilden Tieren zum Fraße vorgeworfen und erlitten so das Martyrium.

In einer weiteren BlĂŒtezeit im 5. und 6. Jahrhundert erreichte Caesarea wĂ€hrend der oströmischen Herrschaft wahrscheinlich erneut eine Einwohnerzahl von deutlich ĂŒber 100.000 Menschen und war ein wichtiger FlottenstĂŒtzpunkt. Die Kaiser Anastasius und Justinian ließen in Caesarea grĂ¶ĂŸere Bauprojekte durchfĂŒhren. SpĂ€testens seit dem 4. Jahrhundert befand sich dort eine sehr gut bestĂŒckte und weithin berĂŒhmte Bibliothek, um die sich besonders Eusebius von Caesarea verdient machte und die noch im 6. Jahrhundert wohl auch der bedeutende griechische Geschichtsschreiber Prokopios benutzte.

Bearbeiten Perser und Araber

Die Bedeutung der Stadt nahm seit der vorĂŒbergehenden Eroberung durch die persischen Sassaniden um 619 bis 628 und durch die dauerhafte Besetzung durch die Araber nach 640, gegen die sich Caesarea lange verteidigt hatte, Mitte des 7. Jahrhunderts rasant ab. ZunĂ€chst wurde der Hafen noch genutzt. Nach dem 9. Jahrhundert verfiel er jedoch, da einer Verlandung nicht mehr wirksam entgegengewirkt wurde, ehe er von den Kreuzfahrern erneut in Betrieb genommen wurde.

Bearbeiten Kreuzfahrerzeit

Stadttor der Kreuzfahrer

Unter den Kreuzfahrern erlebte die Stadt noch einmal eine kurze BlĂŒtezeit. Sie eroberten die Stadt am 17. Mai 1101 nach einer fĂŒnfzehntĂ€gigen Belagerung. Weil sich die Stadt dem zuvor von Balduin I. angebotenen Übergabeersuchen im Vertrauen auf ihre Mauern widersetzt hatte, kam es nach dem Fall zur PlĂŒnderung und einem Massaker an der Bevölkerung, dem nur wenige Einwohner entgingen.[2] Nach ihrer Einnahme machten die Kreuzfahrer die Stadt zum Zentrum einer Herrschaft sowie zum Sitz eines Erzbistums. Die Kreuzfahrer befestigten sie erneut und legten letztmals 1254 große Wallanlagen an, die ebenfalls ausgegraben wurden und gut erhalten sind. Allerdings nahm die Kreuzfahrerstadt nur noch einen Bruchteil der FlĂ€che der antiken Stadt ein.

Trotz der starken Befestigungen wurde Caesarea 1275 von Sultan Baibars erobert. Die Bevölkerung wurde getötet oder versklavt. Nach der Eroberung verfiel die Stadt; teilweise wurden die Steine als Baumaterial abtransportiert. Der Ort blieb lange Zeit völlig verlassen; ab dem spĂ€ten 19. Jahrhundert bestand an der Stelle Caesareas das kleine Dorf Keisarije. Die Bewohner waren moslemische FlĂŒchtlinge, die durch die Osmanen angesiedelt worden waren. Die Bewohner des Dorfes wurden im PalĂ€stinakrieg vertrieben.

Bearbeiten Moderne Stadt

Die erste jĂŒdische Siedlung im Bereich Caesareas war der Kibbuz Sdot Jam, der 1940 gegrĂŒndet wurde.

Nach der GrĂŒndung des Staates Israel im Jahr 1948 entstand wenige Kilometer vom Meer entfernt das moderne „Keisarija“ (hebrĂ€isch: Ś§Ś™ŚĄŚšŚ™Ś”). Viele Bewohner des Ortes mit noblen Villenvierteln gehören der oberen Bevölkerungsschicht an; hier hatte z. B. der frĂŒhere israelische StaatsprĂ€sident Ezer Weizmann ein Haus. Nahe der modernen Stadt besteht ein Golfplatz, der lange Zeit der einzige Israels war. Das wiederaufgebaute antike Theater Caesareas wird heute fĂŒr Musik- und TheaterauffĂŒhrungen vor der Kulisse des Mittelmeers genutzt.

Bearbeiten (Titular-)Erzbistum Caesarea in Palaestina

Die Stadt war bereits frĂŒhzeitig ein christlicher Bischofssitz. In der Zeit der Kreuzfahrer wurde die lateinische Hierarchie hergestellt. Nach der Eroberung des Heiligen Landes durch die Araber ging die Metropole endgĂŒltig unter und wurde zum Titularerzbistum der Römisch-Katholischen Kirche — nomen „de curia“: Caesarien(sis) in Palaestina. Der biblische Ort Caesarea ist bei vielen Christen im Westen in Vergessenheit geraten. Das Pilgerhaus in der Stadt hat fĂŒr Christen eine wichtige Bedeutung. Es wird vermutet, dass sich auch der Apostel Petrus in der Stadt aufgehalten hat.[3]


Titularerzbischöfe seit dem Ende des 19. Jh.:

Derzeit ist dieses Titularbistum vakant.

Daneben existiert noch ein Titularerzbistum des Griechisch-Melchitischen Ritus — nomen „de curia“: Caesariensis in Palaestina Graecorum Melkitarum â€” mit folgenden Inhabern:

  • Cirillo Riza (Rizq), 20. Juni 1927 - 6. Mai 1954
  • Gabriel Abou-Saada, 28. April 1961 - 1. MĂ€rz 1965
  • Hilarion Capucci, B.A., seit 30. Juli 1965

Bearbeiten Siehe auch

Bearbeiten Bedeutende Persönlichkeiten

Bearbeiten Literatur

  • Carsten Colpe: Caesarea am Meer, in: Der Kleine Pauly. Lexikon der Antike, Bd. 1, Sp. 1004 f. (mit Angaben zu weiterer Literatur)
  • Winfried Elliger: Kaisareia II (in PalĂ€stina), in: Reallexikon fĂŒr Antike und Christentum, Bd. 19 (2001), Sp. 1026–1067.
  • A. Reifenberg: Caesarea: A Study in the Decline of a Town. In: IEJ 1 (1950/51), S. 20-32, Pls. VIII-XVI.

Bearbeiten Weblinks

Commons Commons: Caesarea Maritima â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Bearbeiten Belege

  1. ↑ Geza Alföldy: Nach kosmischem Licht. Eine Inschrift aus Caesarea maritima. In: FAZ, 28. Juli 1999.
  2. ↑ Steven Runciman, Peter de Mendelssohn: Geschichte der KreuzzĂŒge, Seite 383. ISBN 3406399606, abgefragt am 30. Mai 2009
  3. ↑ Radio Vatikan: Pater David Jaeger optimistisch zu GesprĂ€ch mit Israel 31. Januar 2007
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