| Bundesrepublik Deutschland | |||||
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| Amtssprache | Deutsch[1] | ||||
| Hauptstadt | Berlin | ||||
| Staatsform | Parlamentarische Bundesrepublik | ||||
| Regierungsform | Parlamentarische Demokratie | ||||
| Staatsoberhaupt | BundesprÀsident Horst Köhler | ||||
| Regierungschef | Bundeskanzlerin Angela Merkel | ||||
| FlĂ€che | 357.111,91 (61.)[2] kmÂČ | ||||
| Einwohnerzahl | 81.882.342 (15.)[3] (31. MĂ€rz 2009) | ||||
| Bevölkerungsdichte | 229 (37.)[4] Einwohner pro kmÂČ | ||||
| BIP | 2008 | ||||
| HDI | 0.947 (22.)[6] | ||||
| WÀhrung | Euro (1 ⏠= 100 ct) | ||||
| GrĂŒndung | 18. Januar 1871: Deutsches Reich (völkerrechtl. 1. Juli 1867: Norddeutscher Bund) 23. Mai 1949: Bundesrepublik Deutschland (Grundgesetz)[7] |
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| Nationalhymne | Deutschlandlied (dritte Strophe) | ||||
| Nationalfeiertag | 3. Oktober (Tag der Deutschen Einheit) | ||||
| Zeitzone | UTC+1 MEZ UTC+2 MESZ (MĂ€rz bis Oktober) |
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| Kfz-Kennzeichen | D | ||||
| Internet-TLD | .de | ||||
| Telefonvorwahl | +49 | ||||
Deutschland ist ein föderalistischer Staat in Mitteleuropa. Die Bundesrepublik Deutschland ist gemÀà ihrer Verfassung eine Republik, als solche ein freiheitlich demokratischer und sozialer Rechtsstaat und wird aus den 16 deutschen LĂ€ndern gebildet. Als Bundesstaat stellt sie die jĂŒngste AusprĂ€gung des deutschen Nationalstaates dar. Bundeshauptstadt ist Berlin.
Deutschland ist GrĂŒndungsmitglied der EuropĂ€ischen Union und mit knapp 82 Millionen Einwohnern deren bevölkerungsreichstes Land. Ferner ist es unter anderem Mitglied der Vereinten Nationen, der OECD, der NATO, der OSZE und der Gruppe der Acht (G8). Gemessen am Bruttoinlandsprodukt ist Deutschland die viertgröĂte Volkswirtschaft der Welt nach den Vereinigten Staaten, Japan und der Volksrepublik China.
Begriffsgeschichte und Landesname
Die Bezeichnung Deutschland wird seit dem 15. Jahrhundert verwendet. Davor sind nur WortfĂŒgungen des Attributs deutsch mit Land belegt, beispielsweise in der unbestimmten Singularform ein deutsches Land oder der bestimmten Pluralform die deutschen LĂ€nder, nicht aber in der bestimmten Singularform das deutsche Land. Gemeint waren vielmehr LĂ€nder mit einer FĂŒhrungsschicht, die sich auf den politischen Herrschaftsanspruch bezog, der durch das (Ost-)FrĂ€nkische, spĂ€ter Heilige Römische Reich, als begrĂŒndet angesehen worden war. In einem Buch von 1487 ist zu lesen: âund uff das es aller welt gelehrten und leyen zu nutz kome möge habe ich es in teutschelande lasse macheâ.[8]
Die Begriffe wurden als Synonym vor allem fĂŒr (vor-)staatlichen Gebilde verwendet, die in wesentlichen Bereichen des deutschen Sprach- und/oder Herrschaftsgebiets entstanden waren. Das Heilige Römische Reich (âAlte Reichâ) entwickelte sich ab 962 aus dem Ostteil des FrĂ€nkischen Reiches. Mit den NamenszusĂ€tzen Heilig und Deutscher Nation (Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation) bildete sich zwischen dem 12. Jahrhundert und 1648 ein Staatenbund heraus. Nach der Niederlegung der Reichskrone 1806 dominierten das Kaisertum Ăsterreich, das Königreich PreuĂen und der Rheinbund das staatliche Geschehen im Vorstellungsraum Deutschlands; nach 1815 folgte als lockerer Staatenbund der Deutsche Bund.
Mit den von PreuĂen initiierten zentralstaatlichen Staatsformen seit 1867 wurden in zwei Schritten groĂe Teile des deutschen Sprachraums in einem Staat vereinigt. Umfasste der Norddeutsche Bund lediglich die Staaten nördlich der Mainlinie, wurde der Ausdruck Deutschland durch die Reichseinigung und Proklamation des Deutschen Reiches 1871 mit demselben identisch. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Sturz der Monarchie 1918 wurde diskutiert, mit der Staatsbezeichnung Deutsche Republik oder Republik Deutschland die ausgerufene Staatsform zu unterstreichen, jedoch behielt auch die Weimarer Republik die offizielle Bezeichnung Deutsches Reich bei.
Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten die SiegermĂ€chte ausschlieĂlich den Begriff Deutschland fĂŒr das von ihnen besetzte Deutsche Reich (ohne Ăsterreich). 1949 wurde die Bundesrepublik Deutschland durch die USA und das Vereinigte Königreich sowie die Deutsche Demokratische Republik durch Einwirken der UdSSR initiiert. Der Begriff Deutschland fand in der Bezeichnung der damals konstituierten Bundesrepublik erstmals namentliche Verwendung.[9] Die DDR nutzte das Wort Deutschland zwar nicht direkt im Staatsnamen, jedoch wurde es ausdrĂŒcklich als synonymer Begriff fĂŒr DDR im Artikel 1 der Verfassung von 1949 verwendet. SpĂ€ter verwendete die DDR fast nur noch das Attribut deutsch beziehungsweise den Namenszusatz â⊠der DDRâ fĂŒr staatliche Hoheitsbezeichnungen. Mit der Deutschen Einheit 1990 wurde die Deutschlandfrage abschlieĂend geklĂ€rt.[10]
Im Laufe der Jahrhunderte traten einige ĂŒberwiegend deutsche Sprachgebiete aus dem Vorstellungsraum der deutschen LĂ€nder beziehungsweise Deutschlands heraus. Unter anderem waren dies aufgrund des WestfĂ€lischen Friedens 1648 die Niederlande (vgl. Ausdruck dutch), die Eidgenossenschaft sowie das Elsass und (Nordost-)Lothringen (frz. Moselle). Nach dem Ende des Deutschen Bundes 1866 traten dann Luxemburg, Liechtenstein und Ăsterreich (zuletzt 1945) heraus. Die GrĂŒndung des Deutschen Kaiserreichs erfolgte unter Aneignung ElsaĂ-Lothringens, wĂ€hrend die Niederlagen in beiden Weltkriegen Gebietsverluste zur Folge hatten. Nach 1919 musste Deutschland neben der RĂŒckgabe des Elsassâ und Lothringens sowie kleinerer Gebiete an DĂ€nemark, Belgien, Tschechoslowakei und Litauen vor allem die Provinzen Posen und WestpreuĂen an die neu gegrĂŒndete zweite Polnische Republik abtreten. Die restlichen Gebiete östlich der Oder-NeiĂe-Linie, namentlich Schlesien, Hinterpommern und OstpreuĂen, kamen ab 1945 unter sowjetische und gröĂtenteils polnische Verwaltung. Sie wurden in deren Staatsgebiete integriert, nachdem die deutsche Bevölkerung vertrieben wurde. 1990 wurde der Anspruch auf die vormaligen deutschen Ostgebiete im Zuge der Wiedervereinigung Deutschlands auch formell mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag aufgegeben.
Trotz der KontinuitĂ€t des Begriffes Deutschland vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart sowie völkerrechtlicher[11] IdentitĂ€t und staatsrechtlicher KontinuitĂ€t seit dem 19. Jahrhundert bestand de facto bis 1990 keine durchgehende lineare politisch-historische Entwicklung. Vielmehr eignete sich der Begriff in der Entfaltung der politischen Macht des wohlhabenden BĂŒrgertums in Deutschland als einigende Idee fĂŒr regionale und lokale Eliten.
Siehe auch: Deutsch (Etymologie)
Physische Geographie
Die naturrĂ€umlichen GroĂregionen sind von Nord nach SĂŒd Norddeutsches Tiefland, Mittelgebirgszone und Alpenvorland mit Alpen.
Deutschland hat insgesamt neun Nachbarstaaten: DĂ€nemark, Polen, Tschechien, Ăsterreich, die Schweiz, Frankreich, Luxemburg, Belgien und die Niederlande. Damit ist Deutschland das Land mit den meisten europĂ€ischen Nachbarstaaten.
Im Norden grenzt Deutschland an DĂ€nemark (auf einer LĂ€nge von 67 Kilometern), im Nordosten an Polen (442 Kilometer), im Osten an Tschechien (811 Kilometer), im SĂŒdosten an Ăsterreich (815 Kilometer; ohne Grenze im Bodensee), im SĂŒden an die Schweiz (316 Kilometer; mit Grenze der Exklave BĂŒsingen, aber ohne Grenze im Bodensee), im SĂŒdwesten an Frankreich (448 Kilometer), im Westen an Luxemburg (135 Kilometer) und Belgien (156 Kilometer) und im Nordwesten an die Niederlande (567 Kilometer).
Die GrenzlÀnge betrÀgt insgesamt 3757 Kilometer (ohne Grenze im Bodensee, siehe Kondominium).
Der nördlichste Punkt befindet sich auf der Insel Sylt nördlich von List am Ellenbogen. Den sĂŒdlichsten Punkt Deutschlands bildet das Haldenwanger Eck sĂŒdlich von Oberstdorf. Vom Ellenbogen bis zum Haldenwanger Eck sind es etwa 886 Kilometer Luftlinie. Der westlichste Ort Deutschlands liegt im Isenbruch des Selfkant an der Grenze zu den Niederlanden nahe der Maas, der östlichste zwischen NeiĂeaue-Deschka und NeiĂeaue-Zentendorf in einer Flussschleife der Lausitzer NeiĂe. Vom Isenbruch bis zur Flussschleife der NeiĂe sind es rund 636 Kilometer Luftlinie.
WĂ€hrend der wechselvollen Geschichte verĂ€nderte sich auch der Mittelpunkt Deutschlands. Die Gemeinden Görlitz, Selfkant, List und Oberstdorf, welche die heutigen geografischen Extrempunkte Deutschlands markieren, sind darĂŒber hinaus im sogenannten Zipfelbund zusammengeschlossen.
Geologie
Auf die Zeit des PalĂ€ozoikums (Erdaltertum) gehen die kristallinen Gesteine Deutschlands wie Gneis und Granit zurĂŒck, wie sie in den deutschen Mittelgebirgen, zum Beispiel dem Harz, anzutreffen sind. Auch die Sedimentgesteine des Rheinischen Schiefergebirges stammen aus diesem Erdzeitalter und lagerten sich in der Zeit von Devon und Unterkarbon ab. Die Heraushebung der Gesteine und damit die Gebirgsbildung setzte jedoch erst im spĂ€ten PliozĂ€n ein. Am Nordrand des Rheinischen Schiefergebirges finden sich Gesteinsschichten aus dem Karbon, in denen die gewaltigen Steinkohlevorkommen im Ruhrgebiet eingelagert sind (Ruhrkarbon).
Im Mesozoikum (Erdmittelalter) wurden jene Gesteinsschichten gebildet, die in zahlreichen sĂŒd- und ostdeutschen Regionen ĂŒberwiegen. In der Pfalz, in ThĂŒringen, Teilen Bayerns und Sachsens wird der Untergrund von Gesteinen der Trias dominiert, des frĂŒhen Mesozoikums. Die Juragebirge (vor allem SchwĂ€bische und FrĂ€nkische Alb) gehen auf die Jurazeit zurĂŒck. Anders als in der Trias in Deutschland, die von Sandstein geprĂ€gt ist, herrscht bei den jurassischen Gesteinen der Kalkstein vor.
Im KĂ€nozoikum (Erdneuzeit) erfolgte vor allem die VerfĂŒllung der Flussniederungen und -becken.
Aktiver Vulkanismus wird nicht beobachtet, jedoch zeigen vulkanische Gesteine ehemaligen Vulkanismus an. Diese finden sich insbesondere in der Vulkaneifel und auf dem Vogelsberg, aber auch im Bereich des SchwÀbischen Vulkans. In der Vulkaneifel treten bis in die Gegenwart Kohlenstoffdioxidquellen (Mofetten) zutage, deren eindrucksvollstes Beispiel der Geysir Andernach ist, der mit 50 bis 60 Metern höchste Kaltwassergeysir der Erde.
Obwohl Deutschland vollstĂ€ndig auf der Eurasischen Platte liegt, kommen schwache Erdbeben vor, insbesondere im Bereich der Riftzonen im SĂŒdwesten und Westen (Oberrheingraben, Rheingraben, Hohenzollerngraben).
Geomorphologie
Das Faltengebirge der Alpen ist das einzige Hochgebirge, an dem Deutschland Anteil hat. Der mit Ăsterreich geteilte Gipfel der Zugspitze (2962 Meter) ist der höchstgelegene Punkt des Landes.
Die Mittelgebirge nehmen tendenziell von Nord nach SĂŒd an Höhe und Ausdehnung zu. Höchster Mittelgebirgsgipfel ist der Feldberg im Schwarzwald (1493 Meter), gefolgt vom GroĂen Arber im Bayerischen Wald (1456 Meter). Gipfel ĂŒber 1000 Meter besitzen auĂerdem das Erzgebirge, das Fichtelgebirge, die SchwĂ€bische Alb und als Sonderfall der Harz, der sich recht isoliert als nördlichstes Mittelgebirge in Deutschland mit dem Brocken auf 1142 Meter erhebt. Nördlich der Mittelgebirgsschwelle erheben sich nur noch vereinzelte Formationen ĂŒber 100 Meter, von denen der Hagelberg im FlĂ€ming mit 200 Meter die höchste ist.
Die niedrigste begehbare Landesstelle Deutschlands liegt bei 3,54 Meter unter Normalnull in einer Senke bei Neuendorf-Sachsenbande in der Wilstermarsch (Schleswig-Holstein). Ebenfalls in diesem Bundesland befindet sich die tiefste Kryptodepression: Sie liegt mit 39,10 Meter unter Normalnull am Grund des Hemmelsdorfer Sees nordnordöstlich von LĂŒbeck. Die tiefste kĂŒnstlich geschaffene Stelle liegt bei 293 Meter unter Normalnull am Grund des Tagebaus Hambach östlich von JĂŒlich in Nordrhein-Westfalen.
Siehe auch: Liste der höchsten Berge Deutschlands, Liste der Gebirge und HöhenzĂŒge in Deutschland
Klima
Deutschland gehört vollstĂ€ndig zur gemĂ€Ăigten Klimazone Mitteleuropas im Bereich der Westwindzone und befindet sich im Ăbergangsbereich zwischen dem maritimen Klima in Westeuropa und dem kontinentalen Klima in Osteuropa. Das Klima in Deutschland wird unter anderem vom Golfstrom beeinflusst, der die klimatischen Werte fĂŒr die Breitenlage ungewöhnlich mild gestaltet.
Der mittlere jĂ€hrliche Niederschlag (bezogen auf die Jahre 1961â1990) betrĂ€gt 700 Millimeter. Die mittlere monatliche Niederschlagsmenge liegt zwischen 40 Millimeter im Februar und 77 Millimeter im Juni.
Die tiefste jemals in Deutschland gemessene Temperatur betrug â45,9 Grad Celsius; sie wurde am 24. Dezember 2001 am Funtensee registriert. Die bisher höchste Temperatur betrug 40,3 Grad Celsius und wurde am 8. August 2003 in Nennig im Saarland erreicht. Zum Teil widersprechen sich die Angaben; so lag laut dem Deutschen Wetterdienst die absolute Höchsttemperatur in Deutschland mit gemessenen 40,2 Grad Celsius am 27. Juli 1983 in GĂ€rmersdorf bei Amberg (Oberpfalz), am 9. August 2003 in Karlsruhe sowie am 13. August 2003 in Freiburg im Breisgau und Karlsruhe.
Siehe auch: Zeitreihe der Lufttemperatur in Deutschland
GewÀsser
Die sechs ins Meer mĂŒndenden FlieĂgewĂ€sser mit den gröĂten Einzugsgebieten sind Rhein, Donau, Elbe, Oder, Weser und Ems. FĂŒnf davon entwĂ€ssern in Nord- und Ostsee, eines (die Donau) dagegen ins Schwarze Meer. Die Einzugsgebiete beider Systeme werden durch die europĂ€ische Hauptwasserscheide voneinander getrennt. Der 865 Kilometer in Deutschland bzw. als Grenzfluss flieĂende Rhein dominiert den SĂŒdwesten und Westen. Seine wichtigsten ZuflĂŒsse sind Neckar, Main, Mosel und Ruhr. Die wirtschaftliche Bedeutung des Rheines ist enorm; er ist eine der am stĂ€rksten befahrenen WasserstraĂen Europas.
Die Donau im SĂŒden entwĂ€ssert auf 647 Kilometer fast das gesamte Alpenvorland und flieĂt weiter nach Ăsterreich und SĂŒdosteuropa. Ihre wichtigsten ZuflĂŒsse sind Iller, Lech, Isar und Inn.
Im Osten Deutschlands befindet sich auf 725 Kilometern die Elbe. Ihre wichtigsten NebenflĂŒsse sind Saale und Havel.
Die Oder tritt ausschlieĂlich als Grenzfluss zu Polen in Erscheinung. Ihr wichtigster Zufluss ist die NeiĂe.
Das Einzugsgebiet der Weser liegt vollstĂ€ndig in Deutschland. Sie speist sich aus den FlĂŒssen Werra und Fulda und entwĂ€ssert den mittleren Norden.
Die Ems flieĂt im Ă€uĂersten Nordwesten.
Die natĂŒrlichen Seen sind ĂŒberwiegend glazialen Ursprungs. Daher finden sich die meisten der groĂen Seen im Alpenvorland und in Mecklenburg. Der gröĂte vollstĂ€ndig zum deutschen Staatsgebiet gehörende See ist die MĂŒritz, die Teil der mecklenburgischen Seenplatte ist. Der gröĂte See mit deutschem Anteil ist der Bodensee, an den auch Ăsterreich und die Schweiz grenzen.
Im Osten Deutschlands befinden sich viele groĂe, kĂŒnstliche Seen in ehemaligen Braunkohleabbaugebieten.
Siehe auch: Liste der FlĂŒsse in Deutschland, Liste der Seen in Deutschland
Inseln
In der Nordsee dominieren die Inselgruppe der Nordfriesischen Inseln und die Inselkette der Ostfriesischen Inseln. Helgoland und Neuwerk sind ebenfalls bewohnt. Die Nordfriesischen Inseln stellen Festlandsreste dar, die durch Landsenkung und nachfolgende Ăberflutung von der KĂŒste getrennt wurden. Die Ostfriesischen Inseln sind Barriereinseln, die durch die Brandungsdynamik aus SandbĂ€nken entstanden.
Die gröĂten deutschen Inseln in der Ostsee sind (von West nach Ost) Fehmarn, Poel, Hiddensee, RĂŒgen und Usedom; gröĂte Halbinsel ist Fischland-DarĂ-Zingst. Mit Ausnahme von Fehmarn sind sie Teil einer BoddenkĂŒste.
Die gröĂten und bekanntesten Inseln in BinnengewĂ€ssern sind Reichenau, Mainau und Lindau im Bodensee sowie Herrenchiemsee im Chiemsee.
Siehe auch: Liste deutscher Inseln
Böden
Die Zusammensetzung und QualitĂ€t der Böden ist regional sehr unterschiedlich. In Norddeutschland bildet ein kĂŒstennaher GĂŒrtel aus fruchtbaren Marschböden die Grundlage fĂŒr ertragreiche Landwirtschaft, wĂ€hrend die dahinter liegende, eiszeitlich geprĂ€gte Geest nur sehr magere Böden aufweist. In Heidelandschaften wie der LĂŒneburger Heide ist dieser durch jahrhundertelange Weidewirtschaft zum Podsol degeneriert, so dass Ackerbau kaum möglich ist. Sehr unergiebig sind auch die Gebiete der Alt- und JungmorĂ€nenlandschaft, in denen sich Flugsand angelagert hat. Brandenburg beispielsweise wurde schon in historischer Zeit als des âHeiligen Reiches StreusandbĂŒchseâ verspottet.
Zwischen der MorĂ€nenlandschaft und der Mittelgebirgsstufe zieht sich von West nach Ost eine Reihe von Börden: In diesen Gebieten ist durch eiszeitliche Lössablagerungen Ă€uĂerst fruchtbarer Boden entstanden. Dieser besteht zumeist aus Braunerden, im Osten teils auch aus Schwarzerden, und wird in besonderem AusmaĂe landwirtschaftlich genutzt. In den Mittelgebirgen herrschen magere Böden vor, die landwirtschaftlich nur extensiv bewirtschaftet werden. Die weitaus gröĂte FlĂ€che ist bewaldet. Ergiebige Böden finden sich in SĂŒddeutschland insbesondere entlang der FlĂŒsse Rhein, Main und Donau.
Humangeographie
FlÀchennutzung
Insgesamt werden 47,4 Prozent landwirtschaftlich genutzt (2008), WĂ€lder bedecken weitere 31 Prozent. 12,3 Prozent werden als Siedlungs- und VerkehrsflĂ€che genutzt (Tendenz weiterhin steigend). WasserflĂ€chen kommen auf 1,8 Prozent, die restlichen 2,4 Prozent verteilen sich auf sonstige FlĂ€chen, zumeist Ădland und auch Tagebaue.
Ballungsgebiete
Um Ballungsgebiete, also Einwohnerkonzentrationen, zu veranschaulichen, können GemeindegröĂen, Agglomerationen und die sogenannten Metropolregionen herangezogen werden.
In Deutschland gibt es etwa 80 GroĂstĂ€dte, das sind Gemeinden mit mehr als 100.000 Einwohnern. Davon haben 14 StĂ€dte mehr als 500.000 Einwohner. Eine Besonderheit Deutschlands ist die ĂŒberwiegend randlastige, dezentrale Verteilung der GroĂstĂ€dte.
Unter Agglomeration versteht man ein gröĂeres zusammenhĂ€ngendes Siedlungsgebiet oder auch eine weitgehend urbanisierte FlĂ€che. Da Gemeinde- und Siedlungsgrenzen meist erheblich voneinander abweichen, gibt die Betrachtung der Agglomerationen einen authentischeren Aufschluss ĂŒber Bevölkerungskonzentrationen. Im Gegensatz zu vielen anderen LĂ€ndern werden in Deutschland Agglomerationen jedoch nicht statistisch genau definiert und abgegrenzt. Die meisten Agglomerationen sind monozentrisch, das Ruhrgebiet hingegen ist ein klassisches Beispiel fĂŒr einen polyzentrischen Verdichtungsraum. Die aufgefĂŒhrten Zahlen sind kontrovers. Insbesondere der Wert fĂŒr Stuttgart bezieht sich mit der Region Stuttgart auf ein weitaus gröĂeres Gebiet als es der tatsĂ€chliche Verdichtungsraum umfasst.
Von der Ministerkonferenz fĂŒr Raumordnung (MKRO) wurden elf sogenannte EuropĂ€ische Metropolregionen (EMR) festgelegt. Diese gehen ĂŒber den Begriff der Agglomeration weit hinaus.
| Ballungsraum | Einwohner Stadt |
Einwohner Agglomeration |
Einwohner Metropolregion |
|---|---|---|---|
| Berlin | 3.430.000 | 4.200.000 | 5.950.000 |
| Hamburg | 1.780.000 | 2.549.000 | 4.270.000 |
| MĂŒnchen | 1.330.000 | 1.940.000 | 5.200.000 |
| Köln | 995.000 | 1.846.000 | |
| Frankfurt | 665.000 | 1.915.000 | 5.520.000 |
| Stuttgart | 600.000 | 2.670.000 | 5.290.000 |
| Ruhrgebiet/Rhein-Ruhr | 5.746.000 | 11.470.000 |
Siehe auch: Liste der GroĂstĂ€dte in Deutschland, Liste der Agglomerationen in Deutschland, Liste der Metropolregionen in Deutschland
Natur
Flora
Da Deutschland in der gemĂ€Ăigten Klimazone liegt, ist seine Flora von Laub- und NadelwĂ€ldern geprĂ€gt. Ărtlich weist die Flora in Deutschland eine hohe Diversifikation durch Standortfaktoren des GelĂ€ndeprofils, der GelĂ€ndehöhe und -geologie sowie der mesoklimatischen Lage auf. Von West nach Ost kennzeichnet die natĂŒrliche Vegetation den Ăbergang vom Westseitenseeklima zum Kontinentalklima.
