Der Begriff Renaissance ÊÉnÉËsÉÌs, frz. âWiedergeburtâ wurde im 19. Jh. geprĂ€gt, um das kulturelle Aufleben der griechischen und römischen Antike im Europa des 14. bis 17. Jahrhunderts zu kennzeichnen. Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft zeigen seitdem eine Entwicklung des Menschen zu individueller Freiheit im Gegensatz zum StĂ€ndewesen des Mittelalters. Im engeren Sinne ist die Renaissance auch eine kunstgeschichtliche Epoche.
Allgemein wird das Wort Renaissance auch verwendet, um die Wiedergeburt z. B. von Architektur, Kunst und Moden, aber auch von ethischen und geistigen Werten vergangener Zeiten zu bezeichnen.
Inhaltsverzeichnis |
Zeitliche Einordnung
Die AnfĂ€nge der Renaissanceepoche werden im spĂ€ten 14. Jahrhundert in Italien gesehen; als Kernzeitraum gilt das 15. und 16. Jahrhundert. GegenĂŒber dem Ă€lteren wissenschaftlichen Modell einer Initialbewegung in Italien und der unaufhaltsamen nachfolgenden Ausbreitung ĂŒber Europa geht man heute in den Kulturwissenschaften immer mehr von einer mehrstrĂ€ngigen und vernetzten Situation wechselseitiger EinflĂŒsse aus.[1] [2]
Der Renaissance voraus ging die kulturgeschichtliche Epoche der Gotik, der Renaissance folgte das Zeitalter des Barock.
Ăblicherweise teilt man die kunstgeschichtliche Epoche der Renaissance, vor allem die italienische Renaissance, in drei Perioden ein:
- FrĂŒhrenaissance
- Hochrenaissance
- SpÀtrenaissance oder Manierismus
Etymologie
Erstmals wurde der Begriff (ital. rinascita oder Rinascimento riËnaÊËiËmento = Wiedergeburt) 1550 von dem italienischen KĂŒnstler und KĂŒnstlerbiographen Giorgio Vasari verwendet, um die Ăberwindung der mittelalterlichen Kunst zu bezeichnen. Vasari unterscheidet in der Entwicklung der Kunst drei Zeitalter:
- das glanzvolle Zeitalter der griechisch-römischen Antike;
- ein Zwischenzeitalter des Verfalls, das etwa mit der Epoche des Mittelalters gleichgesetzt werden kann;
- das Zeitalter des Wiederauflebens der KĂŒnste und der Wiedergeburt des antiken Geistes im Mittelalter seit etwa 1250.
So hĂ€tten bereits die italienischen Bildhauer, Architekten und Maler der zweiten HĂ€lfte des 13. Jahrhunderts, darunter Arnolfo di Cambio, NiccolĂČ Pisano, Cimabue oder Giotto, âin dunkelsten Zeiten den Meistern, die nach ihnen kamen, den Weg gewiesen, der zur Vollkommenheit fĂŒhrtâ.
Um 1820/30 wurde der Begriff âRenaissanceâ in der heute gelĂ€ufigen Schreibweise aus dem Italienischen ins Französische ĂŒbernommen, bis etwa 1840 im deutschsprachigen Schrifttum eine Entlehnung aus dem Französischen erfolgte, um eine kulturgeschichtliche Epoche Europas wĂ€hrend des Ăbergangs vom Mittelalter zur Neuzeit zu benennen. Der Begriff wurde maĂgebend vom Basler Historiker Jacob Burckhardt mit seinem Werk âDie Kultur der Renaissance in Italienâ geprĂ€gt.
