links vorn das Göpelgetriebe, im Hintergrund eine Häckselmaschine, die über eine Welle angetrieben wird
Ein Göpel ist eine mechanische Vorrichtung zur Erzeugung einer Antriebskraft durch Menschen oder Tiere. Er besteht aus einer zumeist vertikalen, mittels langer Hebel in Drehung versetzten Hauptwelle. Göpel zum Heben von Lasten funktionieren nach dem Prinzip des Wellrads. Zum Schutz des Treibers und der Pferde wurde oft eine (runde) Überdachung erbaut, die als Göpelschauer (engl. Horse engine house) bezeichnet wird. Ein Hauptverbreitungsgebiet der Göpel sind die Britischen Inseln.
Inhaltsverzeichnis |
Bearbeiten Arten von Göpeln
Die grundlegende Unterscheidung ist die in
- Handgöpel (die allerdings wenig angewandt worden sind) und
- Pferdegöpel, die für die Arbeit durch Tiere - meistens Pferde - konstruiert sind.
Diese beiden Arten sind auch in ihren Dimensionen verschieden.
Man unterscheidet weiter:
- Die Zugkraft der Tiere wirkt beim Rundganggöpel, indem sie angeschirrt an den Hebebäumen der senkrechten Göpelspindel eine kreisförmige Bahn ziehen. Durch Stirn- oder Kegelräder zwischen der Hauptwelle und der Transmission wird die Bewegung in die gewünschte Richtung geleitet; meist ist eine Änderung der Richtung erforderlich. Genügt das nicht, um eine ausreichende Drehgeschwindigkeit zu erzielen, werden weitere Räderwerke, so genannte Zwischengestelle, eingeschaltet.
- Tretgöpel ((auch Tretbrücke oder amerikanisches Tretwerk) sind eine Art Tretwerk, bei dem das Tier auf einer geneigten Fläche steht, die aus einzelnen Tafeln besteht, die in der Weise eines endlosen Bandes angeordnet sind. Die Tafeln tragen Kettenbolzen, die sich in die Gabelzinken eines Kettenrades einlegen. Bei der Gehbewegung des an einem festen Punkt angebundenen Tieres schieben sich die Kettenglieder unter dessen Hufen abwärts, wodurch das Kettenrad in Bewegung versetzt wird. Tretgöpel, die insbesondere für Pferde eingerichtet sind, nennt man auch Roßwerke, Roßmaschinen, Roßmühlen oder Roßkünste.
Man kann Göpel auch in feststehende und transportable, liegende und stehende Göpel unterscheiden (letztere werden Säulengöpel genannt).
Bearbeiten Geschichte
Der Göpel kam in Mitteleuropa seit 1500 vor allem im historischen Bergbau als Förderanlage zum Einsatz. In der Landwirtschaft wurden sie z.B. zum Antrieb von Dreschmaschinen eingesetzt. Nicht nur im Memelland wurden die Rosswerk genannten Antriebe noch in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts eingesetzt. Göpel wurden mit Ochsen oder mit den zugkräftigeren Pferden als Zugtiere betrieben, daher rührt auch die Bezeichnung Pferdegöpel oder Rossgang.
Im Bergbau befand sich beim Pferdegöpel in der Regel am oberen Ende der Göpelspindel eine Seiltrommel, die gegenläufig zwei Förderseile aufnahm, an denen sich Fördertonnen befanden. Meist war am Göpelstuhl noch ein Treiberhaus angebaut, das sich direkt über der Schachtöffnung befand.
Auch Hunde wurden in Göpeln eingesetzt, häufig zum Schlagen von Milch zu Butter. Ein solcher Hundegöpel ist im Cloppenburger Museumsdorf zu besichtigen.[1]
Im Bergbau heißen Göpel alle zur Förderung dienenden Motoren.
|
Tretmühle zum Heben von Eimern, nach A. Meltzer, 1805 |
Bearbeiten Literatur
- Walter Bischoff, Heinz Bramann, Westfälische Berggewerkschaftskasse Bochum: Das kleine Bergbaulexikon. 7. Auflage, Verlag Glückauf GmbH, Essen, 1988, ISBN 3-7739-0501-7
- Fritz Bleyl: Der Pferdegöpel der "Neu-Leipziger Glück Fundgrube" bei Johanngeorgenstadt im Erzgebirge. in: Mitteilungen des Landesverein Sächsischer Heimatschutz Band XXV, Heft 9-12/1936, Dresden 1936, S. 233-239
- Wilhelm Hermann, Gertrude Hermann: Die alten Zechen an der Ruhr. 6. Auflage, aktualisiert von Christiane Syré und Hans-Curt Köster. Langewiesche Nachfolger Hans Köster KG, Königstein im Taunus 2007, ISBN 3-7845-6994-3.
Bearbeiten Einzelnachweise
Bearbeiten Weblinks
- Infos zu Geschichte und Technik beim Förderverein Pferdegöpel Johanngeorgenstadt/Erzgebirgskreis
- Die Konstruktion eines Göpelschauers
- Verbreitung in Großbritannien
- Beschreibung von "Tretscheiben, Göpeln und Rosswerken" im Landmaschinenmuseum Riesenbeck (Tecklenburger Land)
- Pferdegöpel in Lauta (bei Marienberg/Sachsen)