Die LaubwĂ€lder bestehen meist aus Rotbuchen, daneben sind die heute selten gewordenen AuwĂ€lder im Bereich der FlĂŒsse und Seen und Eichen-Buchen-MischwĂ€lder typisch; die Alpen und Mittelgebirge sind geprĂ€gt durch Schluchtwald. Der Pionierwald wird, besonders auf sandigen FlĂ€chen, vor allem von Birken und Kiefern gebildet. Allerdings werden die frĂŒher sehr verbreiteten LaubwĂ€lder mittlerweile oft durch Fichtenholzforste ersetzt.
Ohne menschlichen Einfluss wĂŒrde die Vegetation in Deutschland, wie in den meisten LĂ€ndern der gemĂ€Ăigten Breiten, hauptsĂ€chlich aus Wald bestehen. Davon ausgenommen sind die nĂ€hrstoffarmen Heideniederungen und Moorlandschaften sowie die alpinen (Bayerische Alpen) und subalpinen (Hochschwarzwald, Hochharz und Westerzgebirge) Hochlagen, die Ă€uĂerst vegetationsarm sind und in ihrem Klima kaltgemĂ€Ăigt ausgeprĂ€gt sind.
Derzeit sind 29,5 Prozent der StaatsflĂ€che bewaldet. Damit ist Deutschland eines der waldreichsten LĂ€nder in der EuropĂ€ischen Union, wobei die Baumarten im Wesentlichen durch die angestrebte Nutzung bedingt sind, das heiĂt der Anteil an Fichten- und KiefernwĂ€ldern entspricht nicht den natĂŒrlichen Gegebenheiten, nach denen BuchenmischwĂ€lder vorherrschen sollten. Neben den natĂŒrlich vorkommenden Pflanzen spielen heute eine Reihe von eingefĂŒhrten Arten wie die Robinie eine zunehmende Rolle in der Vegetation. Der gröĂte Anteil des unbebauten Landes dient der Erzeugung von Nutzpflanzen. Dies sind ĂŒberwiegend Getreide (Gerste, Hafer, Roggen und Weizen), die Kartoffel und der Mais, die aus Amerika eingefĂŒhrt wurden, der Apfelbaum, sowie zunehmend Raps. In den FlusstĂ€lern, unter anderem von Mosel, Ahr und Rhein wurde die Landschaft fĂŒr den Weinanbau umgestaltet.
Fauna
Die meisten in Deutschland heimischen SĂ€ugetiere leben in den gemĂ€Ăigten LaubwĂ€ldern. Im Wald leben unter vielen anderen Arten verschiedene Marderarten, Dam- und Rothirsche, Rehe, Wildschweine sowie FĂŒchse. Biber und Otter sind seltener gewordene Bewohner der Flussauen, mit teilweise wieder steigenden BestĂ€nden. Andere ehemals in Mitteleuropa lebende GroĂsĂ€uger wurden ausgerottet: Auerochse (1846), BraunbĂ€r (1835), Elch (im Mittelalter noch zahlreich), Wildpferd (19. Jahrhundert), Wisent (17./18. Jahrhundert), Wolf (1904). In neuerer Zeit wandern gelegentlich einige Elche und Wölfe aus Polen und Tschechien ein, deren BestĂ€nde sich dort wieder vermehren konnten. Speziell im Fall von Wolf und BraunbĂ€r ist die Wiederansiedlung jedoch problematisch aufgrund des schlechten Rufs der Tiere.
Von dem Seeadler, mitunter vereinzelt als Vorlage fĂŒr den stilisierten deutschen Wappenvogel gesehen, gibt es derzeit wieder etwa 500 Paare, vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Der Steinadler kommt nur noch in den Bayerischen Alpen vor, der ehemals dort heimische Bartgeier wurde ausgerottet. Die hĂ€ufigsten Greifvögel in Deutschland sind derzeit MĂ€usebussard und Turmfalke, dagegen ist der Bestand an Wanderfalken deutlich geringer. Ăber 50 Prozent des Gesamtbestandes an Rotmilanen brĂŒtet in Deutschland, der Bestand ist aber auf Grund der intensiven Landwirtschaft rĂŒcklĂ€ufig.
Dem gegenĂŒber steht eine Vielzahl von Vögeln, die als Kulturfolger von der Anwesenheit des Menschen profitieren, insbesondere die in vielen StĂ€dten lebenden Stadttauben, Amseln (frĂŒhere Waldvögel), Spatzen und Meisen, fĂŒr deren Ăberleben auch die Winterfutter-Industrie sorgt, sowie KrĂ€hen und Möwen auf MĂŒllkippen. Eine Besonderheit ist die weltweit nördlichste Flamingo-Kolonie im Zwillbrocker Venn.
Der frĂŒher in den FlĂŒssen hĂ€ufig vorkommende Lachs wurde im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert weitgehend ausgerottet, konnte aber in den 1980er-Jahren im Rhein wieder angesiedelt werden. Der letzte Stör wurde 1969 in Deutschland gefangen. In vielen Teichen werden die erst von den Römern eingefĂŒhrten Karpfen gehalten.
Der an der Nord- und OstseekĂŒste lebende Seehund wurde zeitweise nahezu ausgerottet, mittlerweile gibt es im Wattenmeer wieder einige tausend Exemplare. Das Wattenmeer ist insbesondere im Winter Rastplatz fĂŒr Vögel aus den nördlichen Breiten.
Zu den lange heimischen Tieren hat sich eine beachtliche Anzahl an Neozoen angesiedelt. Zu den bekanntesten Vertretern gehören WaschbÀr, Marderhund, Halsbandsittich und Nilgans.
Naturschutz
Ziel des Naturschutzes in Deutschland ist es, Natur und Landschaft zu erhalten (§ 1 Bundesnaturschutzgesetz). Der Naturschutz ist somit öffentliche Aufgabe und dient dem im Grundgesetz Art. 20a verankerten Staatsziel. Wichtige GegenstĂ€nde des Naturschutzes sind Landschaften, Pflanzen und Tiere. Zu den wichtigsten Institutionen geschĂŒtzter Gebiete und Objekte gehören derzeit unter anderem 14 Nationalparks (siehe Nationalparks in Deutschland), 19 BiosphĂ€renreservate, 95 Naturparks sowie tausende von Naturschutzgebieten, Landschaftsschutzgebieten und NaturdenkmĂ€lern.
Politik
StaatsgrĂŒndung
Bisher wurden sechs Verfassungen des seit 1871 existierenden Nationalstaats âDeutschlandâ in Kraft gesetzt; die Daten ihrer Konstituierung werden unter staatsrechtlichen und ideengeschichtlichen Aspekten als GrĂŒndungsakte der jeweiligen deutschen Staatswesen betrachtet. Der 23. Mai 1949 ist das fĂŒr die Gegenwart bedeutendste GrĂŒndungsdatum, da an diesem Tag die noch heute gĂŒltige Verfassung Deutschlands verkĂŒndet wurde.
Der Norddeutsche Bund, der 1866 als MilitĂ€rbĂŒndnis gegrĂŒndet worden war, erhielt zum 1. Juli 1867 eine Verfassung, die ihn in einen monarchischen Bundesstaat unter preuĂischer FĂŒhrung umwandelte. Auf dieser Verfassung beruhen die nachfolgenden Verfassungen des Deutschen Reiches von 1871 und 1919 sowie das Grundgesetz der Bundesrepublik von 1949, ferner gilt sie als BegrĂŒndungsakt des von der Bundesrepublik noch heute innegehaltenen Völkerrechtssubjekts. Nach der Proklamation am 18. Januar 1871 trat am 16. April 1871 die Verfassung des Deutschen Reiches in Kraft. Verfassungsrechtlich handelte es sich dabei vor allem um den Beitritt souverĂ€ner Staaten (Bayern, WĂŒrttemberg, Baden, Hessen) zum Norddeutschen Bund, dessen âUmbenennungâ in âDeutsches Reichâ und die EinfĂŒhrung des Kaisertitels. 1918/1919 erfolgte der Ăbergang zu einer neuen Staatsform: am 9. November 1918 wurde die âDeutsche Republikâ proklamiert, die mit dem Inkrafttreten der Verfassung am 11. August 1919 konstituiert wurde.
Die auch Weimarer Verfassung genannte Konstitution galt wĂ€hrend der Herrschaft der NSDAP 1933 bis 1945 formell fort, war jedoch materiell ĂŒberwiegend auĂer Kraft gesetzt. Im Nachkriegsdeutschland von 1945 bis 1949 galt das Besatzungsrecht der MilitĂ€rgouverneure und spĂ€ter der Hohen Kommissare des Alliierten Kontrollrats (Kontrollratsgesetze). 1949 wurden zwei Verfassungen in Kraft gesetzt. Das Grundgesetz fĂŒr die Bundesrepublik Deutschland wurde am 23. Mai 1949 verkĂŒndet und zum 24. Mai 1949 in Kraft gesetzt, wobei es aufgrund des Geltungsbereichs bis zur deutschen Wiedervereinigung nur provisorischen Charakter besaĂ. Die erste Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik trat am 7. Oktober 1949 in Kraft und wurde am 9. April 1968 durch eine neue Verfassung ersetzt sowie 1974 revidiert. Zum 3. Oktober 1990 trat die DDR dem Geltungsbereich des Grundgesetzes bei.
Siehe auch: Rechtslage des Deutschen Reiches nach 1945
Staatsrecht
Als Völkerrechtssubjekt (Rechtspersönlichkeit im Völkerrecht) gilt die Bundesrepublik Deutschland nach herrschender Meinung als identisch mit dem 1867 zu einem Bundesstaat umgewandelten Norddeutschen Bund, der ab 1871 Deutsches Reich hieĂ.
Die Bundesrepublik ist die historisch jĂŒngste AusprĂ€gung des deutschen Nationalstaates, dessen Geschichte sich bis zur EinfĂŒhrung der bundesrepublikanischen Prinzipien des Grundgesetzes in verschiedene Phasen einteilen lĂ€sst: Norddeutscher Bund (1867â1871), Deutsches Kaiserreich (1871â1918), Weimarer Republik (1919â1933), Zeit des Nationalsozialismus (1933â1945), âDeutschland als Ganzesâ unter fremder Besatzung/Alliierter Kontrollrat (1945â1949).
Die deutschen LĂ€nder (BundeslĂ€nder) sind beschrĂ€nkte Völkerrechtssubjekte, die mit Einwilligung der Bundesregierung eigene VertrĂ€ge mit anderen Staaten eingehen dĂŒrfen (Art. 32 Absatz 3, Art. 24 Absatz 1 GG).[12] Die Bundesrepublik kann als die staatsrechtliche Verbindung ihrer BundeslĂ€nder angesehen werden. Demnach erhĂ€lt sie erst durch diese Verbindung selbst Staatscharakter.[13]
Hauptstadt und Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland ist gemÀà Art. 22 Absatz 1 des Grundgesetzes Berlin. Nach Artikel 20 des Grundgesetzes ist die Bundesrepublik ein demokratischer, sozialer Bundesstaat. Bei diesem föderalen Rechtsstaat handelt es sich um eine parlamentarische Demokratie. Es gibt 16 LĂ€nder, von denen fĂŒnf wiederum in insgesamt 22 Regierungsbezirke untergliedert sind. Die LĂ€nder haben sich eigene Verfassungen gegeben.
Die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland ist das Grundgesetz fĂŒr die Bundesrepublik Deutschland.[14] Staatsoberhaupt ist der BundesprĂ€sident mit vor allem reprĂ€sentativen Aufgaben. Protokollarisch gesehen folgen ihm der PrĂ€sident des Deutschen Bundestages, der Bundeskanzler und der jeweils amtierende BundesratsprĂ€sident, der gemÀà Grundgesetz den BundesprĂ€sidenten vertritt.
Der Regierungschef Deutschlands ist der Bundeskanzler. Der Bundeskanzler wird auf Vorschlag des BundesprĂ€sidenten vom Bundestag mit der Mehrheit seiner Mitglieder gewĂ€hlt (Art. 63 GG), seine Amtszeit endet mit der Wahlperiode des Bundestages (Art. 69 Abs. 2 GG). Vor Ablauf der Wahlperiode des Bundestages kann der Bundeskanzler gegen seinen Willen nur dadurch aus dem Amt scheiden, dass der Bundestag mit der Mehrheit seiner Mitglieder einen Nachfolger wĂ€hlt (Art. 67 GG, sogenanntes Konstruktives Misstrauensvotum). Die Bundesminister werden auf Vorschlag des Bundeskanzlers ernannt (Art. 64 Abs. 1 GG), sie und der Bundeskanzler bilden die Bundesregierung (Art. 62 GG). Der Bundeskanzler besitzt die Richtlinienkompetenz fĂŒr die Politik der Bundesregierung (Art. 65 Satz 1 GG). Die sehr starke Stellung des Bundeskanzlers hat dazu gefĂŒhrt, dass das politische System der Bundesrepublik Deutschland als âKanzlerdemokratieâ bezeichnet wird.
Als Bundesstaat ist Deutschland föderativ organisiert, das heiĂt, dass zwei Ebenen im politischen System existieren: die Bundesebene, die den Gesamtstaat Deutschland nach auĂen vertritt, und die LĂ€nderebene, die in jedem Bundesland einzeln existiert. Jede Ebene besitzt eigene Staatsorgane der Exekutive (ausfĂŒhrende Gewalt), Legislative (gesetzgebende Gewalt) und Judikative (rechtsprechende Gewalt). Die LĂ€nder wiederum bestimmen die Ordnung ihrer StĂ€dte und Gemeinden.
Die Kompetenz zur Gesetzgebung liegt bei den BundeslĂ€ndern, wenn nicht eine Gesetzgebungsbefugnis des Bundes besteht (Art. 70 GG). In FĂ€llen der ausschlieĂlichen Gesetzgebung hat nur der Bund die Gesetzgebungskompetenz (Art. 71 GG), in den FĂ€llen der konkurrierenden Gesetzgebung liegt die Gesetzgebungsbefugnis vom Grundsatz her bei den LĂ€ndern, der Bund kann aber Gesetze erlassen, wenn dies zur Herstellung gleichwertiger LebensverhĂ€ltnisse im Bundesgebiet oder zur Wahrung der Rechts- oder Wirtschaftseinheit erforderlich ist (Art. 72 GG).
Gesetzgebungsorgane des Bundes sind der Bundestag und der Bundesrat. Bundesgesetze werden vom Bundestag mit einfacher Mehrheit beschlossen. Sie werden wirksam, wenn der Bundesrat keinen Einspruch eingelegt hat oder, wenn das Gesetz der Zustimmung des Bundesrates bedarf, wenn der Bundesrat dem Gesetz zustimmt (Art. 77 GG). Eine Ănderung des Grundgesetzes ist nur mit der Mehrheit von zwei Dritteln der Mitglieder des Bundestages und des Bundesrates möglich (Art. 79 GG).
In den BundeslĂ€ndern entscheiden die LĂ€nderparlamente ĂŒber die Gesetze ihres Landes.
Obwohl die Abgeordneten der Parlamente nach dem Grundgesetz nicht weisungsgebunden sind, dominieren in der Praxis Vorentscheidungen in den Parteien die Gesetzgebung.
Die Exekutive wird auf Bundesebene durch die Bundesregierung gebildet, die durch den Bundeskanzler geleitet wird. Auf der Ebene der LĂ€nder leiten die MinisterprĂ€sidenten, in Hamburg und Bremen die PrĂ€sidenten des Senats; in Berlin der Regierende BĂŒrgermeister, die Exekutive. Auch die LĂ€nder sind parlamentarische Demokratien und deren Regierungschefs durch die Landtage und Senate gewĂ€hlt. Die Verwaltungen des Bundes und der LĂ€nder werden jeweils durch die Fachminister geleitet, sie stehen an der Spitze der Behörden.
Die AusĂŒbung der staatlichen Befugnisse und die AusfĂŒhrung der Bundesgesetze obliegt grundsĂ€tzlich den BundeslĂ€ndern, sofern das Grundgesetz keine abweichende Regelung trifft oder zulĂ€sst (Art. 30, Art. 83 GG).
Siehe auch: Rechtslage des Deutschen Reiches nach 1945, Föderalismus in Deutschland
Staatsgebiet
Das Staatsgebiet der Bundesrepublik ergibt sich aus der Gesamtheit der Staatsgebiete ihrer LĂ€nder. Seit GrĂŒndung der Bundesrepublik Deutschland wurde ihr Staatsgebiet mehrfach erweitert, vor allem 1957 durch die Eingliederung des Saarlandes, 1990 den Beitritt der DDR samt des Ostteils Berlins und der völkerrechtlich anerkannten Eingliederung West-Berlins, darĂŒber hinaus zwischen 1949 (erste TeilflĂ€chen Kehls) und 2002 (StraĂe N 274 bei Selfkant von den Niederlanden) durch die RĂŒckgabe von Gebieten, die nach dem Zweiten Weltkrieg GroĂbritannien (Helgoland), die Niederlande (unter anderem Elten), Belgien (unter anderem MĂŒtzenich), Luxemburg (ein Gebiet zwischen Vianden und Obersgegen) und Frankreich (Kehl) zunĂ€chst als zu ihren Staatsgebieten zugehörig betrachteten, sowie durch mehrere Ausdehnungen der Seegrenzen in Nord- und Ostsee. Die letzte dieser Ausdehnungen erfolgte durch die Proklamation der Bundesregierung ĂŒber die Ausweitung des deutschen KĂŒstenmeeres vom November 1994 (bekanntgemacht im BGBl. 1994 I, S. 3428 f.) mit Wirkung zum 1. Januar 1995, durch die die Bundesrepublik in der Nordsee die 12-Meilen-Zone vollkommen und in der Ostsee teilweise in Anspruch nahm, ohne dabei ihren Rechtsanspruch aufzugeben.
Der Verlauf der Bundesgrenze Deutschlands ist heute bis auf Teile des Bodensees festgelegt; noch immer nicht geklĂ€rt ist zudem die Deutsch-NiederlĂ€ndische Grenzfrage das Ems-Dollart-Gebiet betreffend. Innerhalb Deutschlands nicht abschlieĂend geklĂ€rt ist der Verlauf der LĂ€ndergrenzen zwischen Schleswig-Holstein, Niedersachsen und eventuell Hamburg im Bereich der Unterelbe.[15]
Nicht zum Staatsgebiet gehört die AusschlieĂliche Wirtschaftszone in der Nordsee.
Parteienlandschaft
Das politische Spektrum in Deutschland wird maĂgeblich durch die im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien geprĂ€gt, es sind derzeit in fĂŒnf Fraktionen sechs Parteien vertreten: CDU/CSU, gemeinsame Fraktion der Unionsparteien; Fraktionen mit einer Partei sind die SPD, die FDP, Die Linke und BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen.
Nahezu allen einflussreichen Parteien stehen â mehr oder weniger selbstĂ€ndig â Jugendorganisationen zur Seite. Die wichtigsten sind die Junge Union (CDU/CSU), die Jusos (SPD), die Jungen Liberalen (FDP), Linksjugend ['solid] (Die Linke) sowie die GrĂŒne Jugend (BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen).
AuĂen- und Sicherheitspolitik
Die wichtigsten Leitlinien deutscher AuĂenpolitik sind die Westbindung und die europĂ€ische Integration. Deutschland hat am Aufbau europĂ€ischer Organisationen einen entscheidenden Anteil; Ziel war dabei auch, den Nachbarn Angst vor Deutschland zu nehmen und die BeschrĂ€nkungen durch die BesatzungsmĂ€chte ĂŒberflĂŒssig zu machen. Die Bundesrepublik ist seit 1950 Mitglied des Europarates und unterschrieb 1957 die Römischen VertrĂ€ge, den Grundstein fĂŒr die heutige EuropĂ€ische Union (EU). Zentraler Aspekt fĂŒr die Sicherheitspolitik und Ausdruck der Westbindung ist die Mitgliedschaft in der NATO, der die Bundesrepublik 1955 beitrat.
WĂ€hrend des Kalten Krieges war der Spielraum deutscher AuĂenpolitik begrenzt. Als eines der wichtigsten Ziele galt die Wiedervereinigung. MilitĂ€reinsĂ€tze im Ausland kamen nicht in Frage. Laut Grundgesetz darf sich die Bundeswehr an Angriffskriegen nicht beteiligen, ihre Aufgabe besteht lediglich in der Landes- und BĂŒndnisverteidigung. Durch die der sozialliberalen Koalition ab 1969 initiierte âNeue Ostpolitikâ unter dem Motto Wandel durch AnnĂ€herung, die zunĂ€chst von wichtigen VerbĂŒndeten sehr skeptisch betrachtet wurde, konnten dennoch eigenstĂ€ndige politische Akzente gesetzt werden. SpĂ€ter wurde diese Politik grundsĂ€tzlich auch von der liberalkonservativen Kohl-Regierung seit 1982 fortgesetzt.
Seit der Wiedervereinigung hat Deutschland seine auĂenpolitischen GrundsĂ€tze erweitert und einen Weg zu gröĂerer internationaler Verantwortung eingeschlagen. So nimmt die Bundeswehr seit 1991 mit Zustimmung des Bundestages und zusammen mit verbĂŒndeten Armeen an verschiedenen friedenserhaltenden und -erzwingenden EinsĂ€tzen auch auĂerhalb Deutschlands und des Territoriums der NATO-VerbĂŒndeten teil (Out-Of-Area-EinsĂ€tze).
Traditionell spielt Deutschland zusammen mit Frankreich eine fĂŒhrende Rolle in der EuropĂ€ischen Union. Deutschland treibt die BemĂŒhungen voran, ĂŒber die Wirtschafts- und WĂ€hrungsunion hinaus ein einheitliches und wirkungsvolles System der europĂ€ischen AuĂen- und Sicherheitspolitik zu schaffen.
Weitere auĂenpolitische Ziele sind die Verwirklichung des Kyoto-Protokolls zum Klimaschutz sowie die weltweite Anerkennung des Internationalen Strafgerichtshofs. Bedeutendes Interesse hat Deutschland auch an einer friedlichen Lösung des Nahostkonflikts. Aufgrund der schwierigen Materie und den Begrenzungen deutscher Politik besteht der Beitrag vor allem in der Bereitstellung informeller Kontaktmöglichkeiten zwischen den beteiligten Parteien.
Die Bundesregierung lehnte den Irakkrieg 2003 ab, da sie die Existenz von Massenvernichtungswaffen bezweifelte, eine diplomatische Lösung bevorzugte und um erhebliche Gefahren fĂŒr die politische StabilitĂ€t des gesamten als fragil eingestuften Raumes fĂŒrchtete. DafĂŒr wurde sie von wichtigen VerbĂŒndeten stark kritisiert. Zusammen mit den VerbĂŒndeten GroĂbritannien und Frankreich bemĂŒht sich die Bundesrepublik, den Iran im Dialog dazu zu bewegen, auf die WeiterfĂŒhrung seines Kernenergieprogramms zu verzichten.
Die Bundesregierung strebt einen stĂ€ndigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen an. Die Durchsetzung dieses Zieles wird jedoch aufgrund des Widerstands anderer, teils verbĂŒndeter Staaten erschwert und hat nur geringe Aussicht auf Erfolg. So wĂŒrden zwar Frankreich und GroĂbritannien die G4-Staaten (Deutschland, Indien, Japan und Brasilien) grundsĂ€tzlich unterstĂŒtzen; jedoch beziehen die USA zu einem deutschen Sitz bisher keine Stellung.