UrsprĂŒnge der Renaissance
Es gibt verschiedene Theorien, warum sich die Renaissance im Italien des ausgehenden Mittelalters entwickelt hat:
Assimilation des griechischen und arabischen Wissens
Das Wissen und die Ideen der Antike, die im Europa des FrĂŒh- und Hochmittelalters vergessen wurden, waren in Klosterbibliotheken, im arabischen Kulturkreis und Byzanz bewahrt worden. Wissenschaftler wie Gianfrancesco Poggio Bracciolini oder Niccolo Niccoli durchsuchten die Bibliotheken nach Werken klassischer Autoren wie Platon, Cicero und Vitruv.[3] AuĂerdem fiel wĂ€hrend der fortschreitenden Reconquista auf der Iberischen Halbinsel den christlichen Eroberern eine Vielzahl an Werken griechischer und arabischer Autoren in die HĂ€nde. Alleine die Bibliothek von Cordoba soll 400.000 BĂŒcher umfasst haben.[4]
Der Niedergang des Byzantinischen Reichs nach dem Vierten Kreuzzug bis zur Eroberung Konstantinopels durch die TĂŒrken fĂŒhrte dazu, dass griechische Gelehrte nach Italien kamen, die das Wissen ĂŒber die Kultur der griechischen Antike mitbrachten, welches im Byzantinischen Reich nach dem Untergang Westroms nahezu 1000 Jahre lang konserviert worden war. Bereits einige Jahre vor dem Ende des Oströmischen, Byzantinischen Reiches, zu dem Griechenland und Teile der heutigen TĂŒrkei gehörten, war der Italiener Giovanni Aurispa nach Konstantinopel gegangen und hatte 1423 von dort ĂŒber 200 Codizes mit Texten antiker profaner Literatur nach Italien gebracht.[5]
Soziale und politische Strukturen
Auch die sozialen und politischen ZustĂ€nde im Italien des ausgehenden Mittelalters trugen zu den UmbrĂŒchen bei.
Italien existierte nicht als politische Einheit, sondern war in kleinere Stadtstaaten und Territorien aufgeteilt. Im 15. Jahrhundert war es eine der am stĂ€rksten urbanisierten Gegenden Europas. Die StĂ€dte waren Republiken (aus heutiger Sicht Oligarchien) und boten relative politische Freiheit, die sich in wissenschaftlichen und kĂŒnstlerischen Fortschritten widerspiegelte.[6]
In Italien war die Erinnerung an die Antike noch am lebendigsten.[7] Es war durch die Verbindungswege des Mittelmeerraums nach allen Seiten erschlossen. Die Handelszentren der StĂ€dte brachten es in Kontakt mit entfernten Gegenden, vor allem mit der Levante (siehe: Wirtschaftsgeschichte der Republik Venedig). Der Wohlstand, der durch den Handel entstand, machte es möglich, groĂe öffentliche und private Kunstprojekte in Auftrag zu geben. AuĂerdem konnte mehr Zeit fĂŒr Bildung aufgewendet werden.[8]
Der Schwarze Tod
Eine weitere Theorie macht den Schwarzen Tod und die daraus resultierende Ănderung der Weltanschauung im 14. Jahrhundert fĂŒr die Renaissance verantwortlich. Er fĂŒhrte zu einer Konzentration auf das Irdische statt auf SpiritualitĂ€t und Jenseits. Dies alles erklĂ€rt jedoch nicht, warum die Renaissance in Italien begann, da es sich bei der Pest um eine Pandemie handelte, die ĂŒberall in Europa wĂŒtete und nicht nur in Italien. Vermutlich muss die Renaissance als komplexes Zusammenspiel aller Faktoren gesehen werden.
SelbstverstÀndnis
Ein Hauptcharakteristikum der âRenaissanceâ ist die Wiedergeburt des antiken Geistes. Der Humanismus ist die wesentliche Geistesbewegung der Zeit. Vorreiter waren italienische Dichter des 14. Jahrhunderts wie Francesco Petrarca, der durch seine ausgiebige BeschĂ€ftigung mit antiken Schriftstellern und durch seinen Individualismus den Glauben an den Wert humanistischer Bildung förderte und das Studium der Sprachen, der Literatur, der Geschichte und Philosophie auĂerhalb eines religiösen Zusammenhangs als Selbstzweck befĂŒrwortete. Das theozentrische Weltbild des Mittelalters wurde abgelöst durch eine stĂ€rker anthropozentrische Sicht der Dinge.
Diese âWiedergeburtâ manifestierte sich darin, dass zahlreiche Elemente des Gedankenguts der Antike neu entdeckt und belebt wurden (Schriften, BaudenkmĂ€ler, Skulpturen, philosophisches Denken, etc.). Dies wird insbesondere in den KĂŒnsten und ihren neuen, als fortschrittlich empfundenen Prinzipien deutlich, in denen die mystisch-geistig orientierte Formensprache des Mittelalters von weltlicher, mathematisch-wissenschaftlicher Klarheit abgelöst wurde. Als beispielhaft fĂŒr die neue Weltsicht kann die Proportionsstudie von Leonardo da Vinci betrachtet werden. In ihr wird der Mensch in seiner körperlichen Beschaffenheit in das Zentrum gesetzt und zum MaĂstab fĂŒr ein neues Ordnungssystem gemacht. Man kann die Renaissance damit als Beginn der neuzeitlichen anthropozentrischen Weltsicht begreifen.