Im Jahr 2006 veröffentlichte das Bundesministerium der Verteidigung ein neues WeiĂbuch, welches die Einbettung der Bundeswehr in friedenssichernde MaĂnahmen auch in entlegenen Regionen der Erde vorsieht.
MilitÀr
Nach ihrer GrĂŒndung 1949 durfte die Bundesrepublik Deutschland zunĂ€chst keine eigenen StreitkrĂ€fte aufstellen. Unter dem Eindruck des Koreakrieges und der sowjetischen Politik in Osteuropa wurde es der Bundesrepublik im Rahmen der Wiederbewaffnung gestattet, zunĂ€chst 1951 eine Grenzschutzpolizei und 1955 StreitkrĂ€fte aufzustellen, um der NATO beizutreten. Nach der Wiedervereinigung wurden Teile der Nationalen Volksarmee der DDR in diese StreitkrĂ€fte eingegliedert.
Die als Bundeswehr bezeichnete militĂ€rische Gesamtorganisation besteht aus den StreitkrĂ€ften und ihrer Verwaltung. Die StreitkrĂ€fte gliedern sich in die TeilstreitkrĂ€fte Heer, Luftwaffe und Marine und die unterstĂŒtzenden Organisationsbereiche StreitkrĂ€ftebasis und Zentraler SanitĂ€tsdienst. Nach Ende des Kalten Krieges wurde die GesamtstĂ€rke der Bundeswehr von rund 500.000 schrittweise auf 250.000 Soldaten reduziert. Im Zwei-plus-Vier-Vertrag wurde eine maximale FriedensstĂ€rke von 370.000 deutschen Soldaten als völkerrechtlich bindend festgelegt.
In der Bundeswehr dienten im Juli 2009 250.000 Soldaten und 120.000 zivile Mitarbeiter. Seit 2001 haben auch Frauen uneingeschrĂ€nkten Zugang zum Dienst in den StreitkrĂ€ften. Ihr Anteil betrĂ€gt 8,6 Prozent der Soldaten (Stand: 2009). Die Bundesrepublik Deutschland gibt im Jahr 2009 31,1 Milliarden Euro fĂŒr die Bundeswehr aus, was einen Anteil von etwa 1,2 Prozent am Bruttoinlandsprodukt entspricht. Dies liegt unter dem Durchschnitt der NATO-Mitgliedsstaaten von 2,3 Prozent. Damit hat Deutschland im Vergleich den siebtgröĂten nationalen Verteidigungsetat weltweit.
Im Zuge der verstĂ€rkten Teilnahme der Bundeswehr an multinationalen Auslandsmissionen seit 1990 lĂ€uft derzeit eine langfristig angesetzte Reform der StreitkrĂ€fte, die eine Reduzierung des schweren GerĂ€ts (Kampfpanzer, Artillerie) zugunsten leichteren, fĂŒr globale EinsĂ€tze besser geeigneten Materials zum Ziel hat. Im Juli 2009 befanden sich rund 7.400 deutsche Soldaten im Ausland im Einsatz.
Es besteht seit 1956 eine grundsĂ€tzliche Wehrpflicht fĂŒr MĂ€nner, der Dienst dauert neun Monate. Alternativ kann als Ersatz ein Zivildienst (Dauer ebenfalls neun Monate), ein Auslandsjahr (zwölf Monate) oder eine mindestens sechsjĂ€hrige Mitarbeit im Katastrophen- oder Zivilschutz (z. B. bei einer Freiwilligen Feuerwehr oder bei anerkannten privaten Hilfsorganisationen) abgeleistet werden. Deutschland ist das letzte bedeutende NATO-Mitglied, das noch an der allgemeinen Wehrpflicht festhĂ€lt. Mit Ausnahme der Unionsparteien sprechen sich mittlerweile sĂ€mtliche groĂen Parteien fĂŒr ihre faktische oder vollstĂ€ndige Abschaffung aus; auch in der öffentlichen Wahrnehmung ist die Wehrpflicht mittlerweile nicht mehr unumstritten (siehe Wehrgerechtigkeit). Die Regierungsparteien haben das gemeinsame Ziel vereinbart, die Wehrdienstdauer ab Januar 2011 auf sechs Monate zu verkĂŒrzen.
Bis 2005 waren auf dem US-StĂŒtzpunkt Ramstein und dem LuftwaffenstĂŒtzpunkt BĂŒchel (beide in Rheinland-Pfalz) noch 150 US-amerikanische Kernwaffen stationiert.[16] Heute lagern noch 20 Sprengköpfe in BĂŒchel, an deren Einsatzplanung Deutschland im Rahmen der nuklearen Teilhabe beteiligt ist.[17]
Polizei und Nachrichtendienste
- Polizei
ZustĂ€ndig fĂŒr die Innere Sicherheit der Bundesrepublik sind die Polizeien der LĂ€nder, welche zum Teil in Vollzugspolizei und Ordnungsbehörden geteilt werden. Dabei ĂŒbernehmen die Ordnungsbehörden verwaltungstechnische Aufgaben, wĂ€hrend die Vollzugspolizei den GroĂteil der Aufgaben zur Gefahrenabwehr ĂŒbernimmt. Zur Vollzugspolizei gehören etwa die Schutzpolizei, die Bereitschaftspolizei sowie die Kriminalpolizei. Der Kriminalpolizei steht zudem das Bundeskriminalamt beziehungsweise die einzelnen LandeskriminalĂ€mter vor. Das Bundeskriminalamt ist direkt dem Bundesministerium des Innern unterstellt und damit die höchste Ermittlungsbehörde in Deutschland. Zur Bundespolizei (ehemals Bundesgrenzschutz) gehören unter anderem die Spezialeinheit GSG 9 der Bundespolizei sowie die Mobile Fahndungseinheit.
- Nachrichtendienste
FĂŒr die nachrichtendienstliche Informationsbeschaffung, die Spionageabwehr und den Verfassungsschutz sind in Deutschland drei verschiedene Dienste zustĂ€ndig. Der Bundesnachrichtendienst (BND) als klassischer Auslandsgeheimdienst, das Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz und die nachgeordneten Landesbehörden fĂŒr Verfassungsschutz als Inlandsgeheimdienst und der MilitĂ€rische Abschirmdienst (MAD) als militĂ€rischer Nachrichtendienst.
Siehe auch: Bundeszollverwaltung, Zollkriminalamt, Zollfahndungsdienst, Wirtschaftskontrolldienst, Bundeskriminalamt (Deutschland), Bundesnachrichtendienst
Politische Geographie
Liste der LĂ€nder
Die Bundesrepublik Deutschland besteht aus 16 Gliedstaaten, die offiziell als LĂ€nder (BundeslĂ€nder) bezeichnet werden. Die Stadtstaaten Berlin und Hamburg bestehen ausschlieĂlich aus den gleichnamigen Gemeinden und sind somit Einheitsgemeinden. Die Freie Hansestadt Bremen gilt als Stadtstaat, jedoch besteht das Land aus den Gemeinden Bremen und Bremerhaven.
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Gemeinden
Die Gemeinden sind die kleinsten selbstÀndigen Gebietskörperschaften der politischen Gebietsgliederung. Sie regeln alle Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft eigenverantwortlich und haben das Recht der Selbstverwaltung (Art. 28 Abs. 2 GG). Sie sind, ausgenommen die meisten kreisfreien StÀdte, in Landkreisen und anderen GemeindeverbÀnden zusammengefasst. Kreise und Gemeinden unterliegen dem Kommunalverfassungsrecht des jeweiligen Bundeslandes und sind daher bundesweit ganz unterschiedlich organisiert. Einzig die Kreisstadt als Verwaltungssitz eines Landkreises findet sich deutschlandweit. Die Einheitsgemeinden Berlin und Hamburg sind als Stadtstaaten gleichzeitig auch LÀnder.
Geschichte
FrĂŒhgeschichte und Antike (FrĂŒhzeitâ375)
Die Àltesten Siedlungsbelege auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland sind etwa 700.000 Jahre alt, man geht von einer dauerhaften Besiedlung seit rund 500.000 Jahren aus. In Deutschland existieren bedeutende palÀoanthropologische FundstÀtten: Nach dem Fundort bei Heidelberg wurde die Hominini-Art Homo heidelbergensis und nach dem Neandertal in Mettmann der Homo neanderthalensis, der aus dem Homo heidelbergensis hervorgegangene Neandertaler, benannt. Dieser wurde vor etwa 40.000 Jahren von dem aus Afrika zugewanderten Homo sapiens, dem modernen Menschen, verdrÀngt.
In der Jungsteinzeit entwickelten sich Ackerbau, Viehzucht und feste SiedlungsplÀtze. Aus dieser Zeit sind einige bedeutende kulturelle Funde erhalten, wie etwa die Himmelsscheibe von Nebra, die darauf deutet, dass schon um 2000 v. Chr. in dieser Region Astronomie betrieben wurde.
Erste schriftliche ErwĂ€hnung finden keltische und germanische StĂ€mme bei den Griechen und Römern in der vorchristlichen Zeit. Um 500 v. Chr. war das heutige SĂŒddeutschland keltisch und das heutige Norddeutschland germanisch besiedelt. Die Germanen wanderten im Laufe der Jahrhunderte sĂŒdwĂ€rts, so dass um Christi Geburt die Donau die ungefĂ€hre Siedlungsgrenze zwischen Kelten und Germanen war. Hierdurch gelangten keltische Orts- und GewĂ€ssernamen sowie keltische Lehnwörter in die germanischen Mundarten.
Von 58 v. Chr. bis etwa 455 n. Chr. gehörten die Gebiete links des Rheins und sĂŒdlich der Donau zum Römischen Reich, von etwa 80 bis 260 n. Chr. auch ein Teil Hessens (Wetterau) sowie der gröĂte Teil des heutigen Baden-WĂŒrttemberg sĂŒdlich des Limes. Die Gebiete im heutigen Deutschland verteilten sich auf die Provinzen Germania Superior, Germania Inferior und Raetia. In diesem Gebiet grĂŒndeten die Römer viele Legionslager, die sich spĂ€ter zu StĂ€dten entwickeln konnten. Wichtigste StĂ€dte zu römischer Zeit waren Trier, Köln, Augsburg und Mainz (die Ă€ltesten StĂ€dte Deutschlands).
Zur Sicherung der Grenzen siedelten die Römer befreundete germanische StĂ€mme in den Provinzen an. AuĂerdem wanderten Siedler aus anderen Teilen des Römischen Reiches, insbesondere aus Italien, ein und wurden westlich des Rheins und sĂŒdlich der Donau sesshaft. Weitreichende Neuerungen, die auch das deutsche Vokabular beeinflussten, fĂŒhrten die Römer insbesondere in Hausbau, Handwerk, Wein- und Ackerbau sowie Verwaltung und MilitĂ€r ein. Eine erste Geschichte Gesamtgermaniens verfasste der römische Historiker Tacitus im Jahr 98.
Völkerwanderung und Mittelalter (375â962)
Nach dem Einfall der Hunnen 375 und zeitgleich mit dem Niedergang Westroms ab 395 setzte die Völkerwanderung ein, in deren Verlauf die germanischen StĂ€mme immer weiter nach SĂŒdwesten zogen. Gleichzeitig bildeten sich auf dem Gebiet des heutigen Deutschland mehrere GroĂstĂ€mme heraus, die die kleineren germanischen StĂ€mme der römischen Kaiserzeit verdrĂ€ngten. Dies sind Franken und Alemannen im Westen, Sachsen im Norden, Bayern im SĂŒden und ThĂŒringer im Osten. In die fast menschenleeren Gebiete des heutigen Ostdeutschland wanderten am Ende der SpĂ€tantike im 7. Jahrhundert bis zur Elbe-Saale-Linie slawische StĂ€mme ein. Weite Teile der Bevölkerung der heutigen ostdeutschen BundeslĂ€nder waren daher bis ins hohe Mittelalter slawisch geprĂ€gt (Germania Slavica). Erst im Zuge der hochmittelalterlichen Ostsiedlung wurden sie assimiliert und akkulturiert. Der Hauptteil West- und Mitteleuropas wurde vom Frankenreich eingenommen, das heutige Norddeutschland wurde von den Sachsen beherrscht.
Nach der blutigen Unterwerfung und Zwangsmissionierung der Sachsen unter Karl dem GroĂen erstreckte sich das Frankenreich bis zur Nordsee, der Eider und dem heutigen Ăsterreich. Auf dem Höhepunkt der frĂ€nkischen Macht stellte Karl der GroĂe einen Anspruch auf die FĂŒhrungsmacht in Europa. 800 lieĂ er sich in Rom zum Kaiser krönen. Doch die Einheit seines Reiches wĂ€hrte nicht lange: Streitigkeiten unter seinen Nachfolgern bewirkten im Vertrag von Verdun (843) die Dreiteilung des Reiches in das Ostfrankenreich, unter König Ludwig Germanicus (spĂ€ter: âdem Deutschenâ), das Westfrankenreich unter König Karl dem Kahlen und dem zwischen ihnen liegenden Königreich Lothars I., das den Namen Lotharingien erhielt.
Heiliges Römisches Reich (962â1806)
Als traditioneller Beginn der deutschen staatlichen Tradition wird oft der 2. Februar 962 angesehen, an dem Otto I. in Rom zum römisch-deutschen Kaiser gekrönt wurde. Der Terminus regnum teutonicum (âdeutsches Reichâ) wurde ab dem 10. Jahrhundert als Bezeichnung fĂŒr das Ostfrankenreich benutzt.
WĂ€hrend sich das Westfrankenreich mit der Zeit zum französischen Zentralstaat entwickelte, blieb das Ostfrankenreich durch TerritorialfĂŒrsten geprĂ€gt. Obwohl die Kaiser wiederholt versuchten, ihre Position zu stĂ€rken, blieb das Reich ein supranationaler Verband souverĂ€ner groĂer, mittelgroĂer und vieler Klein- und Kleinstterritorien sowie Freier ReichsstĂ€dte (â Historisches Territorium). Nach der Reformation und dem DreiĂigjĂ€hrigen Krieg hatte der Kaiser nur noch eine formale Machtstellung.
Im 17./18. Jahrhundert entwickelte sich nach französischem Vorbild der Absolutismus, der jedoch anders als dort nicht die Zentralgewalt, sondern einzelne (Landes-)FĂŒrstentĂŒmer zu bĂŒrokratisch organisierten, modernen Staaten werden lieĂ. Manche Herrscher, insbesondere König Friedrich II. von PreuĂen, aber partiell auch seine kaiserlichen Dauerrivalen Maria Theresia, Franz I. und Joseph II., öffneten sich dem philosophischen Zeitgeist (AufgeklĂ€rter Absolutismus).
Dieser Zustand wĂ€hrte bis 1806, als NapolĂ©on I. in seinen Eroberungskriegen Mitteleuropa ĂŒberrannte und das schwache Reichsgebilde zum Einsturz brachte. Der letzte Kaiser des faktisch nur noch formell bestehenden Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, Franz II., der erst 1804 auch Kaiser des österreichischen Vielvölkerstaates geworden war, legte daher die Reichskrone nieder. Damit erlosch das Reich.
Zahlreiche Reliquien wie auch der römisch-deutsche Kaiserthron finden sich heute noch im Aachener Dom.
Rheinbund (1806â1815)
Unter NapolĂ©ons Einfluss war zwischen 1803 und 1806 die Anzahl der Staaten im Gebiet des âAlten Reichesâ von etwa 300 auf etwa 60 verringert worden. FlĂ€chenmĂ€Ăige NutznieĂer dieses Prozesses waren vor allem PreuĂen, Bayern, WĂŒrttemberg und Baden. Die neuen Staaten waren teilweise im von NapolĂ©on geschaffenen und kontrollierten Rheinbund vereinigt. EigenstĂ€ndig blieben nur Ăsterreich und PreuĂen.
Deutscher Bund (1815â1866)
Nach der Niederlage NapolĂ©ons restaurierte der Wiener Kongress (1814â1815) weitgehend die alten monarchischen HerrschaftsverhĂ€ltnisse. Im Deutschen Bund, einem von dem Kaisertum Ăsterreich und dem Königreich PreuĂen dominierten Staatenbund (â Deutscher Dualismus), organisierten sich 38 Staaten (â Drittes Deutschland). Der Bundestag, mit Sitz in Frankfurt am Main, bildete das Entscheidungsgremium. 1833/1834 wurde der Deutsche Zollverein geschaffen, in dem das wieder erstarkte PreuĂen dominierende Macht war.
In der Ăra des VormĂ€rz bewahrte der Hochadel mit Hilfe einer in den Karlsbader BeschlĂŒssen gipfelnden, konsequent betriebenen Repression und Restauration seine Macht. Das wirtschaftlich weiter erstarkende BĂŒrgertum forderte jedoch weiter Teilhabe an der politischen Macht.
Im Oktober 1817 trafen sich Professoren und Studenten zum Wartburgfest. âHöhepunktâ war die Verbrennung von Werken von Autoren, die gegen einen deutschen Staat waren, wie zum Beispiel August von Kotzebue. Zum spĂ€ter sogenannten Hambacher Fest trafen sich 1832 ĂŒber 30.000 Menschen aus vielen Bevölkerungskreisen und Staaten. Dort wurden die Farben Schwarz-Rot-Gold gehisst, die spĂ€ter zu den Nationalfarben wurden (siehe auch Flagge Deutschlands).
Am 1. MĂ€rz 1848 begann mit der Besetzung des StĂ€ndehauses des badischen Landtags in Karlsruhe die MĂ€rzrevolution. Durch AufstĂ€nde der BĂŒrger mussten viele konservative Politiker ihren Platz rĂ€umen, unter ihnen der österreichische Staatskanzler FĂŒrst Metternich, der noch im Wiener Kongress die Monarchie nach NapolĂ©ons Abtreten mitrestauriert und die Epoche seitdem geprĂ€gt hatte.
Unter dem Druck der revolutionĂ€ren Ereignisse in Berlin seit dem 6. MĂ€rz 1848 gab der preuĂische König Friedrich Wilhelm IV. zunĂ€chst nach, machte ZugestĂ€ndnisse und akzeptierte vorerst die Einrichtung der Frankfurter Nationalversammlung. Die von jener ausgearbeitete Paulskirchenverfassung, die Deutschland in eine geeinte konstitutionelle Monarchie umgewandelt hĂ€tte, lehnte er jedoch ebenso ab wie die ihm angetragene Kaiserkrone, die er als bĂŒrgerliche âLumpenkroneâ bezeichnete.
Der Maiaufstand vom Mai 1849 wurde niedergeschlagen und endete am 23. Juli 1849 mit der Einnahme von Rastatt durch preuĂische Truppen.
Bald danach kam es zur Kollision PreuĂens mit der GroĂmacht Ăsterreich um die Vormachtstellung im Deutschen Bund, die zum PreuĂisch-Ăsterreichischen Krieg (spĂ€ter auch âDeutscher Kriegâ) von 1866 fĂŒhrte. Nachdem PreuĂen diesen Krieg fĂŒr sich entschieden hatte, kam es zur Auflösung des Deutschen Bundes. PreuĂen annektierte etliche nord- und mitteldeutsche Kriegsgegner, so dass sich die Zahl der deutschen Staaten weiter verringerte.
Norddeutscher Bund (1866â1871)
1866 wurde zunĂ€chst als MilitĂ€rbĂŒndnis der Norddeutsche Bund gegrĂŒndet. Er bekam 1867 eine Verfassung, die ihn zum Bundesstaat machte.
Die GrĂŒndung des Bundes als souverĂ€nen Gesamtstaat zum 1. Juli 1867 unter preuĂischer FĂŒhrung leitete die sogenannte kleindeutsche Lösung ein. Diese zielte entsprechend der Intention Bismarcks auf eine staatliche Einigung deutscher Einzelstaaten unter der Hegemonie PreuĂens ohne die damalige GroĂmacht Ăsterreich.
Deutsches Kaiserreich (1871â1918)
Das Deutsche Reich wurde nach dem gewonnenen Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871 und der Proklamation des preuĂischen Königs Wilhelm I. vom ehemaligen Amt des Vorsitzenden des Bundesrates zum Deutschen Kaiser im Spiegelsaal von Versailles ausgerufen.
Mit der ReichsgrĂŒndung wurden Gebiete eingegliedert, die noch nie oder lange nicht mehr zum Heiligen Römischen Reich gehört hatten. Dazu gehörten West-, OstpreuĂen, das ĂŒberwiegend polnischsprachige Gebiet Posen und Schleswig. Frankreich trat (deutsch- und französischsprachige) Teilgebiete der Regionen Lothringen und Elsass ab, welche als direkt von der Zentrale verwaltetes âReichsland ElsaĂ-Lothringenâ ohne Gliedstaatrechte konstituiert wurden.
Otto von Bismarck hatte als preuĂischer MinisterprĂ€sident auf die ReichsgrĂŒndung hingewirkt, maĂgeblich die Verfassung entworfen und wurde nun erster Reichskanzler. Seine Politik stĂŒtzte die Macht des monarchischen Staates, war aber flexibel und letztlich zwiespĂ€ltig. Gegen die katholische Kirche fĂŒhrte er einen sogenannten Kulturkampf, in dessen Folge sogar Bischöfe inhaftiert wurden; inhaltlich waren die entsprechenden Gesetze (zur Schule, zur Ehe) oft eher liberal. Um die Liberalen zu schwĂ€chen, fĂŒhrte Bismarck bei Reichstagswahlen das demokratische Wahlrecht fĂŒr alle MĂ€nner ein. Nationalliberale waren andererseits lange Zeit Partner Bismarcks. Er bekĂ€mpfte die Sozialdemokratie seit 1878 mithilfe der Sozialistengesetze, versuchte aber, die Arbeiter durch eine moderne Sozialgesetzgebung an den Staat zu binden.
Seine anfangs aggressive AuĂenpolitik Ă€nderte sich ab der ReichsgrĂŒndung zu einer BĂŒndnispolitik, die ein defensives BĂŒndnissystem schuf, mit Deutschland als halbhegemonialer Macht in der Mitte Europas. Frankreich wurde isoliert und ermutigt, sich auf seine Kolonien (und nicht auf das verlorene Elsass-Lothringen) zu konzentrieren.
Bismarck war gegenĂŒber der Erwerbung von Kolonien skeptisch. Wirtschaftliche Schwierigkeiten und Kolonialpolitik deutscher Kaufleute fĂŒhrten trotzdem dazu, dass eine Gruppe auf der Berliner Kongokonferenz Deutschland 1884 sich bei der Teilung Afrikas Gebiete zusprach und damit in den Kreis der KolonialmĂ€chte eintrat, nachdem schon in den frĂŒhen 1880er-Jahren deutsche Vereine Territorien in Afrika und Asien erworben hatten.
Im âDreikaiserjahrâ 1888 kam Wilhelm II. an die Macht, der schon 1890 Bismarck zum RĂŒcktritt zwang und die AuĂenpolitik in Richtung konfrontativer GroĂmacht- und Weltmachtpolitik Ă€nderte. Durch den neuen Kurs isolierte sich das Reich selber und ein neues BĂŒndnissystem entstand. Das Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand löste im Jahre 1914 den Ersten Weltkrieg aus, weil Wilhelm II. seinem BĂŒndnispartner Ăsterreich-Ungarn eine bedingungslose UnterstĂŒtzungszusage gegeben hatte, als die Donaumonarchie Serbien den Krieg erklĂ€rte. Mehr als zwei Millionen deutsche Soldaten starben im Ersten Weltkrieg, rund 800.000 Zivilisten starben an Hunger.
Weimarer Republik (1919â1933)
Mit der deutschen Kapitulation 1918 und der Novemberrevolution endete nicht nur der Erste Weltkrieg, sondern auch die Monarchie im Deutschen Reich. Im Vertrag von Versailles wurden erhebliche Gebietsabtretungen, die Alliierte Rheinlandbesetzung sowie Reparationen festgelegt.