Die KĂŒnste und Wissenschaften genieĂen in den italienischen Stadtstaaten wieder ein Ă€hnlich hohes Ansehen wie im antiken Griechenland. KĂŒnstler sind keine anonymen Handwerker mehr, sondern treten mit dem Selbstbewusstsein von Universalgelehrten auf. Ihre Werke werden als individuelle Schöpfungen von hohem Rang angesehen.
Philosophie
siehe Hauptartikel:Philosophie der Renaissance und des Humanismus
Die Philosophie der Renaissance wendet sich vom scholastisch vorchristlich aristotelischen Denken ab und ist vor allem dem Platonismus verpflichtet. SĂ€mtliche Schriften Platons wurden ins Lateinische ĂŒbersetzt. Viele Denker der Renaissance hĂ€ngen dem Neuplatonismus an, der durch Georgios Gemistos Plethon, Marsilio Ficino und Giovanni Pico della Mirandola verbreitet wird. Eine weit verbreitete Geisteshaltung unter Gelehrten der Renaissance war der Humanismus, der unter anderem von folgenden Denkern vertreten wurde:
- Coluccio Salutati (1331â1406)
- Nicolaus Cusanus (1401â1464)
- Erasmus von Rotterdam (1466â1536)
- NiccolĂČ Machiavelli (1469â1527)
- Thomas Morus (1478â1535)
- François Rabelais (1494â1553)
- Polydore Vergil (1470â1555)
Bildende Kunst
In der Kunst waren Brunelleschi, Ghiberti und Donatello die Bahnbrecher der neuen Richtung, die schon in der Protorenaissance des 13. und 14. Jahrhunderts mit Nicola Pisano, Giotto di Bondone und anderen KĂŒnstlern ihre VorlĂ€ufer gehabt hatten.
Zur Nachahmung der antiken Kunst gesellte sich im 15. Jahrhundert die intensivere BeschĂ€ftigung mit der Natur, die einen wichtigen Aspekt in der Entwicklungsgeschichte der Renaissancekunst darstellt. Schon vor Vasari hatten Dichter wie Giovanni Boccaccio den Maler Giotto dafĂŒr gerĂŒhmt, dass er die Dinge so naturgetreu wie niemand vor ihm abzubilden verstand. Die Tendenz, GegenstĂ€nde und Personen der Natur gemÀà zu gestalten, war seitdem ein Hauptanliegen der KĂŒnstler. In nahezu perfekter AusprĂ€gung gelang ihnen eine solche naturalistische Darstellungsweise allerdings erst seit dem 15. Jahrhundert. Daher beschrĂ€nken Kunsthistoriker den Renaissancebegriff meist nur auf die KunstĂ€uĂerungen des 15. Jahrhunderts, des Quattrocento, und auf die des 16. Jahrhunderts, des Cinquecento.
Eng mit der Forderung nach der Naturwahrheit in der Kunst hĂ€ngt das Bekenntnis der KĂŒnstler zur Antike zusammen. Man bewunderte die antiken Kunstwerke als mustergĂŒltige Beispiele naturgemĂ€Ăer Gestaltung und damit als nachzuahmende Beispiele dafĂŒr, wie man selbst die Natur darzustellen hatte. Der italienische Architekturtheoretiker Leon Battista Alberti forderte darĂŒber hinaus, dass sich die KĂŒnstler darum bemĂŒhen sollten, âden antiken Meistern nicht nur gleichzukommen, sondern sie womöglich noch zu ĂŒbertreffenâ. Das heiĂt: Gute Kunst sollte das, was einem die RealitĂ€t bietet, nicht getreu abbilden, sondern versuchen, das Naturvorbild zu verbessern und zu idealisieren.