Mit der Ausrufung der Republik wurde am 9. November 1918 das Kaisertum beendet. Am 30. November 1918 erhielten die Frauen mit der âVerordnung ĂŒber die Wahlen zur Verfassungsgebenden deutschen Nationalversammlung (Reichswahlgesetz)â aktives und passives Wahlrecht. Die Revolutionsregierung aus rechten und linken Sozialdemokraten nannte sich âRat der Volksbeauftragtenâ. Nach der Wahl der verfassunggebenden Nationalversammlung trat die Weimarer Verfassung am 11. August 1919 in Kraft.
Die Hypothek der Reparationszahlungen belastete von Beginn an das politische Klima der jungen Republik. Die von rechtsextremen KrĂ€ften verbreitete DolchstoĂlegende fĂŒhrte zu politischen Morden und Putschversuchen, von denen die wichtigsten der Kapp-Putsch 1920 und der Hitler-Ludendorff-Putsch 1923 waren. Wichtige Vertreter der demokratischen KrĂ€fte wie Matthias Erzberger und Walther Rathenau wurden von nationalistischen AttentĂ€tern ermordet. Der erste Reichskanzler Philipp Scheidemann ĂŒberlebte einen Anschlag am Pfingstsonntag 1922 nur knapp. Andererseits gab es mehrere AufstĂ€nde von Kommunisten, wie den Ruhraufstand 1920, die MĂ€rzkĂ€mpfe in Mitteldeutschland 1921 und den Hamburger Aufstand 1923.
In den kurzen âgoldenen Zwanzigernâ blĂŒhte die Kultur und ab 1924 auch die Konjunktur auf und das mittlerweile ĂŒber vier Millionen Einwohner zĂ€hlende Berlin wurde zu einer der dynamischsten StĂ€dte Europas.
Ein jĂ€hes Ende erfuhr die ProsperitĂ€t 1929 im Gefolge des Schwarzen Donnerstags, als durch den Zusammenbruch der New Yorker Börse die Weltwirtschaftskrise ausgelöst wurde. Zu deren Höhepunkt 1932 gab es in Deutschland mehr als sechs Millionen Arbeitslose, die gröĂtenteils in Elend lebten. In der Folge fanden extremistische Parteien noch stĂ€rkeren Zulauf als zuvor, sodass es fĂŒr die gemĂ€Ăigten Parteien zunehmend schwieriger wurde, stabile Regierungen zu bilden. Nach dem Erdrutschsieg der Nationalsozialisten bei der Reichstagswahl 1930 verfĂŒgten die Reichskanzler, die in rascher Folge wechselten, ĂŒber keine parlamentarische Mehrheit mehr. Die sogenannten PrĂ€sidialkabinette waren nur noch vom ReichsprĂ€sidenten Paul von Hindenburg und dessen Notverordnungen abhĂ€ngig.
Die Spar- und Deflationspolitik des Reichskanzlers BrĂŒning verschĂ€rfte die wirtschaftliche Krise noch weiter. Dessen Nachfolger Franz von Papen (JuniâNovember 1932) unterstellte die demokratische Regierung PreuĂens einem Reichskommissar (âPreuĂenschlagâ) und lieĂ Neuwahlen abhalten, bei denen die Nationalsozialisten noch stĂ€rker wurden. Reichskanzler Kurt von Schleicher versuchte durch eine âQuerfrontâ von Gewerkschaften und Teilen der Nationalsozialisten eine MachtĂŒbernahme Adolf Hitlers zu verhindern, scheiterte aber an Franz von Papen, der Hindenburg dazu ĂŒberredete, Hitler trotz starken Widerwillens zum Reichskanzler zu ernennen.
Hitlers Regierung vom 30. Januar 1933 war zunĂ€chst eine Koalition von Nationalsozialisten und Teilen der Konservativen, darunter Franz von Papen und Alfred Hugenberg. Am 27. Februar kam es zum Reichstagsbrand, dessen Ursache immer noch nicht geklĂ€rt ist. Hitler nutzte die Brandstiftung, um die sogenannte Reichstagsbrandverordnung zu verabschieden, die auf unbestimmte Zeit die Grundrechte auĂer Kraft setzte. Die nun folgenden Massenverhaftungen politischer Gegner, insbesondere Kommunisten und Sozialdemokraten, prĂ€gten das Vorfeld der Reichstagswahl 1933. Trotz erheblicher Stimmengewinne verfehlte die NSDAP auch hier die absolute Mehrheit und ging daher ein BĂŒndnis mit der reaktionĂ€r geprĂ€gten DNVP ein. Die endgĂŒltige MachtĂŒbernahme erfolgte fĂŒnf Tage spĂ€ter, als der neu zusammengetretene Reichstag mit den Stimmen der bĂŒrgerlichen Parteien gegen allein die Stimmen der SPD ein ErmĂ€chtigungsgesetz verabschiedete, welches Hitlers Regierung das Recht zubilligte, Gesetze auch ohne den Reichstag zu beschlieĂen.
Nationalsozialistische Diktatur (1933â1945)
Die NSDAP errichtete im Deutschen Reich innerhalb kĂŒrzester Zeit einen totalitĂ€ren Einparteienstaat unter FĂŒhrung Adolf Hitlers. Missliebige Personen wurden aus allen staatlichen Organisationen entfernt. Es wurden erste Konzentrationslager errichtet, um politische Gegner zu beseitigen, insbesondere Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter. Eine Reihe von Direktiven sorgte fĂŒr die völlige Gleichschaltung der öffentlichen Meinung im Sinne der NSDAP. Missliebige Publikationen wurden, beispielsweise in der öffentlichkeitswirksamen BĂŒcherverbrennung, aus dem Verkehr gezogen und der gesamte Kunstbetrieb auf Parteilinie gebracht â unerwĂŒnschte Kunstwerke wurden fĂŒr âentartetâ erklĂ€rt. Innerhalb kĂŒrzester Zeit durchdrang die Partei auch das Privatleben, indem die NS-Propaganda des von Joseph Goebbels geleiteten Reichspropagandaministeriums allgegenwĂ€rtig wurde und bereits auf Kinder Druck ausgeĂŒbt wurde, den Parteiorganisationen beizutreten.
Persönlich sicherte sich Hitler ab, indem er auch innerparteiliche Gegner und ehemalige WeggefĂ€hrten ermorden lieĂ. Im angeblichen Röhm-Putsch lieĂ er am 30. Juni 1934 den SA-FĂŒhrer Röhm und eine Reihe innenpolitischer Gegner töten, woraufhin auch die ihm lĂ€stig gewordene SA entmachtet wurde. Stattdessen setzte er auf die ihm bedingungslos ergebene SS und die Reichswehr, deren GeneralitĂ€t auf ihn persönlich ihren Treueeid ablegte. Die Gestapo wurde als politische Polizei zur BekĂ€mpfung der politischen und ideologischen Gegner eingesetzt.
Von Beginn an verfolgte Hitler zwei Ziele: einen Angriffs- und Vernichtungskrieg zur Schaffung neuen âLebensraumes im Ostenâ und die Verfolgung der Juden, die mit Diskriminierung, DemĂŒtigung und Ausgrenzung begann und spĂ€ter im Holocaust endete. Nachdem sich Hitler der Gefolgschaft des MilitĂ€rs versichert hatte, begann schon ab 1934 die Ausrichtung der Wirtschaft auf einen bevorstehenden Krieg: Die RĂŒstungsausgaben wurden innerhalb kĂŒrzester Zeit auf gewaltige Summen getrieben. Arbeitsprogramme, eine enthemmt expansive Geldpolitik und Schuldenwirtschaft waren die wirtschaftspolitischen Instrumente hierfĂŒr. Die damit verbundene Senkung der Arbeitslosigkeit wurde von der Bevölkerung begrĂŒĂt und als Einlösung wirtschaftlicher Versprechen aufgenommen.
Die Lage der Juden verschlimmerte sich kontinuierlich: 1935 wurden die NĂŒrnberger Rassengesetze verabschiedet, die persönliche Beziehungen zwischen âAriernâ und Juden als âRassenschandeâ brandmarkten und schwer bestraften. Juden verloren zuerst alle öffentlichen Ămter, wurden willkĂŒrlich verfolgt, bestohlen und erpresst und schlieĂlich mit einem völligen Berufsverbot belegt. Unter dem Begriff âArisierungâ wurden alle jĂŒdischen Unternehmen enteignet. Immer hĂ€ufiger wurden nun auch Juden in Konzentrationslager eingewiesen. Viele fassten den Entschluss zur Emigration, die meisten aber blieben in Deutschland, weil sie sich als Deutsche fĂŒhlten und ihre Heimat nicht verlassen wollten.
Die rassistische Weltsicht der Nationalsozialisten und ihre BemĂŒhungen zur Schaffung einer âgesundenâ und verbrechensfreien âVolksgemeinschaftâ (vgl. Herrenrasse) betraf daneben zwei weitere als âfremdrassigâ (vgl. Fremdvölkische) geltende Bevölkerungsgruppen in Europa, Roma sowie Angehörige der slawischen Ethnien wie Polen und Russen oder Ukrainer. Nicht als âfremdrassigâ, aber als die Gesundheit des âVolkskörpersâ bedrohende deutsche Bevölkerungsgruppen waren Homosexuelle, Behinderte und die zahlreichen Gruppen der âAsozialenâ von der rassenhygienischen Utopie und also von Repression, Gewalt und Mord betroffen.
WĂ€hrenddessen feierte das Regime einige Propagandaerfolge. 1935 stimmte das Saarland fĂŒr eine RĂŒckkehr ins Reich und wurde eingegliedert, 1936 verbesserten die Olympischen Spiele das Ansehen im Ausland, im gleichen Jahr erfolgte die erneute Besetzung des entmilitarisierten Rheinlands. Die aggressive Expansion ĂŒber die deutschen Grenzen hinaus begann mit dem Anschluss von Ăsterreich im Jahr 1938, der unter dem Jubel groĂer Teile der Bevölkerung betrieben wurde, woraufhin Deutschland als âGroĂdeutsches Reichâ bezeichnet wurde (vgl. GroĂdeutsche Lösung) â ab dem 26. Juni 1943 trug das Deutsche Reich hinfort auch offiziell den Namen GroĂdeutsches Reich. GemÀà dem MĂŒnchner Abkommen erreichte Hitler im November 1938 die Annexion des mehrheitlich von Deutschen besiedelten Sudetenlandes.
Erst als Deutschland im MĂ€rz 1939 auch in das restliche Tschechien einmarschierte und es als âProtektorat Böhmen und MĂ€hrenâ dem Reichsgebiet zuschlug, ebenso wie das von Litauen rĂŒckabgetretene Memelland, erkannten die anderen Staaten den Fehler, den sie mit ihrer Beschwichtigungspolitik (Appeasement-Politik) begangen hatten.
Nachdem Deutschland schlieĂlich am 1. September 1939 Polen angriff, erklĂ€rten GroĂbritannien und Frankreich Deutschland den Krieg. Der Zweite Weltkrieg forderte in sechs Jahren 55 Millionen Tote. Mit einer Serie erfolgreicher Aktionen, die als Blitzkrieg in die Geschichte eingingen, gelangen Deutschland zunĂ€chst bedeutende militĂ€rische Erfolge. Polen wurde im Nichtangriffspakt zwischen Hitler und Stalin aufgeteilt, die Wehrmacht warf anschlieĂend ihre Armeen nach Westen, ĂŒberfiel die neutralen Staaten Luxemburg, Belgien und Niederlande und besetzte innerhalb von sechs Wochen Frankreich. Zu diesem Zeitpunkt erreichte Hitlers PopularitĂ€t im Volk seinen Höhepunkt, und das Deutsche Reich erstreckte sich nun vom Elsass bis nach Krakau.
Mit Kriegsbeginn war auch das Schicksal der Juden und der anderen verfolgten Minderheiten besiegelt. Die Ausreise wurde verboten, die Juden wurden in Ghettos gezwungen und mussten den âJudensternâ tragen. Bei unzureichender Verpflegung und stĂ€ndig ausbrechenden Seuchen mussten sie Zwangsarbeit in der Kriegswirtschaft verrichten. Viele von ihnen starben an EntkrĂ€ftung, Hunger oder Misshandlungen.
Im Jahre 1941 begann die systematische Ermordung der Juden â der genaue Zeitpunkt oder ein einzelner Befehl Hitlers dazu ist nicht bekannt. Auf der Wannseekonferenz im Januar 1942 wurden dazu administrativ die Weichen gestellt. Die mit der AusfĂŒhrung vor allem beauftragte SS errichtete auf ehemals polnischem oder sowjetischem Gebiet Vernichtungslager, in denen die meisten Opfer, in Viehwaggons herangebracht, sofort vergast wurden. Allein in Auschwitz-Birkenau wurden auf diese Art ĂŒber eine Million Menschen ermordet. Insgesamt belĂ€uft sich die Zahl der Ermordeten auf ungefĂ€hr sechs Millionen.
Zwischenzeitlich hatte Hitler der Sowjetunion den Krieg erklĂ€rt (Russlandfeldzug 1941â1945). Seit Juni 1941 marschierte das Heer scheinbar unaufhaltsam auf Moskau vor und wurde erst im Dezember gestoppt. Nachdem der KriegsverbĂŒndete Japan im selben Monat die amerikanische Marine in Pearl Harbor ĂŒberfallen hatte, erklĂ€rte Deutschland auch den USA den Krieg. Mangelnde Ressourcen und die Ăbermacht des Gegners lieĂen schon bald die Kriegswende eintreten. Als ĂŒberdeutliches Zeichen dafĂŒr wird gemeinhin die erbittert gefĂŒhrte und verlorene Schlacht um Stalingrad angefĂŒhrt, die in der völligen Aufreibung der deutschen 6. Armee endete.
Je unvermeidlicher die Niederlage wurde, desto hĂ€rter wurde die Politik nach innen gefĂŒhrt. Goebbels rief im Berliner Sportpalast 1943 den âtotalen Kriegâ aus. Die gesamte Produktion wurde nun auf den Krieg ausgerichtet, wĂ€hrend die deutschen Armeen an fast allen Fronten zurĂŒckwichen und die Alliierten die deutschen StĂ€dte bombardierten. Erst als die sowjetischen Armeen schon Berlin eingenommen hatten, nahm sich Hitler am 30. April 1945 in seinem FĂŒhrerbunker das Leben. Die deutsche bedingungslose Kapitulation folgte am 8. Mai. Die ĂŒberlebenden politischen und militĂ€rischen Hauptverantwortlichen wurden spĂ€ter in den NĂŒrnberger Prozessen verurteilt.
Siehe auch: Rechtslage des Deutschen Reiches nach 1945
Alliierte Besatzung (1945â1949)
Deutschland wurde in den Grenzen vom 31. Dezember 1937 in vier Besatzungszonen aufgeteilt, wĂ€hrend GroĂ-Berlin einer Alliierten Kommandantur der vier SiegermĂ€chte (zunĂ€chst die USA, die Sowjetunion und das Vereinigte Königreich, spĂ€ter auch Frankreich), die deutschen Ostgebiete nicht aber dem Besatzungsrecht unterstellt wurden. Die Alliierten bemĂŒhten sich anfangs noch um eine gemeinsame Besatzungspolitik. Einig war man sich ĂŒber eine Demilitarisierung und die sogenannte Entnazifizierung. Aber schon bei der Frage, was man unter einer Demokratie zu verstehen habe, zeigten sich erste Meinungsverschiedenheiten zwischen der Sowjetunion einerseits und den WestmĂ€chten andererseits.
Die Alliierten bemĂŒhten sich anfangs noch um eine gemeinsame Besatzungspolitik. Einig war man sich ĂŒber eine Demilitarisierung und die sogenannte Entnazifizierung. Aber schon bei der Frage, was man unter einer Demokratie zu verstehen habe, zeigten sich erste Meinungsverschiedenheiten zwischen der Sowjetunion einerseits und den WestmĂ€chten andererseits.
Auf Betreiben Stalins, der die 1921 an Polen verlorenen Gebiete (Ostpolen, Kresy) 1939 bzw. 1944 zurĂŒckerobert und der Sowjetunion zugeschlagen hatte, wurden die Ostgebiete des Deutschen Reiches sowie die bis zum Einmarsch der Wehrmacht 1939 Freie Stadt Danzig als âAusgleichâ unter polnische Verwaltungshoheit gestellt, wobei die spĂ€tere Volksrepublik Polen die Verwaltungsgebiete direkt als polnisches Staatsgebiet betrachtete und behandelte. So fielen Hinterpommern, Schlesien, Ostbrandenburg/Neumark und das sĂŒdliche OstpreuĂen faktisch an Polen, das nördliche OstpreuĂen als Gebiet Kaliningrad an die Sowjetunion â ein Vorgehen, das von den WestmĂ€chten auf der Konferenz von Potsdam nur widerstrebend gebilligt wurde. Die meisten deutschen Bewohner im neuen Einflussbereich der Sowjetunion wurden aus ihrer Heimat, die nun in Polen, der Tschechoslowakei usw. lag, vertrieben. Dabei verlor Deutschland ein Viertel seines Gebietes von 1937, und ein FĂŒnftel seiner Bevölkerung wurde zu FlĂŒchtlingen.
In den drei Westzonen wurde im Mai 1949 die Bundesrepublik Deutschland gegrĂŒndet. In der Sowjetischen Zone (im Westen zunĂ€chst Mitteldeutschland genannt) entstand im Oktober 1949 die Deutsche Demokratische Republik (DDR). Beide Staaten bezeichneten sich anfangs als staatsrechtlich identisch mit dem Deutschen Reich (vgl. Deutsches Reich#Staatsrechtliche Fragen), wovon die DDR spĂ€ter aber abrĂŒckte, da damit auch Verpflichtungen verbunden waren, und weil keine Fortsetzung eines kapitalistischen Staates erwĂŒnscht war.
Die Republik Ăsterreich wurde in den Grenzen von 1937 wiederhergestellt, SĂŒdtirol also erneut abgetrennt. Die Grenzziehung der deutschen BundeslĂ€nder wurde teilweise durch die Grenzen der Besatzungszonen (vgl. auch Besatzungsfreie Zone) bestimmt, insbesondere zwischen Niedersachsen und Mecklenburg bzw. Sachsen-Anhalt sowie zwischen ThĂŒringen und Hessen, woraus die spĂ€tere innerdeutsche Grenze wurde.
Teilung und Wiedervereinigung (1949â1990)
Die Bundesrepublik Deutschland ist der erste Staat auf deutschem Boden, welcher den Namen Deutschland im Staatsnamen trĂ€gt. Sie wurde am 23. Mai 1949 in den drei westlichen Besatzungszonen gegrĂŒndet. An diesem Tag wurde das Grundgesetz als Provisorium fĂŒr eine Verfassung in Kraft gesetzt. Das Grundgesetz enthielt in der PrĂ€ambel â(âŠ) Das gesamte Deutsche Volk bleibt aufgefordert, in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands zu vollendenâ ein âWiedervereinigungsgebotâ, das im Zuge der deutschen Wiedervereinigung verwirklicht werden konnte. Bonn wurde am 3. November 1949 zur vorlĂ€ufigen Hauptstadt erklĂ€rt.
Die GrĂŒndung der DDR erfolgte am 7. Oktober 1949 in der Sowjetischen Besatzungszone. Nach einer Verwaltungsreform 1952 entstanden daraus 15 Bezirke.
Durch den Kalten Krieg wurden die Deutschen in Ost und West physisch immer mehr getrennt. Der Eiserne Vorhang zog sich quer durch Mitteleuropa und teilte auch Deutschland. Mit dem Bau der Berliner Mauer 1961 wurde der letzte freie Zugang in den Westen gesperrt.
WĂ€hrend in der DDR eine Planwirtschaft errichtet wurde, entschied sich die Bundesrepublik fĂŒr die soziale Marktwirtschaft. Das einsetzende Wirtschaftswunder fĂŒhrte zu anhaltend hohen Wachstumsraten, VollbeschĂ€ftigung und Wohlstand.
Mit der Aufhebung des alliierten Besatzungsstatuts wurde die Bundesrepublik Deutschland am 5. Mai 1955 souverĂ€n. Diese SouverĂ€nitĂ€t beschrĂ€nkte sich auf den Geltungsbereich des Grundgesetzes, das heiĂt, die Alliierten behielten ein Vorbehaltsrecht ĂŒber Deutschland als Ganzes und die Viersektorenstadt Berlin ein. Konrad Adenauer, der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, verkĂŒndete damals: âHeute, fast zehn Jahre nach dem militĂ€rischen und politischen Zusammenbruch des Nationalsozialismus, endet fĂŒr die Bundesrepublik Deutschland die Besatzungszeit.â
Die wichtigsten auĂenpolitischen Meilensteine dieser Ăra waren die Westintegration â 1955 trat Westdeutschland der NATO bei â und die Beteiligung am wirtschaftlichen Zusammenschluss in Europa, der durch die Römischen VertrĂ€ge 1957 einen entscheidenden Schub erhielt. Nach der gewaltsamen Niederschlagung des Volksaufstandes des 17. Juni 1953 wurde die DDR Mitglied im Warschauer Pakt und dem RGW.
In den 1960er-Jahren fĂŒhrten einige politische AffĂ€ren und das Aufkommen kritischer Ideen insbesondere der Studenten zum Ruf nach einem tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel. Eine 1967 einsetzende Wirtschaftskrise, die studentische 68er-Bewegung und die Wahlerfolge der NPD verstĂ€rkten den Eindruck einer politischen Krise. Die 1966 gebildete GroĂe Koalition aus CDU und SPD unter Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger (CDU) verabschiedete eine Reihe grundlegender GesetzesĂ€nderungen (Notstandsgesetze) und versuchte, sich mit Hilfe der Globalsteuerung an die wirtschaftlich schwierigeren Zeiten anzupassen. Gleichzeitig wurde die deutsche Studentenbewegung der 1960er-Jahre zunehmend mit der auĂerparlamentarischen Opposition gleichgesetzt.
Mit dem Antritt der sozialliberalen Regierung unter Willy Brandt (SPD) 1969 wurden eine Reihe sozialer, gesellschaftlicher und auĂenpolitischer Reformen umgesetzt. Die âNeue Ostpolitikâ, die auf VerstĂ€ndigung mit Osteuropa setzte, fĂŒhrte zu auĂenpolitischer Entspannung und brachte Brandt 1971 den Friedensnobelpreis ein. Den symbolischen Auftakt hatte das Erfurter Gipfeltreffen 1970 gebildet. Diese Politik wurde aber von Konservativen teilweise scharf kritisiert. Brandt ĂŒberstand im April 1972 ein konstruktives Misstrauensvotum, und die SPD rettete sich in Neuwahlen.
Im Jahr 1973 wurde die Bundesrepublik Deutschland neben der DDR (134.) der 133. Mitgliedstaat der UNO. Dieser Beitritt wurde von der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag mehrheitlich abgelehnt, worauf deren Vorsitzender Rainer Barzel zurĂŒcktrat.
Brandts zweite Amtszeit (1972â1974) war ĂŒberschattet von wirtschaftlichen Problemen, zu denen die Ălkrise 1973 sowie inflationĂ€re Tendenzen aufgrund hoher TarifabschlĂŒsse gefĂŒhrt hatten. Die versprochenen innenpolitischen Reformen waren nicht bezahlbar. Brandt trat nach der Aufdeckung einer SpionageaffĂ€re um seinen Mitarbeiter GĂŒnter Guillaume zurĂŒck.
Sein Nachfolger Helmut Schmidt (SPD), seit Juni 1974 im Amt, hatte mit steigender Verschuldung und Arbeitslosigkeit, mehreren Wirtschaftskrisen und dem Terror der RAF zu kĂ€mpfen. Als Kanzler und Person bei den Deutschen geschĂ€tzt, verlor er jedoch den RĂŒckhalt seiner Fraktion, die zunehmend gegen seine UnterstĂŒtzung des NATO-Doppelbeschlusses opponierte.
Nach dem Auseinanderbrechen der Koalition wurde Helmut Kohl (CDU) nach einem konstruktivem Misstrauensvotum am 1. Oktober 1982 zum Kanzler gewĂ€hlt. Er regierte lĂ€nger als alle seine VorgĂ€nger und gilt als Kanzler der deutschen Einheit. Diese wurde durch die VerĂ€nderungen in der Sowjetunion durch Glasnost und Perestroika ermöglicht und maĂgeblich von den Massendemonstrationen in der DDR sowie der dortigen Ausreisebewegung vorangetrieben. Am 9. November 1989 musste die DDR-FĂŒhrung die Mauer öffnen, nachdem ein Sprecher durch ein Versehen einen Massenansturm auf die GrenzĂŒbertrittsstellen ausgelöst hatte.
Bei den ersten freien Wahlen zur Volkskammer am 18. MĂ€rz 1990 gewann das von der Ost-CDU gefĂŒhrte ParteienbĂŒndnis âAllianz fĂŒr Deutschlandâ. (Letzter) MinisterprĂ€sident der DDR wurde Lothar de MaiziĂšre (CDU). Nun war der Weg frei fĂŒr die deutsche Wiedervereinigung. Diese fand im Einvernehmen mit den Vertretern der Alliierten im Rahmen der âZwei-plus-Vier-GesprĂ€cheâ statt.
Siehe auch: Deutschlandvertrag, Pariser VertrÀge
Berliner Republik (1990âGegenwart)
Laut Art. 1 Absatz 1 des Einigungsvertrags wurden mit dem Wirksamwerden des Beitritts der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland gemÀà Art. 23 des Grundgesetzes am 3. Oktober 1990 die LĂ€nder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und ThĂŒringen (âneue BundeslĂ€nderâ) LĂ€nder der Bundesrepublik Deutschland.[19] Die Vier MĂ€chte hatten mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag vom 12. September 1990 die Hoheitsbefugnisse abgegeben, und durch das Inkrafttreten am 15. MĂ€rz 1991 konnte das wiedervereinigte Deutschland nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges die volle staatliche SouverĂ€nitĂ€t wiedererlangen.
Im Rahmen der Wiedervereinigung sollten bis Ende 1994 die fremden MilitĂ€reinheiten weitgehend durch den Vertrag vom 12. Oktober 1990 das Land verlassen â die noch verbliebenen der Westalliierten haben keinerlei Hoheitsbefugnisse mehr und unterliegen dem NATO-Truppenstatut. Deutschland verpflichtete sich zur AbrĂŒstung auf maximal 370.000 Soldaten. Mit dem am 14. November 1990 in Warschau unterzeichneten deutsch-polnischen Grenzvertrag wurde die Oder-NeiĂe-Linie eine anerkannte Grenze und das Territorium östlich davon endgĂŒltig völkerrechtlich Polen zugesprochen. Im Januar 1997 folgten Deklarationen zur Aussöhnung mit der Tschechischen Republik.
Mit einer knappen Mehrheit von 338 zu 320 Stimmen beschloss der Bundestag am 20. Juni 1991, Bonn als Regierungssitz aufzugeben und Regierung und Parlament nach Berlin zu verlegen. Durch die Umsetzung des Berlin/Bonn-Gesetzes ist neben der Hauptstadt Berlin die Bundesstadt Bonn zweites politisches Machtzentrum Deutschlands. Dort verblieben die ersten Dienstsitze von sechs Bundesministerien; alle anderen haben ihren Zweitsitz in Bonn. Die Mehrzahl der MinisteriumsbeschÀftigten arbeiten vereinbarungsgemÀà dort; zahlreiche Bundesinstitutionen sowie drei Verfassungsorgane haben ihren Dienstsitz in der Bundesstadt.
Der neue Sitz des Deutschen Bundestags ist das von Grund auf renovierte ReichstagsgebĂ€ude in Berlin, in dem erstmalig am 19. April 1999 wieder eine Parlamentssitzung stattfand. Bereits zu West-Berliner Zeiten, bis in die 1970er-Jahre, tagten dort das Plenum und einige AusschĂŒsse; auch der BundesprĂ€sident wurde dort von 1954 bis 1969 gewĂ€hlt. Seit September 1999 ist die Bundesregierung in Berlin angesiedelt.
Die 1990er-Jahre waren nach dem kurzen Boom der Wiedervereinigung von geringer wirtschaftlicher Dynamik, Massenarbeitslosigkeit und Reformstau geprĂ€gt. Insbesondere in den neuen BundeslĂ€ndern entwickelte sich die Wirtschaft nicht wie erhofft und angekĂŒndigt. Mehrere Reformvorhaben der Bundesregierung scheiterten an der rot-grĂŒnen Mehrheit im Bundesrat. AuĂenpolitisch setzte sich Kohl insbesondere fĂŒr eine stĂ€rkere Zusammenarbeit im Rahmen der EuropĂ€ischen Union und zum Beispiel die EU-Osterweiterung ein. Als die Bundesrepublik Jugoslawien 1991 zu zerfallen begann, war Deutschland eines der LĂ€nder, welches die Anerkennung der UnabhĂ€ngigkeit von Kroatien und Slowenien durch die westlichen Staaten massiv unterstĂŒtzte. Eine direkte Teilnahme am Zweiten Golfkrieg zur Befreiung Kuwaits lehnte die Bundesregierung mit Blick auf die historische Last ab. Stattdessen leistete Deutschland finanzielle UnterstĂŒtzung und ersetzte Marineeinheiten der NATO-Partner im Mittelmeer. Nach Beendigung der KĂ€mpfe half ein Verband der Bundesmarine bei der RĂ€umung von Seeminen im Persischen Golf.
Zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte kam es in Folge der Bundestagswahl 1998 zu einem vollstĂ€ndigen Regierungswechsel. Die bisherigen Regierungsparteien CDU/CSU und FDP verloren ihre Bundestagsmehrheit, die bisherigen Oppositionsparteien SPD und BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen bildeten die erste Rot-GrĂŒne Koalition unter Bundeskanzler Gerhard Schröder. Bei der Bundestagswahl 2002 wurde die Bundestagsmehrheit von SPD und GrĂŒnen knapp bestĂ€tigt.
Die Rot-GrĂŒne Koalition setzte erste AnsĂ€tze fĂŒr umfassende VerĂ€nderungen in der Sozial-, Renten- und Gesundheitspolitik (siehe Agenda 2010) durch. Mittels der Einnahmen aus der umstrittenen Ăkosteuer gelang es, die Lohnnebenkosten (RentenversicherungsbeitrĂ€ge) zu reduzieren. Allgemein wurde das Thema Ăkologie stĂ€rker gewichtet, beispielsweise mit dem Beginn des Atomausstiegs oder Gesetzesinitiativen zur Reduzierung von Treibhausgasen. Andere Reformen der rot-grĂŒnen Regierung waren etwa das Lebenspartnerschaftsgesetz, das neue StaatsbĂŒrgerschaftsrecht oder und das Gewaltschutzgesetz. WĂ€hrend Schröder fĂŒr einige Bundesratsabstimmungen CDU-regierte LĂ€nder durch ZugestĂ€ndnisse dazu bewegen konnte, im Sinne der Bundesregierung abzustimmen, scheiterten andere Reformvorhaben von Rot-GrĂŒn, wie das Verbraucherinformationsgesetz, an der CDU/CSU-Mehrheit im Bundesrat.
Der erste Kampfeinsatz deutscher Soldaten seit dem Zweiten Weltkrieg â 1999 im Kosovokrieg â markierte einen Wendepunkt der deutschen AuĂenpolitik. Nach dem Anschlag auf das World Trade Center in New York 2001 garantierte Bundeskanzler Schröder den USA die âuneingeschrĂ€nkte SolidaritĂ€tâ. Deutschland unterstĂŒtzte im Rahmen des Anti-Terrorkrieges den Krieg in Afghanistan. Deutschland beteiligte sich im Jahre 2003 nicht am Irakkrieg. Dies fĂŒhrte zu Konflikten vor allem mit den USA, aber zu groĂen Sympathiebekundungen aus der deutschen Bevölkerung gegenĂŒber dem âFriedenskanzlerâ Schröder. Die Bundeswehr sicherte die Seewege am Horn von Afrika, entsandte ABC-SpĂŒrpanzer nach Kuwait und zog gemÀà ihrer internationalen Verpflichtungen deutsche Soldaten nicht aus NATO-AWACS-Flugzeugen ab. Letzteres erkannte das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil vom 7. Mai 2008 wegen Verletzung der Rechte des Bundestages als verfassungswidrig.[20]
Die Hartz-IV-Gesetzgebung von 2004 hatte das Ziel, den Arbeitsmarkt zu beleben. Es wuchsen die Proteste gegen eine â insbesondere durch die direkt Betroffenen â als sozial ungerecht empfundene Politik, die Kritiker nicht von der SPD erwartet hatten. Nach durch Rot-GrĂŒn verlorenen Landtagswahlen in den Jahren 2004 und 2005 stellte Bundeskanzler Schröder schlieĂlich am 1. Juli 2005 im Bundestag die Vertrauensfrage nach Art. 68 GG mit dem Ziel, diese absichtlich zu verlieren. Daraufhin löste BundesprĂ€sident Horst Köhler den 15. Deutschen Bundestag auf und setzte Neuwahlen fĂŒr den 18. September 2005 an. Da diese Wahl kein Ergebnis zugunsten einer der angestrebten Koalitionen (SPD/GrĂŒne und Union/FDP) ergab und alle Versuche eine Dreiparteienregierung zu bilden scheiterten, einigten sich CDU/CSU und SPD auf die Bildung einer GroĂen Koalition unter der Kanzlerschaft von Angela Merkel (CDU).
Bevölkerung
Demografie
Am 31. Dezember 2008 lebten in der Bundesrepublik Deutschland 82.002.356 Einwohner auf der FlÀche von 357.112 Quadratkilometern.[2][21] Das Land gehört damit zu den am dichtesten besiedelten FlÀchenstaaten der Welt. Deutschland hat mit einer Geburtenrate pro Frau von derzeit 1,37 (Stand: 2008) eine der niedrigsten weltweit.[22] Im Jahr 2007 stieg die Zahl der Geburten erstmals seit zehn Jahren wieder an und lag bei 684.862.[23]
Etwa 75 Millionen Menschen (91 Prozent) sind deutsche StaatsbĂŒrger. Von diesen haben wiederum sieben Millionen BĂŒrger einen Migrationshintergrund; unter ihnen sind âAussiedlerâ bzw. âSpĂ€taussiedlerâ deutscher NationalitĂ€t, von denen die meisten aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion (51 Prozent, umgangssprachlich meist als âRusslanddeutscheâ bezeichnet) und aus Polen (34 Prozent) eingewandert sind. Zwischen 1950 und 2002 waren dies insgesamt 4,3 Millionen Menschen, oder im Land geborene oder seit langer Zeit in Deutschland lebende ehemalige AuslĂ€nder, die seit der Ănderung des StaatsbĂŒrgerschaftsrechts auf eigenen Antrag eingebĂŒrgert wurden.
Von den Einwohnern mit ausschlieĂlich anderer Staatsangehörigkeit (31. Dezember 2007: 7.255.949)[24] stellen die tĂŒrkischen Staatsangehörigen (1.713.551) die gröĂte Gruppe. Die ĂŒbrigen sind ĂŒberwiegend EU-BĂŒrger (2,1 Millionen). Den gröĂten Anteil haben hier Italiener (528.318), Polen (384.808) und Griechen (294.891). Der Anteil der europĂ€ischen StaatsbĂŒrger aus Nicht-EU-LĂ€ndern (3,2 Millionen) hat sich durch Migration aus dem ehemaligen Jugoslawien (etwa eine Million) und aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion in den 1990er-Jahren erhöht. 2007 erwarben 113.030 Personen die deutsche StaatsbĂŒrgerschaft (vgl. 2006: 124.566) durch EinbĂŒrgerung.
Die Zahl der gesamten polnischen Diaspora in Deutschland, die bereits seit dem 19. Jahrhundert existiert, belĂ€uft sich auf weit ĂŒber zwei Millionen, wobei die meisten seit Generationen von der einheimischen Bevölkerung assimiliert sind.
Somit ergibt sich ein Gesamtanteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund von etwa 18,7 Prozent (15,4 Millionen),[25] ein Hinweis darauf, dass die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung nicht mehr ĂŒber NationalitĂ€ten erfasst werden kann. Ein gewisses MaĂ an Einwanderung wird von politischer Seite im Hinblick auf den RĂŒckgang der Geburtenzahl und die daraus folgende negative demografische Entwicklung gewĂŒnscht, um die soziale Absicherung der Bevölkerung nicht zu gefĂ€hrden, zu starke Zuwanderung aufgrund der daraus resultierenden sozialen Spannungen jedoch abgelehnt.
Angestammte ethnische Minderheiten sind DĂ€nen (je nach Definition und Quelle etwa 15.000 bis 50.000), Friesen (etwa 50.000 bis 60.000), Jenische (etwa 412.000), Sorben (etwa 60.000) und Sinti (etwa 70.000).
Siehe auch: Ruhrpolen
Sprachen und Dialekte
Die in Deutschland gebrĂ€uchlichste Sprache ist Deutsch. Deutsch ist Amtssprache, wird als Standardsprache in den ĂŒberregionalen Medien und als Schriftsprache verwendet. Als Sprache des Alltags wird es in vielen Regionen fast ausschlieĂlich gesprochen (oft regional leicht eingefĂ€rbt). Der Ăbergang zu den deutschen Dialekten ist flieĂend.
Neben der deutschen Sprache sind regional seit langem auch Sprachen in Deutschland ansĂ€ssiger Sprachminderheiten offiziell als Minderheiten- oder Regionalsprachen nach der EuropĂ€ischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen anerkannt. Im Einzelnen sind das: DĂ€nisch (sowohl ReichsdĂ€nisch, ĂŒberwiegend in der Variante Sydslesvigdansk, als auch SĂžnderjysk), Friesisch (als Minderheitensprache: Nordfriesisch in Schleswig-Holstein, Saterfriesisch in Niedersachsen), Sorbisch (als Minderheitensprache: Obersorbisch in Sachsen, Niedersorbisch in Brandenburg), Romani (Minderheitensprache der Sinti und Roma), Niederdeutsch (Regionalsprache in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern sowie in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt).
Die landesrechtlichen Umsetzungen sind teilweise noch nicht erfolgt â dies betrifft insbesondere die Sprache Romanes. Partiell (rĂ€umlich und/oder sachlich) besitzen in Schleswig-Holstein die Regional- und Minderheitensprachen Niederdeutsch, DĂ€nisch und Friesisch (siehe Friesisch-Gesetz) den Rang einer Amtssprache. Andere in Deutschland traditionelle (wie beispielsweise die jenische Sprache oder das Jiddisch) oder neue Minderheitensprachen wurden nicht in die Charta aufgenommen.[26]
Ehemals verbreitete Sprachen wie Moselromanisch (im 11. Jahrhundert ausgestorben), Polabisch (im 18. Jahrhundert ausgestorben) oder Jiddisch werden heute nicht oder kaum mehr gesprochen.
Die Verwendung von Dialekten wird von manchen Menschen als Makel, von anderen als kulturelle Bereicherung empfunden. Im norddeutschen Raum verwenden Angehörige der höheren Bildungsschichten seltener die niederdeutsche Sprache oder regionale Mundarten, wĂ€hrend im sĂŒddeutschen Sprachraum selbst in akademischen Kreisen der Gebrauch des Dialekts ĂŒblich ist. Da das Standarddeutsche sich aus hochdeutschen (mittel- und oberdeutschen) Sprachformen entwickelt hat und die Dialekte der niederdeutschen Sprache verdrĂ€ngt hat, sprechen Norddeutsche tendenziell eher ein dialektfreies Deutsch als die Bevölkerung in den sĂŒdlichen zwei Dritteln des Landes.
Die von Gehörlosen verwendete Deutsche GebÀrdensprache ist seit 2002 in Deutschland als eigenstÀndige Sprache anerkannt.
Seit der Einwanderung der Germanen in das heutige Gebiet Deutschlands sind immer wieder neuere Zuwanderer hinzugekommen, die auch ihre jeweiligen Sprachen mitbrachten (zum Beispiel die Römer in den Kolonien Germaniens, die Hunnen wĂ€hrend der Völkerwanderung, die Hugenotten seit dem 17. Jahrhundert, die Ruhrpolen im 19. Jahrhundert). WĂ€hrend die Nachkommen der Ă€lteren Zuwanderungswellen inzwischen sprachlich weitestgehend assimiliert sind, verwenden diejenigen Zuwanderer, die erst in den vergangenen Jahrzehnten gekommen sind (unter anderem die sogenannten Gastarbeiter, aber auch FlĂŒchtlinge), untereinander neben dem Deutschen noch hĂ€ufig ihre Muttersprache, vor allem TĂŒrkisch (etwa zwei Millionen). Daneben ist auch die russische Sprache verbreitet, zum einen unter jĂŒdischen KontingentflĂŒchtlingen, aber auch unter Russlanddeutschen, die zum Teil russische Muttersprachler sind. Die Angaben zur Anzahl russischer Muttersprachler variieren je nach Quelle stark und liegen bei drei bis vier Millionen. Auch die Zahl der Personen, deren Alltagssprache Polnisch ist, wird relativ hoch vermutet. Hierbei variiert die Zahl ebenfalls je nach Quelle.
Die an Schulen vorrangig gelehrte Fremdsprache ist Englisch, gefolgt von Französisch und Latein und danach von Russisch. In den letzten Jahren ist auch Spanisch sowie in den westlichen Landesteilen von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen NiederlĂ€ndisch immer beliebter geworden. Die Entscheidung ĂŒber die unterrichteten Fremdsprachen haben die Schulministerien in den einzelnen LĂ€ndern. Weitere Fremdsprachen wie zum Beispiel Chinesisch oder Italienisch können SchĂŒler an manchen Schulen als regulĂ€res Unterrichtsfach oder als Arbeitsgemeinschaft (AG) wĂ€hlen.
Religionen
In Deutschland wird Religionsfreiheit als Grundrecht garantiert. Das VerhĂ€ltnis von Religion und Staat wird durch die Artikel 136 bis 139 der Weimarer Reichsverfassung (WRV) geregelt, die durch Art. 140 GG Bestandteil des Grundgesetzes sind. Danach gilt neben der Religionsfreiheit die weltanschauliche NeutralitĂ€t des Staates und das Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften. Auf dieser Basis ist das VerhĂ€ltnis von Religionsgemeinschaften und Staat partnerschaftlich; es gibt also keine strikte Trennung von Kirche und Staat wie im Laizismus, sondern in vielen sozialen und schulisch-kulturellen Bereichen bestehen Verflechtungen, beispielsweise ĂŒber kirchliche, aber staatlich mitfinanzierte TrĂ€gerschaft von KindergĂ€rten, Schulen, KrankenhĂ€usern oder Pflegeheimen. Ebenso berufen sich einige deutsche Parteien auf die christliche Tradition des Landes. Die christlichen Kirchen besitzen den Status von Amtskirchen, sie sind demnach zwar keine staatliche Institution, aber Körperschaften des öffentlichen Rechts.
Wie der gröĂte Teil West- und Mitteleuropas ist das heutige Deutschland in einem bis zur Antike zurĂŒckreichenden historischen und kulturellen Kontext christlich-abendlĂ€ndisch, und seit etwa dem 18. Jahrhundert ebenso aufgeklĂ€rt-wissenschaftlich geprĂ€gt. Dieser PrĂ€gung liegen EinflĂŒsse aus der antiken griechischen und römischen Kultur ebenso zugrunde wie jĂŒdische und christliche Traditionen, die sich seit Beginn der Christianisierung Nordwesteuropas, ab etwa dem 4. Jahrhundert, mit germanischen Traditionen vermischt hatten. Das Gebiet des heutigen Deutschland wurde seit dem frĂŒhen Mittelalter christianisiert. In der frĂ€nkischen Zeit wurde im Reich Karls des GroĂen die entsprechende Missionierung, teilweise durch ZwangsmaĂnahmen abgeschlossen. Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation begann die christliche Reformation Anfang des 16. Jahrhunderts, angefĂŒhrt von Martin Luther. Sie prĂ€gt die religiöse Landschaft im deutschen Sprachraum bis heute mit.
Die Mehrheit der deutschen StaatsbĂŒrger gehört einer christlichen Konfession an: Römisch-katholische Kirche 30,7 Prozent (tendenziell ĂŒberwiegend in West- und SĂŒddeutschland, Stand: 31. Dezember 2008)[27] (0,3 % weniger als im Vorjahr), Evangelische Kirche in Deutschland (Lutheraner, Reformierte und Unierte) 29,9 Prozent (tendenziell vor allem in Norddeutschland, Stand: 31. Dezember 2008),[28] (auch 0,3 % weniger als im Vorjahr), orthodoxe Kirche und orientalische Kirchen insgesamt 3 Prozent, Neuapostolische Kirche 0,44 Prozent (auch weniger als im Vorjahr),[29][30] Zeugen Jehovas 0,2 Prozent sowie ein geringer Anteil von Angehörigen christlicher Freikirchen. Die Anzahl der Gottesdienstbesucher ist wesentlich geringer als die Anzahl der Kirchenmitglieder. Durchschnittlich fast 3,4 Millionen Menschen (oder 4,1 Prozent der Gesamtbevölkerung) besuchten 2008 die sonntĂ€glichen Gottesdienste der Katholischen Kirche, 2007 eine Million (oder 1,2 Prozent der Gesamtbevölkerung) jene der Evangelischen Kirche.[31]
39,4 Prozent der Gesamtbevölkerung gehören keiner der beiden groĂen Religionsgemeinschaften an; in den neuen LĂ€ndern liegt dieser prozentuale Anteil zwischen 67,7 Prozent (ThĂŒringen) und 81,7 Prozent (Sachsen-Anhalt), Mittelwert 75,4 Prozent.[32] Die DDR hatte eine atheistische Weltanschauung propagiert und vermittelt (siehe Jugendweihe) und den Kirchenaustritt gefördert. In den alten BundeslĂ€ndern ist die Anzahl an der Gesamtbevölkerung, die nicht zu den beiden groĂen Kirchen gehört, wesentlich geringer; deren Anteil liegt zwischen 23,6 Prozent in Bayern und 71,2 Prozent in Berlin â letzteres allerdings einschlieĂlich dem ehemaligen Ost-Berlin.[33]
Islamische Gemeinden haben etwa 3,2 Millionen Mitglieder (3,9 Prozent der Einwohner) und sind vorwiegend auslĂ€ndischer Herkunft, davon mittlerweile etwa 732.000 deutsche Staatsangehörige (knapp 0,9 Prozent der deutschen StaatsbĂŒrger); 9,1 Prozent aller 2004 geborenen Kinder haben muslimische Eltern.
Um fĂŒr die Vielzahl an islamischen Organisationen einen Dachverband zu erhalten, der fĂŒr AuĂenstehende als Ansprechpartner fungieren kann, wurde der Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland gegrĂŒndet.
Die Deutsche Buddhistische Union geht von einer Zahl von 250.000 aktiven Buddhisten in Deutschland aus, die HÀlfte davon eingewanderte Asiaten. Dies entspricht 0,3 Prozent der Bevölkerung.
106.000 Personen der Bevölkerung gehören jĂŒdischen Gemeinden an. Seit den 1990er-Jahren verzeichnen diese einen starken Zuwachs durch Zuwanderer aus Osteuropa, vor allem aus der Ukraine und aus Russland. Nach Frankreich und dem Vereinigten Königreich ist in Deutschland die drittgröĂte jĂŒdische Gemeinschaft Europas.
Bestimmte christliche Kirchen sowie die jĂŒdischen Gemeinden erheben von ihren Mitgliedern eine Kirchensteuer, die der Staat gegen eine AufwandsentschĂ€digung einzieht und an die jeweiligen Kirchen (beziehungsweise an den Zentralrat der Juden in Deutschland) weiterleitet.
Des Weiteren ist der Religionsunterricht laut Grundgesetz fakultatives, aber dennoch ordentliches Unterrichtsfach in den öffentlichen Schulen (mit Ausnahme weniger LĂ€nder wie Bremen, Berlin und Brandenburg). Dieser Unterricht wird oft von einem Vertreter einer der beiden groĂen christlichen Amtskirchen abgehalten.