Neben der Neubestimmung des VerhĂ€ltnisses der Kunst zur Natur und der Verehrung der Antike stellte die Renaissance also auch die Frage nach dem Wesen der Schönheit. Die KĂŒnstler versuchen z. B., den idealschönen Menschen darzustellen. Ideale MaĂe und Proportionen spielen sowohl bei der Darstellung des menschlichen Körpers in der Malerei und Skulptur als auch bei der Konzipierung von GebĂ€uden eine Rolle. Die KĂŒnstler entwickeln mit der Zentralperspektive eine Methode, mit mathematischer Exaktheit VerkĂŒrzungen in der Raumtiefe darzustellen.
Die FrĂŒhrenaissance nimmt ihren Ausgangspunkt in Florenz mit den Skulpturen Donatellos, den Bronzereliefs Ghibertis, den Fresken Masaccios und den Bauten Filippo Brunelleschis.
Die Zeit von ca. 1490/1500 bis 1520 bezeichnet man als Hochrenaissance. Zentrum dieser Periode, die sich durch das Streben nach höchster Vollkommenheit und Harmonie in der Kunst auszeichnet, ist das pĂ€pstliche Rom. In diese Zeit fallen Bramantes Zentralbau-EntwĂŒrfe fĂŒr die neue Peterskirche in Rom, Leonardo da Vincis berĂŒhmteste Bilder (âDas Abendmahlâ; âMona Lisaâ, âDame mit Hermelinâ), Raffaels Ausmalung der âStanzenâ und sein berĂŒhmtestes Altarbild, die âSixtinische Madonnaâ, Michelangelos Skulpturen (ârömische PietĂ â, âDavidâ, âMosesâ) und seine Fresken an der Decke der Sixtinischen Kapelle sowie DĂŒrers Meisterstiche.
Es folgt die etwa bis 1590 reichende Periode der SpĂ€trenaissance oder des Manierismus, die durch unterschiedliche kĂŒnstlerische Tendenzen gekennzeichnet ist. So neigt der Manierismus zu Ăbertreibungen des Formenrepertoires der Hochrenaissance (z. B. ĂŒbertriebene Raumfluchten, ĂŒberlange und verdreht dargestellte menschliche Körper in heftiger Bewegung). Ein Merkmal des Manierismus ist z. B. die Figura serpentinata, wie sie der Bildhauer Giovanni da Bologna in seinem âRaub der Sabinerinâ (1583) dargestellt hat. Menschliche Gestalten werden dabei als sich schlangenartig nach oben windende Körper wiedergegeben. Die letzte Phase der SpĂ€trenaissance geht dann allmĂ€hlich in den Barock ĂŒber.
Doch nicht ĂŒberall in Europa lĂ€uft die Epoche der Renaissance nach einem identischen Muster ab. WĂ€hrend in Italien der Geist der Renaissance am frĂŒhesten einsetzte, besonders blĂŒhte und gleichermaĂen Einfluss auf die Malerei, Bildhauerei und Architektur nahm, begann im Norden die Renaissance erst um oder nach 1500 und konnte sich hier nur bedingt und mit nationalem Einschlag durchsetzen. Auch sind in den LĂ€ndern auĂerhalb Italiens die Architektur und Bildhauerkunst stĂ€rker als die Malerei von der Antike beeinflusst worden. In Frankreich und Deutschland vermischte sich der antike Stil mit nationalen Elementen, welche in der ersten Epoche der Renaissance, der FrĂŒhrenaissance, naturgemÀà stĂ€rker hervortraten als in der Periode der SpĂ€trenaissance, welche die antiken Formen ĂŒppiger und krĂ€ftiger ausbildete und so zu den Ăbertreibungen des Barockstils ĂŒberleitete. Eine nationale FĂ€rbung hat die Renaissance auch in den Niederlanden, in Polen, in England und in Spanien erfahren.
Malerei
siehe Hauptartikel:Malerei der Renaissance
Die Mehrzahl der GemĂ€lde der Renaissancekunst sind Altarbilder und Fresken religiösen Inhalts, die fĂŒr Kirchen gemalt wurden. Die religiöse Gestalt wurde jedoch vermenschlicht, indem sie in einer irdischen Umgebung dargestellt wurde. So erscheinen die Personen auf vielfigurigen Bildern oft in der Alltagskleidung des Renaissancezeitalters. AuĂerdem entstanden Bilder mit weltlichen oder heidnisch-mythologischen Themen (z. B. Allegorien, antike Götter- und Heldensagen, antike Geschichte) und individuelle Bildnisse zeitgenössischer Persönlichkeiten. Daneben entwickelten sich erste Landschaftsdarstellungen und Sittenbilder, die das zeitgenössische Leben reprĂ€sentieren. Die Landschaftsdarstellungen sollten jedoch nicht ein genaues Abbild der Wirklichkeit darstellen, vielmehr symbolisierten sie das Grundprinzip der Schönheit. Diese Schönheit wurde als Natur definiert.