Wirtschaft
Grundlagen
Die Wirtschaft in Deutschland ist vorwiegend auf den sekundĂ€ren (Industrie) und tertiĂ€ren (Dienstleistung) Wirtschaftssektor konzentriert. Der primĂ€re Sektor (insbesondere Landwirtschaft) hat einen vergleichsweise kleinen Anteil an der Gesamtwirtschaftsleistung. Das dichtbesiedelte Industrieland ist auf Rohstoffimporte angewiesen. Deutschland weist aber eine lange Bergbautradition auf und verfĂŒgt nach wie vor bei Kohle, Edelsalzen und Baustoffen ĂŒber bedeutende Rohstoffvorkommen.
Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von etwa 2,4 Billionen Euro ist Deutschland die viertgröĂte Volkswirtschaft und Industrienation der Welt und hat nach den USA, China, Japan und Indien den fĂŒnftgröĂten Energieverbrauch weltweit. Gemessen am BIP pro Kopf steht Deutschland weltweit an 19., in der EuropĂ€ischen Union an 13. Stelle (OECD.Stat, Stand: Januar 2009). Zudem ist Deutschland die weltgröĂte Exportnation. Weltweit bedeutend ist die Versicherungswirtschaft, insbesondere die RĂŒckversicherungen.
Eine Vielzahl von weltweit bedeutenden Messeveranstaltungen, vielfĂ€ltige Events und Ausstellungen sowie eine im internationalen MaĂstab bedeutende Museums- und Orchesterlandschaft sind wichtige Grundlage von Tourismus und Reiseverkehr von und nach Deutschland. Beim Lebensstandard liegt Deutschland laut dem Human Development Index auf Platz 22 in der Welt.
Hinsichtlich der Wirtschaftskraft bestehen auch zwei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung noch starke regionale DisparitĂ€ten (Einkommen, Infrastruktur) zwischen dem damaligen Westdeutschland und einigen Gebieten Mittel- und Ostdeutschlands, vor allem mit Blick auf die Arbeitslosenquote. Zudem besteht zwischen dem SĂŒden und dem Norden Deutschlands, insbesondere den strukturstarken BundeslĂ€ndern Baden-WĂŒrttemberg und Bayern und den strukturschwachen Gebieten Norddeutschlands (mit Ausnahme von Hamburg), ein SĂŒd-Nord-GefĂ€lle.
Wirtschaftsentwicklung
Im Jahre 2006 zog die Binnennachfrage wieder an, so dass 2006 ein Wirtschaftswachstum von 2,8 Prozent erreicht wurde. Die positive Entwicklung setzte sich bis zum 3. Quartal 2008 fort. Im vierten Quartal wurde Deutschland jedoch von der Finanzkrise ab 2007 erfasst, im Vergleich zum Vorquartal sank das Bruttoinlandsprodukt um 2,1 Prozent und um 1,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal.[34] Auch die Produktion des verarbeitenden Gewerbes brach ein, sie sank im Februar 2009 im Vergleich zu Vorjahr um 25 Prozent.[35] Die Zahl der Arbeitslosen sank seit Ende 2006 unter 3,5 Millionen. Seit Ende 2008 steigt sie aber wieder deutlich an.
Im AuĂenhandel war Deutschland bis 2008 weiterhin sehr erfolgreich (Exporte 2006: +13 Prozent auf 894 Milliarden Euro), im Zuge der Wirtschaftskrise aber brach besonders der Export deutlich ein, er sank im vierten Quartal 2008 im Vergleich zum Vorjahr um 5,2 Prozent.[36]
39 Unternehmen der Fortune Global 500 haben ihren Sitz in Deutschland. Die Volkswagen AG ist am Umsatz gemessen der gröĂte von 30 im DAX gelisteten Konzernen.
Das Land verzeichnete bis 2009[37] ĂŒber mehrere Jahrzehnte mit groĂem Abstand mehr Exporte als jedes andere Land der Welt und wurde daher oft mit dem Schlagwort âExportweltmeisterâ bezeichnet. Die Arbeitslosigkeit stieg zwar seit der Ălkrise in den 1970er-Jahren von Konjunkturzyklus zu Konjunkturzyklus an und wird, insbesondere in Ostdeutschland, weiterhin als hoch empfunden.
Die Suche nach der Ursache der relativ hohen Arbeitslosenrate spaltet derzeit die Gesellschaft: UnternehmerverbĂ€nde und neoliberale Ăkonomen sehen den in Deutschland traditionell stark ausgebauten Sozialstaat als Verursacher weiteren Arbeitsplatzabbaus, da die geringen Lohnkosten in osteuropĂ€ischen Nachbarstaaten zur Verlagerung der Produktion in eben diese verleiten, obwohl auch LĂ€nder mit einem ausgebauten Sozialstaat und einer hohen Staatsquote eine hohe Wirtschaftsdynamik aufweisen (Schweden, Finnland, Norwegen, Ăsterreich). Gewerkschaften und Globalisierungskritiker argumentieren mit keynesianistischen Modellen und behaupten, dass die Binnennachfrage durch KĂŒrzungen im Sozialbereich geschwĂ€cht werde. Als Ursache gilt auch, dass die Staatsausgaben zu einem groĂen Teil ĂŒber Sozialabgaben finanziert werden, die die ArbeitsplĂ€tze verteuern anstatt den Staat stĂ€rker ĂŒber arbeitsplatzunabhĂ€ngige Steuern zu finanzieren. Zudem fehlte nach der Deutschen Wiedervereinigung eine ausreichende ökonomische Basis fĂŒr die politisch motivierte Angleichung ostdeutscher Löhne an das Westniveau.
Als weltweit konkurrenzfÀhigste Branchen der deutschen Industrie gelten die Automobil-, Nutzfahrzeug-, elektrotechnische, Maschinenbau- und Chemieindustrie.
Siehe auch: Liste der LĂ€nder nach Bruttoinlandsprodukt und Liste der LĂ€nder nach Bruttoinlandsprodukt pro Kopf
Steuern
In Deutschland werden viele verschiedene Steuern erhoben. Neben verschiedenen Verkehrsteuern (zum Beispiel Umsatzsteuer) erzielt der Staat einen GroĂteil seiner Einnahmen aus Steuern vom Einkommen und Ertrag: Hierzu zĂ€hlen die Einkommen-, die Körperschaft- sowie die Gewerbesteuer.
Insofern Produkte oder Dienstleistungen der Umsatzsteuer unterliegen, betrĂ€gt der Steuersatz in Deutschland 19 (allgemeiner Satz) oder 7 Prozent (ermĂ€Ăigter Satz, zum Beispiel Lebensmittel etc.). Umgangssprachlich bzw. EU-rechtlich wird die Umsatzsteuer auch Mehrwertsteuer genannt.
Recht
Geschichte
Das Deutsche Recht hat eine lange, bis in germanische Zeit zurĂŒckreichende, Tradition. Im Mittelalter wurden bedeutende Rechtssammlungen wie der Sachsenspiegel angelegt, die nicht Recht setzen, sondern vorhandenes Gewohnheitsrecht fixieren sollten. Ab dem 12. Jahrhundert wurde im Heiligen Römischen Reich vermehrt das Römische Recht eingefĂŒhrt und ĂŒbernommen, welches wegen seiner RationalitĂ€t und Wissenschaftlichkeit als dem einheimischen germanischen Recht ĂŒberlegen empfunden wurde. Aufgrund der staatlichen Zersplitterung gab es aber bis ins 19. Jahrhundert hinein kein einheitliches deutsches Recht. Nur wenige Kodifikationen galten fĂŒr das ganze deutsche Reich (âAltes Reichâ), beispielsweise die Constitutio Criminalis Carolina.
Von nicht zu unterschĂ€tzender Bedeutung war die Einrichtung des Reichskammergerichts im Jahr 1495 als Rechtsmittelgericht des Reichs gegen Entscheidungen der Gerichte der einzelnen deutschen Staaten. Allerdings wurde dessen FunktionsfĂ€higkeit dadurch geschmĂ€lert, dass bestimmte deutsche Staaten das Privilegium de non appellando besaĂen, also das Privileg, dass gegen Entscheidungen der Gerichte dieser Staaten kein Rechtsmittel zum Reichskammergericht gegeben war. Im 18. Jahrhundert erlieĂen einzelne deutsche Staaten, zum Beispiel PreuĂen und Ăsterreich, einzelne wegweisende und vom Geist der AufklĂ€rung geprĂ€gte Gesetzeskodifikationen wie das Allgemeine PreuĂische Landrecht.
Nach der napoleonischen Ăra herrschte im Deutschen Bund weiterhin Rechtszersplitterung: In den ehemaligen Rheinbund-Staaten galt der Code civil, in PreuĂen das Allgemeine PreuĂische Landrecht, wĂ€hrend in den ĂŒbrigen Staaten teilweise noch römisches und germanisches Recht angewendet wurde.
Erst mit Schaffung der staatlichen Einheit im Jahr 1871 war schlieĂlich die Voraussetzung fĂŒr eine einheitliche Gesetzeskodifikation im gegrĂŒndeten Deutschen Reich gegeben: Bereits 1871 wurde das Reichsstrafgesetzbuch verabschiedet, zum 1. Oktober 1879 traten die Reichsjustizgesetze in Kraft, die die Rechtspflege regelten und vereinheitlichten: Gerichtsverfassungsgesetz, Zivilprozessordnung, Strafprozessordnung, Konkursordnung und weitere EinfĂŒhrungs- und Nebengesetze. Zum 1. Oktober 1879 nahm auch das Reichsgericht als oberstes Gericht des Reichs seine Arbeit auf. Im symboltrĂ€chtigen Jahr 1900 traten schlieĂlich das BĂŒrgerliche Gesetzbuch und das Handelsgesetzbuch in Kraft und schufen auch auf dem Gebiet des Zivilrechts und des Handelsrechts Rechtseinheit.
Die nationalsozialistische Herrschaft fĂŒhrte zur völligen Pervertierung des Rechts als Mittel der Gewaltherrschaft, wofĂŒr hier stellvertretend die Terrorurteile des Volksgerichtshofs zu nennen sind. Mit der GrĂŒndung der Bundesrepublik Deutschland wurde in Deutschland dann wieder ein Rechtsstaat geschaffen. Auf dem Gebiet der DDR hingegen, wo die Doktrin der âeinheitlichen sozialistischen Staatsmachtâ galt und Gewaltenteilung und UnabhĂ€ngigkeit der Gerichte unbekannt waren, kehrten erst mit der Wiederherstellung der staatlichen Einheit im Jahr 1990 wieder rechtsstaatliche VerhĂ€ltnisse ein.
Rechtswesen
Die Bundesrepublik Deutschland versteht sich als Rechtsstaat (Art. 28 Abs. 1 Satz 1 GG), was bedeutet, dass staatliche TĂ€tigkeit nur durch das Recht begrĂŒndet werden kann und durch das Recht begrenzt wird. Wer durch die öffentliche Gewalt in seinen Rechten verletzt wird, hat das Recht, bei Gericht um Rechtsschutz hiergegen nachzusuchen (Art. 19 Abs. 4 GG). Die Richter sind unabhĂ€ngig und unterliegen keinerlei Weisungen.
Die Rechtsprechung wird im Wesentlichen von Gerichten der BundeslĂ€nder ausgeĂŒbt: In Zivilsachen und Strafsachen durch die Amtsgerichte, die Landgerichte und die Oberlandesgerichte (in Berlin Kammergericht genannt), in Arbeitssachen durch die Arbeitsgerichte und die Landesarbeitsgerichte, in Verwaltungsrechtssachen durch die Verwaltungsgerichte und die Oberverwaltungsgerichte (in manchen BundeslĂ€ndern Verwaltungsgerichtshof genannt), in Sozialrechtssachen durch die Sozialgerichte und die Landessozialgerichte und in Finanzgerichtssachen durch die Finanzgerichte. Als Bundesgericht besteht fĂŒr den gewerblichen Rechtsschutz das Bundespatentgericht. Daneben existieren als Rechtsmittelgerichte die obersten Gerichtshöfe des Bundes (Art. 95 GG): Der Bundesgerichtshof als oberstes Zivil- und Strafgericht, das Bundesarbeitsgericht, das Bundesverwaltungsgericht, das Bundessozialgericht und der Bundesfinanzhof. FĂŒr verfassungsrechtliche Streitigkeiten besteht auĂerdem das Bundesverfassungsgericht (Art. 93 GG), dessen Entscheidungen Gesetzeskraft entfalten können und so andere Gerichte binden.
Zunehmende Bedeutung hat das Europarecht und die Rechtsprechung des EuropÀischen Gerichtshofes gewonnen.
Siehe auch: Bundesdeutsches Recht
Verkehr
Aufgrund dessen zentraler Lage in Europa besteht in Deutschland ein sehr hohes Verkehrsaufkommen. Insbesondere fĂŒr den GĂŒterverkehr stellt es ein wichtiges Transitland dar. Durch das Konzept der TranseuropĂ€ischen Netze soll Deutschland als Transferraum zwischen dem ersten europĂ€ischen Kernwirtschaftsraum (der sogenannten Blauen Banane, zu der auch Westdeutschland gehört) und dem Kernwirtschaftsraum in Ostmitteleuropa, zu dem auch Ostdeutschland gehört, gefördert werden. Wichtige Projekte in diesen Netzen sind die Eisenbahnachse BerlinâPalermo und die Magistrale fĂŒr Europa. Ferner ist Deutschland der westliche Ausgangspunkt einiger PaneuropĂ€ischer Verkehrskorridore.
Der GĂŒterverkehr hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stetig von der Schiene auf die StraĂe verlagert, so dass die Bundesregierung 2005 eine Autobahnmaut fĂŒr Lastkraftwagen eingefĂŒhrt hat. Aber auch der Individualverkehr hat stark zugenommen, so dass auf deutschen StraĂen ein im internationalen Vergleich sehr hohes Verkehrsaufkommen herrscht, auch wegen des regen Transitverkehrs, der durch Deutschlands geographische Kernlage in Europa bedingt ist. Dennoch wurden im Bereich des Schienenverkehrs vor allem Nebenstrecken sowie GĂŒter- und Rangierbahnhöfe stillgelegt sowie Personenfernverkehrsverbindungen eingestellt. Auch fĂŒr die Zukunft wird eine starke Zunahme des Verkehrs erwartet. Deshalb sieht der Bundesverkehrswegeplan 2003 im Zeitraum 2001â2015 ein Investitionsvolumen von insgesamt etwa 150 Milliarden Euro vor, um den erwarteten Zuwachs im motorisierten Personenverkehr um 20 Prozent (1997â2015) und im GĂŒterverkehr um 64 Prozent (1997â2005) zu bewĂ€ltigen.
StraĂenverkehr
Bereits die Römer legten gepflasterte StraĂen in Deutschland an, die aber wieder verfielen. Die ersten Chausseen wurden im 18. Jahrhundert erbaut. Die Erfindung des Automobils gab dem StraĂenbau neue Impulse. Die erste Autobahn der Welt, die AVUS in Berlin, wurde 1921 in Deutschland gebaut. Der StraĂenverkehr hat in der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts die Eisenbahn als wichtigsten VerkehrstrĂ€ger abgelöst. Deutschland besitzt eines der dichtesten StraĂennetze der Welt. Das BundesfernstraĂennetz umfasste am 1. Januar 2007 12.531 Kilometer Autobahnen und 40.711 Kilometer BundesstraĂen. Weiterhin umfasste das ĂŒberörtliche StraĂennetz 86.597 Kilometer LandesstraĂen, 91.520 Kilometer KreisstraĂen und die GemeindeverbindungsstraĂen.
Im Jahr 2006 starben 5094 Menschen im StraĂenverkehr; diese Zahl der Verkehrstoten sinkt jedoch stetig. Um die Gefahren und Belastungen des StraĂenverkehrs zu reduzieren, wurden in vielen deutschen StĂ€dten FuĂgĂ€ngerzonen, verkehrsberuhigte Zonen und Tempo-30-Zonen eingerichtet.
Siehe auch: Liste der Bundesautobahnen in Deutschland
Schienenverkehr
Deutschland verfĂŒgt ĂŒber ein Eisenbahnnetz von etwa 35.000 Kilometern LĂ€nge. Es wird tĂ€glich von bis zu etwa 50.000 Personen- und GĂŒterzĂŒgen befahren.
Im Rahmen der Bahnreform wurden die Staatsbahnen Deutsche Bundesbahn (West) und Deutsche Reichsbahn (Ost) zum 1. Januar 1994 in das privatwirtschaftliche Unternehmen Deutsche Bahn AG ĂŒberfĂŒhrt. Es organisiert den GroĂteil des Eisenbahnverkehrs in Deutschland. Neben der DB AG befahren rund 350 weitere Eisenbahnverkehrsunternehmen (zumeist nichtbundeseigene Eisenbahnen) das deutsche Eisenbahnnetz. WĂ€hrend sich der Staat aus dem operativen Betrieb zurĂŒckgezogen hat, finanziert er den GroĂteil des Netzunterhalts und -ausbaus sowie (ĂŒber Regionalisierungsmittel) weitgehend den Regionalverkehr.
Regional- (Interregio-Express (IRE), Regionalbahn (RB), Regional-Express (RE) und S-Bahnen (S)) und Fernverkehr (Intercity (IC) und Intercity-Express (ICE)) fahren weitgehend nach Taktfahrplan. FĂŒr FernzĂŒge stehen Schnellfahrstrecken in einer GesamtlĂ€nge von etwa 2000 Kilometer zur VerfĂŒgung.
WĂ€hrend die Marktanteile der Eisenbahn ĂŒber lange Jahre kontinuierlich zurĂŒckgingen und deshalb umfangreiche RationalisierungsmaĂnahmen durchgefĂŒhrt wurden, steigen ihre Anteile seit etwa 2005 wieder, insbesondere im GĂŒterverkehr, kontinuierlich. Mit einem Wachstum der Verkehrsleistung von ĂŒber zehn Prozent pro Jahr ist der SchienengĂŒterverkehr der am schnellsten wachsende VerkehrstrĂ€ger in Deutschland.
Die dritte Stufe der Bahnreform, in Form einer teilweisen Kapitalprivatisierung der Deutschen Bahn AG, steht im Kreuzfeuer öffentlicher Kritik.
Siehe auch: Liste deutscher Eisenbahngesellschaften, Liste von Eisenbahnstrecken in Deutschland
Luftverkehr
Der Flughafen Frankfurt am Main ist das Drehkreuz der deutschen Fluggesellschaft Lufthansa und gemessen an der Anzahl abgefertigter Passagiere der drittgröĂte Flughafen Europas, gemessen am Frachtaufkommen der gröĂte Flughafen Europas. Der Flughafen MĂŒnchen âFranz Josef StrauĂâ hat in den letzten Jahren im Luftverkehr stark an Bedeutung gewonnen, bleibt mit knapp 32 Millionen Passagieren jĂ€hrlich aber noch weit hinter Frankfurt mit 52,8 Millionen Passagieren zurĂŒck. Im Bau befindet sich derzeit der Flughafen Berlin Brandenburg âWilly Brandtâ, der nach seiner fĂŒr das Jahr 2011 geplanten Inbetriebnahme voraussichtlich der drittgröĂte Flughafen Deutschlands nach Frankfurt/Main und MĂŒnchen sein wird.
Mit rund 550 FlughĂ€fen und FlugplĂ€tzen verfĂŒgt Deutschland ĂŒber die gröĂte Dichte an Start- und LandeplĂ€tzen weltweit.
Siehe auch: Liste der VerkehrsflughÀfen in Deutschland, Liste deutscher FlugplÀtze
Seeverkehr
Aufgrund des ĂŒberproportional hohen AuĂenhandelsanteils ist Deutschland in erheblicher Weise auf den Seehandel angewiesen. Es verfĂŒgt ĂŒber eine Anzahl moderner SeehĂ€fen, wickelt aber auch groĂe Anteile seines Handels nach Ăbersee ĂŒber die HĂ€fen von NachbarlĂ€ndern, vor allem der Niederlande, ab. Um kĂŒnftig wieder gröĂere Anteile in eigenen HĂ€fen umzuschlagen, gibt es derzeit mehrere groĂe Bauprojekte. Dazu gehört der Bau eines vierten Container-Terminals in Bremerhaven, die geplante â und sehr umstrittene â Vertiefung von Weser und Elbe und der neue Tiefwasserhafen JadeWeserPort in Wilhelmshaven. Er wird als einziger echter Tiefwasserhafen in Deutschland ab 2010 die gröĂten dann in Fahrt befindlichen Containerschiffe abfertigen können. Die drei umschlagstĂ€rksten SeehĂ€fen in Deutschland sind Hamburg, Wilhelmshaven und Bremen mit Bremerhaven. Der wichtigste Ostseehafen ist LĂŒbeck.
Wichtigste SeeschifffahrtsstraĂen sind Unterelbe und Unterweser. Der Nord-Ostsee-Kanal ist auch fĂŒr den Transitverkehr bedeutsam. Vor der deutschen OstseekĂŒste liegt mit der Kadetrinne die meistbefahrene und unfallgefĂ€hrdetste Schiffsroute der Ostsee.
Es gibt in Deutschland ein gut ausgebautes Netz von WasserstraĂen fĂŒr die Binnenschifffahrt. Die wichtigsten schiffbaren FlĂŒsse sind Rhein, Main, Weser und Elbe. Bedeutende BinnenkanĂ€le sind der Mittellandkanal, der Dortmund-Ems-Kanal, der Rhein-Herne-Kanal und der Elbe-Seitenkanal. Der Main-Donau-Kanal ĂŒberwindet die groĂe europĂ€ische Wasserscheide und ermöglicht so einen direkten Schifffahrtsweg von der Nord- und Ostsee zum Schwarzen Meer. Der Komplex der Duisburg-Ruhrorter HĂ€fen ist mit einem Umschlag von mehr als 70 Millionen Tonnen der wichtigste und umschlagstĂ€rkste Binnenhafen Deutschlands und zudem der gröĂte Binnenhafen der Welt, gefolgt vom Mannheimer Hafen.
Kultur
Die deutsche Kultur hat sich, da Deutschland lange nicht als Nationalstaat existierte, ĂŒber Jahrhunderte vor allem ĂŒber die gemeinsame Sprache definiert. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde der Begriff zunehmend auf KulturbeitrĂ€ge von Deutschen bzw. innerhalb deutscher Territorien bezogen. Daher sind viele Kulturschaffende zu ihrer Zeit nicht Deutsche im heutigen Sinne gewesen, an ihrer deutschen IdentitĂ€t bestehen aber keine Zweifel. Nicht wenige berĂŒhmte Vertreter aus Kultur und Wissenschaft waren allerdings zu ihrer Zeit in Deutschland selbst vornehmlich aus politischen oder religiösen GrĂŒnden verfemt; teilweise wurden sie ausgebĂŒrgert oder sahen sich zur Emigration veranlasst â unter ihnen beispielsweise Karl Marx, Friedrich Engels, Heinrich Heine, Kurt Tucholsky, Bertolt Brecht, Thomas und Heinrich Mann, Albert Einstein, Hannah Arendt und viele andere.
Vor 1871 war aufgrund mangelnder Identifikationsmöglichkeiten ĂŒber gemeinsame staatliche Zugehörigkeit das kulturelle, aber auch wissenschaftliche Erbe ein wichtiges Element des deutschen Nationalbewusstseins. Aus dieser Zeit stammt der Begriff Land der Dichter und Denker, der noch heute patriotische Verwendung findet. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Deutschland die weltweit fĂŒhrende wissenschaftliche Nation, die auch kulturell, etwa im Film, einen der vorderen PlĂ€tze einnahm. Nach 1945 hatte Deutschland diesen Status durch Emigration und Patentraub eingebĂŒĂt. Die Folgen sind in einigen Bereichen noch heute zu spĂŒren.
Der Verbreitung der deutschen Sprache und Kultur in der Welt dienen die Goethe-Institute mit weltweit 128 Standorten.
Laut einer Umfrage fĂŒr die BBC genieĂt Deutschland weltweit das höchste Ansehen unter 22 untersuchten LĂ€ndern. Durchschnittlich bewerten 56 Prozent der Befragten Deutschlands Einfluss als positiv. 18 Prozent haben ein negatives Bild.[38]
KĂŒche
Die deutsche KĂŒche ist Ă€uĂerst vielfĂ€ltig und variiert stark von Region zu Region. Bekannt ist Deutschland vor allem fĂŒr seine deftigen und schweren Gerichte wie gepökeltes Eisbein oder auch Kasseler mit Sauerkraut, GrĂŒnkohl mit gerĂ€ucherter Mettwurst oder Bregenwurst sowie verschiedene Eintöpfe. Dies ist mit Deutschlands relativ weit nördlicher Lage zu begrĂŒnden, weshalb vor allem im Winter auf ausreichende Kalorienversorgung geachtet werden muss. Aber auch sehr alte und einfache Speisen wie zum Beispiel Arme Ritter sind Tradition. Die regionale KĂŒche ist auĂerdem von den umliegenden LĂ€ndern beeinflusst.
Vor allem in Norddeutschland werden sehr viele Kartoffeln in vielseitigen Zubereitungsformen gegessen, im SĂŒden kommen jedoch die traditionellen Knödel, SpĂ€tzle und Nudeln hinzu. Regionale Besonderheiten sind zum Beispiel die WeiĂwurst in Altbayern, die Bratwurst der Franken, der Schwenkbraten im Saarland, die Maultaschen in Baden-WĂŒrttemberg, ThĂŒringer Rostbratwurst, der PfĂ€lzer Saumagen, in Hessen der HandkĂ€se âmit Musikâ (KĂŒmmel und Zwiebeln) und der Apfelwein.
Die Deutschen lieben ihr regional sehr verschiedenartiges Bier sowie die verschiedenen Weinsorten (aus klimatischen GrĂŒnden ist der Weinanbau und -konsum im Westen und SĂŒden verbreiteter als im Norden und Osten). Mineralwasser, meistens mit KohlensĂ€ure versetzt, ist das in Deutschland am hĂ€ufigsten konsumierte ErfrischungsgetrĂ€nk. Auch wird verhĂ€ltnismĂ€Ăig viel Obstsaft, vor allem Apfelsaft getrunken.
Ăhnlich wie in anderen europĂ€ischen Staaten gibt es auch in Deutschland einen Trend weg von den traditionellen âschwerenâ Speisen zu âleichtererâ, fettĂ€rmerer Kost.
In Deutschland findet man eine landestypisch groĂe Variationsbreite an herzhaften Brotsorten und Wurstaufschnitten. Traditionell wird mittags die warme Mahlzeit und abends eine Brotmahlzeit eingenommen. Der Tag beginnt meist mit einem FrĂŒhstĂŒck auf der Grundlage von Brot oder Brötchen/Semmeln, neben herzhaften sind sĂŒĂe Brotaufstriche (Honig, Marmeladen, Schokocremes usw.) und ein gekochtes Ei sehr beliebt. Dazu wird Kaffee, im Norden verstĂ€rkt auch Tee getrunken.
SĂŒĂes GebĂ€ck und groĂe Buttercreme- oder Sahnetorten wie SchwarzwĂ€lder Kirschtorte oder Frankfurter Kranz gehören in Deutschland zum traditionellen Festtagsprogramm. Sie werden zum Nachmittagskaffee gereicht. Im Bergischen Land wird die Bergische Kaffeetafel mit frischen Waffeln serviert.
Philosophie
Zu den einflussreichsten deutschen Philosophen zĂ€hlen Nikolaus von Kues, Gottfried Wilhelm Leibniz, Immanuel Kant, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Karl Marx, Arthur Schopenhauer, Friedrich Nietzsche und Martin Heidegger. Mehrere bedeutsame philosophische Strömungen gingen von deutschen Philosophen aus: Der Deutsche Idealismus ebenso wie der von Karl Marx und Friedrich Engels begrĂŒndete Marxismus. Im 20. Jahrhundert war vor allem die Kritische Theorie der sogenannten Frankfurter Schule von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer bedeutsam. In ihrer Nachfolge wurde JĂŒrgen Habermas zu einem der weltweit bekanntesten lebenden Philosophen.
Deutsche Literatur
Die deutsche Literatur reicht zurĂŒck bis in das Mittelalter, hervorzuheben ist zum Beispiel Walther von der Vogelweide. Als die bedeutendsten deutschen Autoren gelten Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller sowie die BrĂŒder Grimm; im 20. Jahrhundert waren deutsche NobelpreistrĂ€ger fĂŒr Literatur Theodor Mommsen (1902), Paul Heyse (1910), Gerhart Hauptmann (1912), Thomas Mann (1929), Hermann Hesse (1946), Heinrich Böll (1972) und GĂŒnter Grass (1999), im 21. Jahrhundert Herta MĂŒller (2009).
Klassische Musik
Die Geschichte der europĂ€ischen klassischen Musik ist ĂŒber weite Strecken von deutschen Komponisten geprĂ€gt, oft auch entwickelt worden. Deutsche Komponisten mit Weltruf, vom Barock ĂŒber die Klassik und die Romantik bis zur Moderne sind etwa Heinrich SchĂŒtz, Georg Friedrich HĂ€ndel, Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven, Richard Wagner, Johannes Brahms oder Richard Strauss. Deutschland und Ăsterreich beanspruchen Wolfgang Amadeus Mozart fĂŒr sich.
Die (blĂŒhende) Entwicklung des Chorgesanges in Deutschland wurde durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen und auch in der Folgezeit stark gebremst. Erst seit den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts findet in dieser Richtung wieder ein Aufschwung von internationaler Bedeutung statt.
Bildende Kunst
Bedeutende deutsche RenaissancekĂŒnstler sind unter anderem Albrecht Altdorfer, Lucas Cranach der Ăltere, Matthias GrĂŒnewald, dessen Hauptwerk der berĂŒhmte Isenheimer Altar ist, Hans Holbein der JĂŒngere und der wohl bekannteste unter ihnen Albrecht DĂŒrer. Die bedeutendsten aus Deutschland stammenden Barockmeister sind Cosmas Damian Asam, sowie der in Siegen geborene, aber nach Antwerpen ausgewanderte Peter Paul Rubens. Weitere KĂŒnstler von Weltruf sind der Romantiker Caspar David Friedrich, der Surrealist Max Ernst, der Expressionist Otto Dix, der Konzeptualist Joseph Beuys oder der zu den Neuen Wilden zĂ€hlende Martin Kippenberger. In der DDR war die Leipziger Schule um Werner TĂŒbke, Bernhard Heisig und Wolfgang Mattheuer prĂ€gend.
Zu den bedeutendsten zeitgenössischen KĂŒstlern zĂ€hlen der Neoexpressionist Georg Baselitz, der in der Tradition der Geschichtsmalerei stehende Anselm Kiefer, die den kapitalistischen Realismus prĂ€genden Sigmar Polke und Gerhard Richter sowie die fĂŒr Ironie bekannte Rosemarie Trockel. Der die trĂŒgerische Idylle darstellende Norbert Bisky, der zur Neuen Leipziger Schule gezĂ€hlte Neo Rauch und der auf Historienbilder konzentrierte Daniel Richter sind Beispiele fĂŒr sehr erfolgreiche KĂŒnstler der Nachwendegeneration. Zu den bekanntesten deutschen Fotografen zĂ€hlen Andreas Gursky, Wolfgang Tillmans und Thomas Ruff.
Architektur
Deutschland hat eine reiche und vielfÀltige Architekturgeschichte, die eng verwoben mit der abendlÀndischen Architekturgeschichte der NachbarlÀnder ist. Grundlage war vor allem die Architektur der römischen Antike, aus der zahlreiche Bauwerke erhalten sind, wie beispielsweise die Porta Nigra in Trier und das erst vor einigen Jahren freigelegte Römische Theater Mainz. Einige vorromanische Bauten wie zum Beispiel die Torhalle Lorsch zeigen heute noch die Entwicklung zur Romanik, die im Heiligen Römischen Reich etwa 1030 einsetzt. Die Gotik begann in Frankreich, die ersten gotischen Bauwerke im Heiligen Römischen Reich wurden ab etwa 1230 errichtet, zum Beispiel die Liebfrauenkirche in Trier.
Um etwa 1520 kam die Renaissance aus dem Gebiet des heutigen Italien in das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, als herausragendes Beispiel gilt das Augsburger Rathaus. Auch der Barock setzte hier erst verzögert (ab 1650) ein. Einige Beispiele sind die Werke von Balthasar Neumann, die Wieskirche und das Residenzschloss Ludwigsburg. Etwa 1770 setzt die Stilepoche des Klassizismus ein. Prominente Bauwerke sind das Alte Museum in Berlin, das Schloss Charlottenhof und das Brandenburger Tor. Einige der bekanntesten Bauwerke Deutschlands wurden in der Stilepoche des Historismus (1840â1900) gebaut, als Beispiele genannt seien Schloss Neuschwanstein und der Berliner Dom.
Kultur- und BaudenkmÀler
Die UNESCO fĂŒhrt 33 deutsche BeitrĂ€ge zum Welterbe auf, die auf 15 der 16 deutschen LĂ€nder verteilt sind (lediglich Hamburg besitzt kein Welterbe): 31 Weltkultur- und 2 -naturerben. Die Liste wurde mit dem Aachener Dom 1978 eröffnet; jĂŒngster Neuzugang waren 2008 die Siedlungen der Berliner Moderne. Zudem fĂŒhrt die UNESCO mit der Grube Messel und dem deutschen Wattenmeer zwei WeltnaturerbestĂ€tten auf (siehe Leiste am Ende des Kapitels). Bisher strich die UNESCO eine StĂ€tte in Deutschland von der Liste der Welterben â das Dresdner Elbtal (Welterbe-Status von 2004 bis 2009) â aufgrund des Baus der WaldschlöĂchenbrĂŒcke, die die UNESCO als Bedrohung fĂŒr die Landschaft sah.
Besonders hohe Besucherzahlen erreichen KulturdenkmĂ€ler, die eine Vorstellung von deutscher Romantik erwecken und nicht zwingend als Weltkulturerbe ausgezeichnet sein mĂŒssen. So gehören die Schlösser Neuschwanstein und Heidelberg, die Walhalla sowie die mittelalterlichen Stadtkerne von RĂŒdesheim am Rhein und Rothenburg ob der Tauber zu den weltweit bekannten touristischen Zielen.
Zunehmender Beliebtheit erfreuen sich aber auch DenkmĂ€ler und Stadtbilder aus der Zeit der Industriellen Revolution. Geschlossene historische Stadtbilder sind in den deutschen GroĂstĂ€dten heute kaum noch anzutreffen, da der Zweite Weltkrieg und der Wiederaufbau der Nachkriegszeit einen GroĂteil der KulturdenkmĂ€ler unwiederbringlich zerstört hat. Klein- und MittelstĂ€dte mit weitgehend geschlossenen historischen Altstadtbildern sind aber in Deutschland noch recht hĂ€ufig anzutreffen.
Siehe auch: Liste technischer DenkmÀler in Deutschland
Weltkulturerbe: Aachener Dom | Dom zu Speyer | WĂŒrzburger Residenz mit Hofgarten und Residenzplatz | Wallfahrtskirche auf der Wies | Schlösser Augustusburg und Falkenlust in BrĂŒhl | Dom St. Mariae und Michaeliskirche in Hildesheim | Römische BaudenkmĂ€ler, Dom und Liebfrauenkirche in Trier | Historische Hansestadt LĂŒbeck | Schlösser und GĂ€rten von Potsdam und Berlin | Abtei und AltenmĂŒnster des Klosters Lorsch | Bergwerk Rammelsberg und die Altstadt von Goslar | Zisterzienserabtei Kloster Maulbronn | EisenhĂŒtte in Völklingen | Kölner Dom | Bauhaus-StĂ€tten: Bauhaus Dessau, Kunstschule und Kunstgewerbeschule Weimar, Musterhaus Am Horn | LutherstĂ€dte Eisleben und Wittenberg | Klassisches Weimar | Museumsinsel in Berlin | Wartburg bei Eisenach | Dessau-Wörlitzer Gartenreich | Klosterinsel Reichenau im Bodensee | Zeche Zollverein und Kokerei Zollverein | Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal | Die historischen AltstĂ€dte Stralsund und Wismar | Bremer Rathaus und Bremer Roland | FĂŒrst-PĂŒckler-Park Bad Muskau | Obergermanisch-RĂ€tischer Limes | Stiftskirche und Altstadt Quedlinburg | AltstĂ€dte von Bamberg und Regensburg | Siedlungen der Berliner Moderne
Weltnaturerbe: Grube Messel | Wattenmeer der Nordsee
Ehemaliges Welterbe: Dresdner Elbtal
Museen
Es existieren mehr als 6000 Museen, wozu auch private und öffentliche Sammlungen, Schlösser und GĂ€rten gehören. Zu den gröĂten und bekanntesten musealen Einrichtungen gehören das Deutsche Museum in MĂŒnchen, weltweit gröĂtes naturwissenschaftlich-technisches Museum, das Germanische Nationalmuseum in NĂŒrnberg mit einer der bedeutendsten Sammlungen zu Kultur und Kunst von der Vor- und FrĂŒhgeschichte bis zur unmittelbaren Gegenwart. Auch bildet Berlin mit der Museumsinsel und zahlreichen weltweit bedeutsamen Museen einen Schwerpunkt in der Museumslandschaft.
Siehe auch: Liste deutscher Museen nach Themen
Gesellschaft
Soziales
In Deutschland ist die rechtliche Gleichstellung der Geschlechter weitgehend verwirklicht. Auch bietet Deutschland seinen Bewohnern vergleichsweise umfangreiche rechtliche AnsprĂŒche auf soziale Absicherung. FĂŒr Arbeitnehmer besteht eine Pflichtmitgliedschaft in der Sozialversicherung, die aus fĂŒnf sogenannten SĂ€ulen besteht: Krankenversicherung, Unfallversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung und Pflegeversicherung. Diese soziale Grundsicherung wird grundsĂ€tzlich durch BeitrĂ€ge der Versicherten finanziert, die Defizite allerdings durch Steuergelder ausgeglichen.
Ungeachtet dieser sozialrechtlichen AnsprĂŒche lebten in Deutschland 2003 etwa 15 Prozent der Kinder bis 15 Jahre und mehr als 19 Prozent der Jugendlichen zwischen 16 und 24 Jahren unterhalb der Armutsgrenze, wobei die Armut von Kindern in Deutschland nach UN-Angaben stĂ€rker wĂ€chst als in den meisten anderen IndustrielĂ€ndern. Auch die Zahl der funktionalen Analphabeten liegt in Deutschland noch immer, je nach Abgrenzungsmethode, zwischen etwa 6,5 Prozent und mehr als 11 Prozent der erwachsenen Bevölkerung.
Die Geschichte der Sozialversicherung beginnt im Kaiserreich. SpĂ€tere Regierungen haben sie nach und nach erweitert und um zusĂ€tzliche soziale Transferleistungen ergĂ€nzt, wodurch heute ein groĂer Teil des Staatshaushaltes fĂŒr Soziales verwendet wird.
Das deutsche Gesundheitswesen gehört zu den höchst entwickelten der Welt, was sich in der international sehr niedrigen Rate der Kindersterblichkeit, der hohen durchschnittlichen Lebenserwartung sowie dem hohen Prozentsatz erfolgreicher Operationen zeigt. Die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland lag 2006 bei 79 Jahren.[39] Die Kindersterblichkeit betrÀgt etwa 5 von 1000 Geburten.[39]
Deutschland verfĂŒgt ĂŒber ein umlagenfinanziertes Rentensystem. Dies bedeutet, dass die jeweils arbeitende Bevölkerung durch ihre BeitrĂ€ge die Zahlungen an die Rentner finanziert. Die derzeit niedrige Geburtenrate sowie die hohe Arbeitslosigkeit stellen ein Problem fĂŒr dieses Rentensystem dar.
Durch die Sozialhilfe ist die finanzielle Grundabsicherung sichergestellt.
Neben den vom Staat organisierten Transferleistungen der BĂŒrger untereinander gibt es noch innerstaatliche Transferleistungen. Durch den LĂ€nderfinanzausgleich sind BundeslĂ€nder mit hohem Steueraufkommen dazu verpflichtet, einen Teil ihrer Einnahmen an schlechter gestellte LĂ€nder abzugeben, damit die LebensverhĂ€ltnisse in Deutschland nicht zu weit auseinander gehen. Durch den auf die Einkommenssteuer erhobenen SolidaritĂ€tszuschlag sollen die den neuen BundeslĂ€ndern entstandenen teilungsbedingten Lasten gemildert werden.
Bildung
Das Bildungswesen liegt in der Verantwortung der LĂ€nder, wird jedoch durch deutschlandweite Konferenzen der Kultusminister koordiniert. Je nach Land besteht eine neun- bis dreizehnjĂ€hrige Schulpflicht. Der Besuch der allgemeinbildenden Schulen dauert mindestens neun Jahre. Danach können weiterfĂŒhrende Schulen bzw. berufsbildende Schulen besucht werden. Die meisten deutschen BundeslĂ€nder haben ein gegliedertes Schulsystem mit Hauptschule, Realschule und Gymnasium. Die Hochschulreife wird â je nach Bundesland â nach zwölf oder dreizehn Schuljahren erworben.
Praktisch alle jungen Erwachsenen besuchen nach der Schule eine weiterfĂŒhrende Bildungseinrichtung. Auszubildende in Betrieben besuchen an ein oder zwei Tagen in der Woche die Berufsschule. Studierende können zwischen universitĂ€ren und anwendungsorientierten Hochschulen (Fachhochschulen) wĂ€hlen.
Auch die berufliche Weiterbildung spielt eine groĂe Rolle. FĂŒr Arbeitslose stellt die Bundesagentur fĂŒr Arbeit Weiterbildungsgutscheine bereit. Vor ihrer beruflichen Ausbildung können Jugendliche auĂerdem sogenannte Freiwilligendienste, wie ein Freiwilliges Soziales Jahr oder ein Freiwilliges Ăkologisches Jahr, absolvieren.
Die OECD kritisiert die deutsche Bildungspolitik, da insbesondere die Schulerfolge von Kindern mit Migrationshintergrund unter dem Durchschnitt liegen (PISA-Studien). Entgegen den ReformbemĂŒhungen der letzten Jahrzehnte ist es weiterhin statistisch signifikant unwahrscheinlicher, dass Arbeiterkinder das Abitur (Allgemeine Hochschulreife) oder einen Hochschulabschluss erreichen, als Kinder aus den Mittel- oder Oberschichten. Die Ausgaben fĂŒr Bildung (4,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts) liegen im OECD-Vergleich unter dem Durchschnitt. Die schulische Förderung im Grundschulalter gilt als verbesserungswĂŒrdig, insbesondere was Betreuungsmöglichkeiten und gezielte Förderung schwĂ€cherer SchĂŒler angeht.
Wissenschaft
In Deutschland sind UniversitĂ€ten, Technische UniversitĂ€ten und Fachhochschulen Einrichtungen der Forschung und wissenschaftlichen Lehre. Die (Technischen) UniversitĂ€ten sind zu Promotions- und Habilitationsverfahren berechtigt. Beide Verfahren sollen Bildung nachweisen und wissenschaftliche Erkenntnisse enthalten. Mit der EinfĂŒhrung internationaler Abschlussbezeichnungen im Zuge des Bologna-Prozess wird die bisherige Trennung in den Bezeichnungen im tertiĂ€ren, akademischen Bildungsbereich zwischen Fachhochschulen und UniversitĂ€ten aufgeweicht. Einzelne Hochschuleinrichtungen bilden ĂŒberhaupt nicht im tertiĂ€ren Bildungsbereich aus, sondern sind zur postgradualen Bildung oder ausschlieĂlich zur Promotion und Habilitation eingerichtet. Die ĂŒberwiegende Mehrheit der deutschen Hochschulen sind in öffentlicher TrĂ€gerschaft, werden aber in ihrer Forschung ĂŒber Drittmittel finanziert (Deutsche Forschungsgemeinschaft, Stiftungen, Unternehmen und andere).
Neben den UniversitĂ€ten gibt es eine gröĂere Anzahl von Forschungsorganisationen, die deutschlandweit und darĂŒber hinaus tĂ€tig sind. Dabei wurde in Deutschland ein System der Arbeitsteilung zwischen der auĂeruniversitĂ€ren Forschung und den UniversitĂ€ten aber auch zwischen den Organisationen geschaffen. Die Max-Planck-Gesellschaft verpflichtet sich der Grundlagenforschung. Sie fĂŒhrt 78 Institute in Deutschland und besitzt ein Jahresbudget von 1,3 Milliarden Euro. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist die gröĂte wissenschaftliche Gesellschaft in Deutschland und betreibt 15 sogenannte GroĂforschungszentren, die fĂ€cherĂŒbergreifend an wissenschaftlichen Komplexen arbeiten. Die Fraunhofer-Gesellschaft ist die gröĂte Organisation der angewandten Forschung. Sie greift in ihren 56 Instituten Ergebnisse der Grundlagenforschung auf und versucht sie wirtschaftlich zu erschlieĂen. Sie stellt der Wirtschaft die Dienstleistung der Auftragsforschung bereit. Weltweite Bekanntheit erlangte sie durch die Entwicklung des MP3-Audioformats. Sie gehört zu den wichtigsten Patentanmeldern und -besitzern in Deutschland. Die Leibniz-Gemeinschaft ist ein Verbund eigenstĂ€ndiger Forschungseinrichtungen, die sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der angewandten Forschung arbeiten.
Aus Deutschland stammen zahlreiche Forscher aus allen Bereichen der modernen Wissenschaften. Albert Einstein und Max Planck begrĂŒndeten mit ihren Theorien wichtige SĂ€ulen der theoretischen Physik, auf denen beispielsweise Werner Heisenberg und Max Born weiter aufbauen konnten. Wilhelm Conrad Röntgen, der erste Physik-NobelpreistrĂ€ger, entdeckte und untersuchte die nach ihm benannte Strahlung, die noch heute eine wichtige Rolle unter anderem in der medizinischen Diagnostik und der WerkstoffprĂŒfung spielt. Heinrich Hertz schrieb bedeutende Arbeiten zur elektromagnetischen Strahlung, die fĂŒr die heutige Telekommunikationstechnik maĂgeblich sind. Die Entwicklungen von Nikolaus Otto, Rudolf Diesel, Gottlieb Daimler und Carl Benz haben das Verkehrswesen revolutioniert, die nach Ihren Erfindern benannten Bunsenbrenner und Zeppeline sind weltweit ein Begriff.
Die chemische Forschung wurde unter anderem von Otto Hahn und Justus von Liebig mit geprĂ€gt. Mit ihren erfolgreichen Erfindungen sind Namen wie Johannes Gutenberg, Werner von Siemens, Wernher von Braun, Konrad Zuse und Philipp Reis Bestandteile der technologischen Allgemeinbildung. Auch viele bedeutende Mathematiker wurden in Deutschland geboren, so zum Beispiel Adam Ries, Friedrich Bessel, Richard Dedekind, Carl Friedrich GauĂ, David Hilbert, Emmy Noether, Bernhard Riemann, Karl WeierstraĂ und Johannes MĂŒller (Regiomontanus). Weitere wichtige deutsche Forscher und Wissenschaftler sind Christiane NĂŒsslein-Volhard, Gottfried Wilhelm Leibniz, Alexander von Humboldt, Max MĂŒller, Theodor Mommsen, Robert Koch und Max Weber.
Feiern und Feste
Eine der gröĂten touristischen Attraktionen ist das Oktoberfest in MĂŒnchen (mundartlich auch âdâ Wiesnâ), das gröĂte Volksfest der Welt. Bedeutende Veranstaltungen von Karneval, Fastnacht und Fasching sind unter anderem der Kölner Karneval, die Mainzer Fastnacht und die SchwĂ€bisch-alemannische Fastnacht. In Hannover findet alljĂ€hrlich das gröĂte SchĂŒtzenfest der Welt statt.