Die Raumtiefe wird mit den Mitteln der Zentralperspektive, also eines Fluchtliniensystems, geometrisch genau konstruiert. Hinzu kommen die Mittel der Luft- und Farbperspektive. Um ein dreidimensional wirkendes Bild auf einer zweidimensionalen FlĂ€che darstellen zu können, musste sich der KĂŒnstler an optische und geometrische Regeln halten. Diese legten fest, dass der Horizont waagerecht auf Augenhöhe des Betrachters liegt. Um einem Bild rĂ€umliche Tiefe zu verleihen, laufen all seine parallel zum Erdboden verlaufenden Tiefenlinien auf einen Fluchtpunkt zu, der auf der Horizontlinie liegt.
In der Renaissance wurde immer mehr Wert auf die Anatomie des Menschen gelegt. Die KĂŒnstler erforschten MuskelzĂŒge, Bewegungen, VerkĂŒrzungen und die Körperproportion an sich. Trotz dieser genauen Studien wurde der nackte menschliche Körper, wie bereits in der Antike, als Akt in idealisierten Proportionen dargestellt. Der KĂŒnstler sah seine Aufgabe darin, aus der FĂŒlle der menschlichen Natur das Schöne herauszufiltern und so körperliche Vollkommenheit auszudrĂŒcken. Die Nacktheit stand symbolisch fĂŒr die Unschuld, da sie als natĂŒrlich empfunden wurde und so ursprĂŒngliche Schönheit ausdrĂŒckte. All diese Auffassungen von der menschlichen Gestalt wurden wie andere Dinge aus der Antike ĂŒbernommen.
Ein symmetrischer, harmonisch ausgewogener Bildaufbau, unterstĂŒtzt durch innerbildliche Kreis-, Halbkreis- und Dreiecksformen, wurde in der Malerei bevorzugt.
Bildhauerei
Die Bildhauer der Renaissance schaffen vor allem Standfiguren und Bildnis-BĂŒsten. Auf den PlĂ€tzen der StĂ€dte werden Monumentalplastiken, beispielsweise in Form von Reiterstandbildern aufgestellt. Die Grabplastik fĂŒr weltliche und geistliche WĂŒrdentrĂ€ger verbindet z. B. in Form eines Wandgrabmals die Skulptur mit der Architektur zu einem Gesamtkunstwerk.
Die Plastik befreit sich zudem immer mehr aus ihren mittelalterlichen Bindungen an die Architektur. Neben Nischenfiguren, die ohne einen engen Zusammenhang mit dem zugehörigen GebÀude undenkbar sind, werden zunehmend Freiplastiken geschaffen, die, auf öffentlichen PlÀtzen stehend, von allen Seiten betrachtet werden können.
Renaissancebildhauer orientieren sich bei ihrer Arbeit an antiken Vorbildern. Skulpturen werden allseitig durchmodelliert, der Mensch in seiner Nacktheit dargestellt, die Beinstellung erfolgt oft im klassischen Kontrapost. Anatomische Vorstudien dienen dazu, den menschlichen Körper wirklichkeitsgetreu wiederzugeben.
Architektur
In der Architektur der Renaissance gibt es drei Tendenzen. Die eine besteht darin, die Formensprache der Antike in klassischer Strenge wieder zu beleben. In Italien war dieses Ziel mit der Hochrenaissance durch Donato Bramante gegen 1500 erreicht und setzte sich von da an in ganz Italien durch. Italienische Renaissancebauten wurden klar, ĂŒberschaubar und harmonisch ausgewogen konzipiert.
Antikische, klassizistische Renaissance
Die Architekten orientierten sich bei den Grundrissen an einfachen idealen geometrischen Formen wie dem Quadrat oder dem Kreis. Man entlehnt Bauelemente wie SĂ€ulen, Pilaster, Kapitelle, Dreiecksgiebel etc. direkt der (griechischen) Antike. So findet man an SĂ€ulen wieder dorische, ionische oder korinthische Kapitelle. Daneben kommt es zu einer vermehrten Verwendung der bereits der römischen Architektur bekannten toskanischen SĂ€ule, vor allem in den Untergeschossen der Renaissancebauten. Die einzelnen Bauglieder hatten unter sich und mit dem ganzen GebĂ€ude in Ăbereinstimmung zu stehen. Man studiert die Architektur-Traktate des römischen Baumeisters Vitruv, um daraus Anhaltspunkte fĂŒr idealschöne Proportionen zu gewinnen.
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Bramantes Grundriss fĂŒr Neubau des Petersdoms in Rom |
Santa Maria Novella, Florenz, Fassadengiebel von Leon Battista Alberti ab 1470 |
Il Tempietto, San Pietro in Montorio, Rom Donato Bramante, 1502 |
La Rotonda, Andrea Palladio, 1571 |
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Rathaus, Augsburg, Elias Holl, 1620 |
Schloss Johannisburg, Aschaffenburg, 1605-1619 |
Giovanni Baptista di Quadro, PoznaĆ (Posen) |
Analogische Renaissance (FrĂŒh- bzw. nordische Renaissance)
Die zweite Tendenz besteht darin, der Antike entlehnte, aber auch neue formensprachliche Elemente wie in der mittelalterlichen Baukunst in analogischer Weise zu variieren, ohne eine streng gesetzmĂ€Ăige Baukunst anzustreben. Wichtiger als die klassische Regel ist der inhaltliche Aspekt der antikisierenden Motive, die hohes soziales Prestige, aber auch antikes Ethos vermitteln.
Die Nachahmung antiker Bauelemente wie GebĂ€lke, Kapitelle oder Profile geschieht nicht in voller Strenge, sondern gemÀà der mittelalterlichen Baupraxis nur imitatorisch-variierend. Teilweise stammen die Vorlagen aus der der Antike Ă€hnlichen romanischen Architektur. Beispiel: Der Turm der Heilbronner Kilianskirche ab 1513. HĂ€ufig sind reiche Ornamentierungen durch MaĂwerk, Arabesken, spĂ€ter durch Rollwerk, Beschlagwerk, Schweifwerk u. a. Die Vertikale in der Tradition der Gotik ist nach wie vor stark betont. Die Werkmeister sind in der Regel keine Intellektuellen wie in Italien, sondern oft der Tradition mittelalterlicher Handwerksbetriebe verpflichtet. Die Grundrisse und Fassaden sind oft asymmetrisch.
Renaissancegotik oder auch Nachgotik
siehe auch Hauptartikel: Nachgotik
Die dritte Tendenz ist die Weiterverwendung gotischer Motive, die im Gegensatz zu den antiken Formen als modern empfunden werden und gerne zur Kennzeichnung von KirchengebÀuden verwendet werden.[9] Ein Beispiel ist die Kirche St. MariÀ Himmelfahrt (Köln)[10] .[11]
Auf der Seite der Architekturtheorie findet sich erstere Tendenz im Architekturtraktat wieder, letztere im Musterbuch. Generell kann gesagt werden, dass je stÀrker eine Kultur das Mittelalter nicht als Kulturverfall und im Gegensatz zur Antike empfand, desto mehr die zweite und dritte Tendenz bevorzugt wurde. Das gilt vor allem im mittel- und im nordeuropÀischen Raum, wo die Baukunst der Nordischen Renaissance völlig andere Formen erreichte.
In Frankreich war die klassische antikisierende Strenge der Hochrenaissance gegen 1550 eingeholt (vgl. WestflĂŒgel des Louvre 1550â1558 durch Pierre Lescot), daneben gab es noch zahlreiche Kirchenbaustellen, auf denen noch mit gotischen Motiven gebaut wurde. Auf der iberischen Halbinsel bilden beide Tendenzen ein Nebeneinander, das sich bis in die Barockzeit fortsetzt. Im germanischen Europa und Polen kam es teilweise zu einer Vermischung beider Tendenzen (z. B. Heidelberger Schloss oder das Wawel-Schloss in Krakau), jedoch blieb die analogische Form der Renaissance bis zum Schluss dominant.