Die Kieler Woche, eine seit Ende des 19. Jahrhunderts in Kiel ausgetragene Segelregatta, ist das gröĂte Segelsportereignis der Welt und zugleich das gröĂte Sommerfest im Norden Europas.
Der Nationalfeiertag ist der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober. Er ist der einzige vom Bund festgelegte Feiertag. Alle anderen Feiertage sind Angelegenheit der LĂ€nder. Es gibt acht weitere Tage, die in allen 16 LĂ€ndern Feiertage sind: mit christlichem Hintergrund: Karfreitag, Ostermontag, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag und die beiden Weihnachtsfeiertage; ohne christlichen Hintergrund Neujahr und der Tag der Arbeit.
Zusammen mit allen Sonntagen gelten die Feiertage als âTage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebungâ.
Medien
Radio und Fernsehen sind auch von deutschen Erfindern geprĂ€gt worden. Die Versorgung der Bevölkerung mit Sendungen zu allen Themen erfolgte bisher ĂŒber analog verbreitetes terrestrisches Fernsehen (UHF/VHF), regionale Kabelunternehmen (meist analog) und per Satellit. Seit 2003 erfolgt die Versorgung mit terrestrischem Fernsehen in Ballungsgebieten digital, das heiĂt ĂŒber den DVB-T-Standard. Eine komplette Digitalisierung des Fernsehens und des Hörfunks ist geplant. Einige Anbieter bieten ihr Programm inzwischen auch ĂŒber das Internet an, also im Rahmen von (oft kostenpflichtigem) IPTV bzw. als Internetradio-Angebote.
Deutschland hat ein vom Gesetzgeber gewolltes duales Rundfunksystem, das heiĂt neben dem gebĂŒhrenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk existieren zahlreiche private Rundfunkanbieter, deren Programme meist werbefinanziert sind.
Beim Fernsehen in Deutschland gibt es neben dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen, dem unter anderem die Sender der ARD und des ZDF angehören, auch privatrechtliche Fernsehanbieter. Zu ihnen gehören unter anderem die ProSiebenSat.1 Media AG, die RTL Group, MTV Networks Deutschland, NBC Universal Deutschland, die Tele MĂŒnchen Gruppe sowie regionale Anbieter. Neben frei empfangbaren Fernsehsendern existieren auĂerdem digitale Bezahlfernsehangebote von Kabelnetzbetreibern sowie die Bezahlfernsehsender Sky und arena.
Die Hörfunklandschaft Deutschlands ist stark von Regionalsendern geprÀgt, die meist nur in einem oder einigen aneinander grenzenden BundeslÀndern senden. Diese Radioprogramme sind oft öffentlich-rechtlich dominiert und werden von den jeweiligen Landesrundfunkanstalten, wie dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) oder dem Bayerischen Rundfunk (BR), aber auch von privaten Radioanbietern ausgestrahlt.
Die ĂŒberregionale Presselandschaft des Landes ist sehr vielfĂ€ltig, zu den meistgelesenen Tageszeitungen gehören die Bild, die Westdeutsche Allgemeine Zeitung sowie die SĂŒddeutsche Zeitung. Wöchentlich erscheinende Nachrichtenmagazine sind unter anderem Der Spiegel, der Focus und die Zeitschrift Stern. Charakteristisch fĂŒr das regionale und lokale Presseangebot ist jedoch der sogenannte Ein-Zeitungs-Kreis, d. h. in den meisten Regionen gibt es nur eine Lokalzeitung und damit ein Monopol.[40]
Ende 2008 verfĂŒgten 75 Prozent der Bevölkerung ĂŒber einen Internetanschluss; etwa 27,5 Prozent konnten auf einen Breitbandanschluss zurĂŒckgreifen.[41]
Die Frankfurter Buchmesse gilt als bedeutendster Treffpunkt des internationalen Verlagswesens und der Literaturszene.
Sport
Sport hat eine hohe gesellschaftliche Bedeutung. 2007/08 waren etwa 27,5 Millionen Deutsche in 91.000 Turn- und Sportvereinen organisiert.[42] Deutschland ist Dritter im ewigen Medaillenspiegel der Olympischen Spiele.
Die meisten Sportvereine sind im neuen Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zusammengefasst.
Die beliebteste Sportart in Deutschland ist FuĂball. Ăber 6,68 Millionen Mitglieder und fast 180.000 Mannschaften (Stand: 2009) sind im Deutschen FuĂball-Bund organisiert,[43] der die FuĂball-Weltmeisterschaften 1974 und 2006 ausrichtete und weltweit einer der gröĂten und erfolgreichsten SportfachverbĂ€nde ist. Deutschland ist bisher das einzige Land, das im FuĂball sowohl bei den Frauen als auch den MĂ€nnern Europa- und Weltmeister werden konnte.
Die Handball-Bundesliga wird oft als die beste Spielklasse der Welt angesehen, die Herren-Nationalmannschaft wurde 2007 zum dritten Mal Weltmeister. Beinahe 850.000 Mitglieder gehören rund 4.600 Vereinen an (Stand: 2009).[44] Der Dachverband des deutschen Handballs ist der Deutsche Handballbund.
Im Feldhockey wurde Deutschlands Herrenmannschaft 2002 und 2006 Weltmeister sowie 1972, 1992 und 2008 Olympiasieger. Die Damen wurden 2004 ebenfalls Olympiasieger.
Zu den Ă€ltesten Sportarten zĂ€hlt das SportschieĂen. Der Deutsche SchĂŒtzenbund hat etwa 1,5 Millionen Mitglieder. Insgesamt gibt es deutschlandweit etwa sechs Millionen SportschĂŒtzen.[45]
Basketball und Eishockey werden zunehmend beliebter, sind jedoch in Bezug auf die Fernsehzuschauerzahlen und die MedienprĂ€senz nicht mit dem FuĂball zu vergleichen. Im Basketball ist der deutsche Dirk Nowitzki, der 2007 zum MVP (wertvollster Spieler) in der nordamerikanischen Profiliga NBA gewĂ€hlt wurde, einer der besten Spieler der Welt.[46] Zuvor gelang es in den 1990er-Jahren Detlef Schrempf als Deutscher den Sprung in die NBA. Zu seiner Zeit war Schrempf der beste deutsche Basketballspieler.
Tennis erlebte in den 1980er- und 1990er-Jahren durch die Erfolge der deutschen Berufssportler Michael Stich, Boris Becker und Steffi Graf einen Boom, hat seitdem aber wieder etwas an PopularitÀt verloren.
Beim Motorsport richtet sich das öffentliche Interesse besonders auf die Formel 1 und die DTM, wo deutsche Fahrer jeweils Spitzenerfolge erzielen, insbesondere MercedesGP-Pilot Michael Schumacher, der mit sieben Weltmeistertiteln der erfolgreichste Formel-1-Fahrer aller Zeiten ist.
Die Beliebtheit des Radsports hĂ€ngt in starkem MaĂe von den aktuellen Erfolgen deutscher Fahrer ab. Rudi Altig (in den 1960er-Jahren) und Jan Ullrich (Ende der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre) gehören zu den erfolgreichsten Radsportlern der Welt.
Auch im Boxen kann Deutschland auf Erfolge zurĂŒckblicken. Herausragende Sportler waren unter anderem Max Schmeling und Henry Maske.
Im Tischtennis gilt Timo Boll als einer der besten Spieler der Welt.
GroĂe Erfolge konnten deutsche Sportler auch in weiteren Sportarten wie Fechten, Reiten, Ringen, Rudern, Kanusport, der Leichtathletik und im Schwimmsport erreichen.
Im Wintersport sind deutsche Sportler ebenfalls sehr erfolgreich. Im Bobsport, Rennrodeln, Biathlon, Langlauf und Eisschnelllauf konnten sie regelmĂ€Ăig Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften sowie bei den Olympischen Spielen gewinnen. PopulĂ€re Wintersportarten mit langer Tradition sind auch das Skispringen, bei dem Sven Hannawald und Jens WeiĂflog Geschichte schreiben konnten, und der alpine Skisport, wo allerdings die Damen deutlich erfolgreicher abschneiden als die Herren.
Architektur der Gegenwart
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren deutsche Architekten Vorreiter der Klassischen Moderne. Walter Gropius, Ludwig Mies van der Rohe und das Bauhaus setzten Impulse, die die Architektur bis heute weltweit prĂ€gen. Die monumentale Architektur im Nationalsozialismus stellte einen markanten Einschnitt in der deutschen Architekturgeschichte dar. In der Zeit des Wiederaufbaus herrschte Pragmatismus vor, erst allmĂ€hlich fand die Architekturszene zu neuen Ausdrucksformen. In der Bundesrepublik war das 1972 fertig gestellte Olympiastadion in MĂŒnchen ein wichtiges Projekt, das das neue SelbstverstĂ€ndnis deutscher Architektur in die Welt trug.
In den letzten Jahrzehnten hat sich die Entwicklung der Architektur globalisiert. Deutsche Architekten sind weltweit aktiv, sind jedoch auf dem internationalen Architekturmarkt eher unauffĂ€llig und konnten nicht wieder an die frĂŒhere Bedeutung anknĂŒpfen. Dennoch arbeitet die deutsche Baubranche heute insgesamt auf höchstem internationalen Niveau in Hinsicht auf Gestaltung und Baukonstruktion. Um die Wahrnehmung der Architektur im In- und Ausland zu verbessern wurde 2007 die Bundesstiftung Baukultur gegrĂŒndet.
Film
Im Jahr 2007 wurden in Deutschland 173 Kinospielfime (2003: 80 Spielfilme) mit vorwiegend deutscher Beteiligung produziert. Insgesamt wurden im selben Jahr 125,4 Mio. Filmbesuche in den Kinos gezÀhlt. Der Marktanteil deutschsprachiger Produktionen betrug damals 18,9 Prozent und im Jahr 2009 26,9 Prozent.
Zu den profiliertesten deutschen Regisseuren der Gegenwart zÀhlen u. a. Roland Emmerich, Wolfgang Petersen, Florian Henckel von Donnersmarck, Caroline Link, Wolfgang Becker, Fatih Akin, Andreas Dresen, Uwe Boll, Dani Levy, Oskar Roehler, Uli Edel, Wim Wenders, Werner Herzog und Tom Tykwer.
Die wichtigste nationale Auszeichnung ist der Deutsche Filmpreis, der jĂ€hrlich vergeben wird. Der EuropĂ€ische Filmpreis wird jedes zweite Jahr in Berlin vergeben und zeichnet die wichtigsten Produktionen aus Europa aus. Die Internationalen Filmfestspiele Berlin (Berlinale) werden jedes Jahr im Februar aufgefĂŒhrt und haben sich als bedeutendes Ereignis der Filmwelt etabliert.
Siehe auch: Liste bedeutender deutscher Filme
Musik der Gegenwart
Deutschland ist heute aus ökonomischer Sicht der viertgröĂte Musikmarkt der Welt. Im Bereich der Pop- und Rockmusik wurden KĂŒnstler wie Udo Lindenberg, Herbert Grönemeyer, Nena, Dieter Bohlen und Xavier Naidoo ĂŒber die Landesgrenzen hinaus im gesamten deutschsprachigen Raum populĂ€r. Seit der Entstehung in den 1980er-Jahren ist deutschsprachiger Punkrock verbreitet. Zu den erfolgreichsten Punkbands gehören Die Toten Hosen und Die Ărzte. Daneben kommt auch eine ansehnliche Zahl an international bedeutenden Jazzmusikern. In der Entwicklung der elektronischen Musik haben Musiker aus Deutschland, insbesondere die Band Kraftwerk sowie Klaus Schulze, Pionierarbeit geleistet. Weitere deutsche Exportschlager sind und waren Modern Talking, Scorpions und Rammstein, die derzeit einzige Band, die mit deutschen Texten auch immer wieder in anderssprachigen LĂ€ndern in den Charts ist.
Seit ungefĂ€hr 1970 hat Deutschland eine blĂŒhende Popkultur, die nun vermehrt von der neuen alten Hauptstadt Berlin ausgeht, und eine selbstbewusste Musik- und Kunstszene (Deutschrock).
In letzter Zeit ist deutschsprachige Popmusik im Land wieder populĂ€rer geworden. Wichtige Vertreter dieses Genres sind unter anderem Bands wie Wir sind Helden, Rosenstolz und Silbermond. Ein weiteres aktuelles PhĂ€nomen der deutschen Musikkultur ist auch die Band Tokio Hotel, welche vor allem bei weiblichen Teenagern beliebt ist. Seit Ende der 1990er-Jahre gibt es auch immer mehr deutschsprachige Hip-Hop-KĂŒnstler nach dem Vorbild amerikanischer Gangster-Rapper, wie zum Beispiel Bushido, Kool Savas oder Sido.
Siehe auch
Portal: Deutschland â Ăbersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Deutschland
Gesprochene Version
Literatur
- Axel Schildt, Detlef Siegfried: Deutsche Kulturgeschichte: Die Bundesrepublik von 1945 bis zur Gegenwart. Carl Hanser Verlag, MĂŒnchen 2009, ISBN 3-446-23414-4.
Weblinks
- deutschland.de â Mehrsprachiges Deutschland-Portal
- bundesrepublik.org â Deutschland von BĂŒrger zu BĂŒrger
- destatis.de â Zahlen, Daten, Fakten ĂŒber Deutschland vom Statistischen Bundesamt
- Deutschland in Karten und Nationalatlas aktuell â Ăberblick ĂŒber die gesellschaftliche Situation, Leibniz-Institut fĂŒr LĂ€nderkunde (IfL)
- CIA World Factbook: Deutschland (englisch) â Dossier des CIA ĂŒber Deutschland
- Handbuch âTatÂsachen ĂŒber Deutschlandâ Aktuelle Informationen ĂŒber Deutschland
- Links zum Thema Deutschland im Open Directory Project
- 60 Jahre GrĂŒndung der Bundesrepublik Deutschland â Informationsportal zur politischen Bildung
- Goethe Institut â Artikelsammlung zur Gesellschaft in Deutschland
Einzelnachweise
- â § 23 Absatz 1 Verwaltungsverfahrensgesetz (Bund).
- â a b Statistische Ămter des Bundes und der LĂ€nder: Gebiet und Bevölkerung â FlĂ€che und Bevölkerung, Stand: 5. MĂ€rz 2010. Abgerufen am 1. Februar 2010.
- â Statistisches Bundesamt Deutschland: Bevölkerung in Deutschland Ende MĂ€rz 2009 unter 82 Millionen, Pressemitteilung Nr. 417 vom 4. November 2009. Abgerufen am 2. Februar 2010.
- â Bevölkerungsdichte ungerundet: 81.882.342 Einwohner/357.111,91 kmÂČ = 229,290 Einwohner pro kmÂČ. Berechnet am 1. Februar 2010.
- â International Monetary Fund: World Economic Outlook Database (BIP 2008 nach LĂ€ndern), Stand: April 2009. Abgerufen am 6. Februar 2010.
- â Human Development Report 2009: Germany The Human Development Index, Stand: 2007. Abgerufen am 5. Februar 2010.
- â BVerfG (2 BvF 1/73), 31. Juli 1973: â[âŠ] Mit der Errichtung der Bundesrepublik Deutschland wurde nicht ein neuer westdeutscher Staat gegrĂŒndet, sondern ein Teil Deutschlands neu organisiert. [âŠ]â
- â WolfenbĂŒtteler Digitale Bibliothek: Johann von Cube, Basel 1487, Seite 6, zweite Spalte, unterer Bereich. Abgerufen am 5. Februar 2010.
- â âMit dem Wort Deutschland geben wir dem Ganzen ein gewisses PathosâŠâ, zit. nach Theodor Heuss, spĂ€terer BundesprĂ€sident, in den Beratungen des Parlamentarischen Rates, 1948.
- â Vgl. zur offiziellen Kurzform der amtlichen Staatsbezeichnung die Mitteilung der Bundesregierung an den GeneralsekretĂ€r der Vereinten Nationen vom 3. Oktober 1990, dass die Bundesrepublik Deutschland ab diesem Zeitpunkt im Rahmen der Vereinten Nationen unter dem Namen âDeutschlandâ auftreten werde (s. hierzu: Multilateral Treaties Deposited with the Secretary General 1996, S. 9 Anm. 13).
- â Christoph Möllers bezeichnet die völkerrechtliche IdentitĂ€t seit 1866/1867 als âmittlerweile allgemeine Ansichtâ (Staat als Argument, MĂŒnchen 2000, S. 163).
- â Herdegen, § 8, Rn 30 (Abschnitt âBundesstaatâ): âDie Gliedstaaten verfĂŒgen â nur â insoweit ĂŒber eine (partielle und abgeleitete) VölkerrechtssubjektivitĂ€t, als ihnen durch die Bundesverfassung Kompetenzen in auswĂ€rtigen Angelegenheiten eingerĂ€umt werden.â
Ipsen, § 5, Rn 21 (Abschnitt âGliedstaaten von Bundesstaaten und Staatenbundâ): âIhre VölkerrechtssubjektivitĂ€t [also die der Gliedstaaten in einem Bundesstaat] unterscheidet sich vielmehr von der des Bundes dadurch, dass sie von der VölkerrechtssubjektivitĂ€t des jeweiligen Bundesstaates abgeleitet [= derivativ] und nicht originĂ€r ist.â - â Vgl. Hesselberger, Das Grundgesetz, 13. Aufl., Art. 20, Rn. 1, 7; Avenarius, Die Rechtsordnung, 3. Aufl., S. 23 f.
- â Dieter Hesselberger, Das Grundgesetz. Kommentar fĂŒr die politische Bildung, 9. Auflage, Hermann Luchterhand Verlag, Neuwied 1995, S. 50.
- â FĂŒr diesen Bereich haben die LĂ€nder durch Verwaltungsabkommen und StaatsvertrĂ€ge Verwaltungs- und GerichtszustĂ€ndigkeiten geregelt, die Gebietshoheit ist damit aber nicht geklĂ€rt.
Beispiele fĂŒr solche VertrĂ€ge sind das (Verwaltungs-)Abkommen ĂŒber die wasserschutzpolizeilichen ZustĂ€ndigkeiten auf der Elbe zwischen den LĂ€ndern Niedersachsen, Schleswig-Holstein und der Freien und Hansestadt Hamburg von 1974, der Staatsvertrag zwischen der Freien Hansestadt Bremen, der Freien und Hansestadt Hamburg sowie den LĂ€ndern Niedersachsen und Schleswig-Holstein ĂŒber die gerichtliche ZustĂ€ndigkeit in Binnenschiffahrtssachen von 1983 oder der Staatsvertrag zwischen der Freien und Hansestadt Hamburg und den LĂ€ndern Niedersachsen und Schleswig-Holstein ĂŒber die Regelung der Gerichtszugehörigkeit des KĂŒstengewĂ€ssers der Nordsee und der ElbmĂŒndung von 2001. Zu den rechtlichen und geschichtlichen Aspekten siehe Rainer Lagoni: LĂ€ndergrenzen in der ElbemĂŒndung und der Deutschen Bucht, Berlin 1982. ISBN 3-428-05240-4. - â Berlin Information-center for Transatlantic Security: US-Atomwaffen in Deutschland und Europa, Stand: 30. Juni 2008. Abgerufen am 1. Februar 2010.
- â Spiegel Online: USA haben Nuklear-Arsenal in Ramstein gerĂ€umt, 9. Juli 2007. Abgerufen am 1. Februar 2010.
- â Statistische Ămter des Bundes und der LĂ€nder: Stand der Einwohner- und Bevölkerungszahlen, Stand: 31. Dezember 2007
- â Bundesministerium der Justiz: Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik ĂŒber die Herstellung der Einheit Deutschlands â Einigungsvertrag â vom 31. August 1990 (BGBl. 1990 II S. 889).
- â Bundesverfassungsgericht: Urteil des BVerfG â Aktenzeichen 2 BvE 1/03.
- â Statistisches Bundesamt Deutschland: Bevölkerungsstand. Abgerufen am 2. Februar 2010.
- â Statistisches Bundesamt Deutschland: Durchschnittliche Kinderzahl pro Frau, Stand: 2008. Abgerufen am 1. Februar 2010.
- â Statistisches Bundesamt Deutschland: Geburten und SterbefĂ€lle, Stand: 2008. Abgerufen am 2. Februar 2010.
- â Statistische Ămter des Bundes und der LĂ€nder: Gebiet und Bevölkerung â AuslĂ€ndische Bevölkerung, Stand: 2008. Abgerufen am 2. Februar 2010.
- â Statistisches Bundesamt Deutschland: Migration und Integration, Stand: 2008. Abgerufen am 2. Februar 2010.
- â EuropĂ€ische Kommission: MaĂnahmen der EuropĂ€ischen Kommission zur Sicherung von Regional- und Minderheitensprachen, Stand: 27. Oktober 2006. Abgerufen am 2. Februar 2010.
- â Deutsche Bischofskonferenz: Kirchliche Statistik: Bevölkerung und Katholiken 1965â2008 (PDF). Abgerufen am 13. Februar 2010.
- â Die Landeskirchen der EKD, Tabelle 1.2 (PDF). Abgerufen am 13. Februar 2010.
- â Neuapostolische Kirche Zahlen und Fakten. Abgerufen am 14 Februar 2010.
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Staatsbezeichnung:
Vor der ReichsgrĂŒndung: Norddeutscher Bund ![]()
Deutsches Reich: Deutsches Kaiserreich
| Weimarer Republik
| âDrittes Reichâ
| Alliierte Verwaltung ![]()
Zeit der Deutschen Teilung: Bundesrepublik Deutschland (1949â1990)
| Deutsche Demokratische Republik (1949â1990) ![]()
G6: Deutschland | Frankreich | Vereinigtes Königreich | Italien | Japan | Vereinigte Staaten
Belgien | Bulgarien | DĂ€nemark | Deutschland | Estland | Finnland | Frankreich | Griechenland | Irland | Italien | Lettland | Litauen | Luxemburg | Malta | Niederlande | Ăsterreich | Polen | Portugal | RumĂ€nien | Schweden | Slowakei | Slowenien | Spanien | Tschechien | Ungarn | Vereinigtes Königreich | Zypern
Albanien | Andorra | Belgien | Bosnien und Herzegowina | Bulgarien | DĂ€nemark2 | Deutschland | Estland | Finnland | Frankreich2 | Griechenland | Irland | Island | Italien2 | Kasachstan1 | Kroatien | Lettland | Liechtenstein | Litauen | Luxemburg | Malta | Mazedonien | Moldawien | Monaco | Montenegro | Niederlande2 | Norwegen2 | Ăsterreich | Polen | Portugal2 | RumĂ€nien | Russland1 | San Marino | Schweden | Schweiz | Serbien | Slowakei | Slowenien | Spanien2 | Tschechien | TĂŒrkei1 | Ukraine | Ungarn | Vatikanstadt | Vereinigtes Königreich2 | WeiĂrussland
Sonstige Gebiete:
FÀröer | Gibraltar | Guernsey | Isle of Man | Jersey
Umstrittene Gebiete:
Kosovo | Transnistrien
1 Liegt gröĂtenteils in Asien. 2 Hat zusĂ€tzliche Gebiete auĂerhalb Europas.
Australien | Belgien | Chile | DĂ€nemark | Deutschland | Finnland | Frankreich | Griechenland | Irland | Island | Italien | Japan | Kanada | Luxemburg | Mexiko | Neuseeland | Niederlande | Norwegen | Ăsterreich | Polen | Portugal | Schweden | Schweiz | SĂŒdkorea | Slowakei | Spanien | Tschechien | TĂŒrkei | Ungarn | Vereinigte Staaten | Vereinigtes Königreich
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Partnerstaaten: Afghanistan | Ăgypten | Algerien | Israel | Japan | Jordanien | Marokko | Mongolei | Tunesien | SĂŒdkorea | Thailand
| Dieser Artikel wurde am 26. Dezember 2005 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen. |