Wichtige RenaissancekĂŒnstler
Dichter und Schriftsteller der Renaissance
In der Literatur leiten im 14. Jahrhundert Dante Alighieris âGöttliche Komödieâ (La Divina Commedia, 1307â1321), Francesco Petrarcas Briefe, Traktate und Gedichte und Giovanni Boccaccios Il Decamerone (1353) das Zeitalter der Renaissance ein. Graf Baldassare Castiglione beschreibt in Il Cortegiano (1528) den Idealtypus eines Renaissancemenschen.
Die Literatur nahm nach der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg in der Renaissancezeit einen ungeheuren Aufschwung.
Zu den berĂŒhmten Dichtern und Schriftstellern der Renaissance zĂ€hlen:
- Dante Alighieri (1265â1321)
- Francesco Petrarca (1304â1374)
- Giovanni Boccaccio (1313â1375)
- Antoine de La Sale (um 1386â1460)
- Angelo Poliziano (1454â1494)
- Sebastian Brant (1457â1521)
- Erasmus von Rotterdam (ca. 1466â1536)
- Ludovico Ariosto (1474â1533)
- Thomas Murner (1475â1537)
- Baldassare Castiglione (1478â1529)
- Pietro Aretino (1492â1556)
- François Rabelais (1494â1553)
- Marcin Bielski (1495â1575)
- Philipp Melanchthon (1497â1560)
- Sebastian Franck (1500â1543)
- Andrzej Frycz Modrzewski (1503â1572)
- MikoĆaj Rej (1505â1569)
- Ćukasz GĂłrnicki (1527â1603)
- Jan Kochanowski (1530â1584)
- Torquato Tasso (1544â1595)
- William Shakespeare (1564â1616)
Theater der Renaissance:
- Englisches Renaissancetheater: Elisabethanisches Theater, einschl. Jacobean theatre, Caroline theatre, zusammen auch Early modern theatre genannt
- Italien: Aufkommen der Commedia dellâarte, und der Comedia erudita, dem Laientheater in der SpĂ€trenaissance
- Siehe auch: Geschichte des Theaters: Renaissance
Musik
Siehe ausfĂŒhrlichen Artikel: Renaissancemusik.
Die Musik der Renaissance war zunÀchst durch das Zeitalter der Franko-Flamen bestimmt, ab der Mitte des 16. Jahrhunderts kamen die wesentlichen Impulse dann aus Italien, besonders durch Komponistenströmungen wie die Florentiner Camerata, die Römische Schule und die Venezianische Schule.
Siehe auch: Liste von Komponisten der Renaissance
Besondere Eigenschaften und Stilmittel der Renaissancemusik:
- Musik als Werk von (nicht mehr anonymen) Komponisten;
- Musik zur geselligen Unterhaltung (z. B. Liebes-, Trink- und Jahreszeitenlieder) statt alleinigen Gotteslobes;
- reiche Polyphonie (Mehrstimmigkeit) in der Kirchenmusik, homophon behandelte Volkslied-Melodien im weltlichen Bereich;
- Instrumentenbau in ganzen Familien: Blockflöten, Gamben und viele mehr (v. a. Blasinstrumente), dazu die Laute;
- prinzipielle Austauschbarkeit von Vokal- und Instrumentalpartien, keine feste Instrumentierung;
- gegenĂŒber der mittelalterlichen Musik geĂ€ndertes Harmonie-Empfinden: Terzen und Sexten werden seit der Renaissance als konsonant empfunden.
Siehe auch: Formenlehre (Musik) - Renaissance
Ăkonomie/Soziales
Ăkonomisch kam es in der Renaissance zur Durchbrechung des mittelalterlichen Zinsverbots und zur Abschaffung der mittelalterlichen BrakteatenwĂ€hrung. Dies ermöglichte einerseits den Aufstieg der frĂŒhneuzeitlichen BankhĂ€user wie die der Fugger oder der Medici, andererseits bedeutete das fĂŒr viele, insbesondere fĂŒr die Landbevölkerung, einen betrĂ€chtlichen sozialen Abstieg. Die sich daraus ergebenden sozialen Spannungen entluden sich u. a. durch die Bauernkriege.
Die EinfĂŒhrung der Doppelten BuchfĂŒhrung in Konten erlaubte eine sehr viel stĂ€rkere Kontrolle des Erfolges wirtschaftlicher Unternehmungen.
Siehe auch
- Renaissance-Humanismus, Philosophie
Regionales:
- Liste von Renaissancebauwerken in Ăsterreich
- Nordische Renaissance: NiederlÀndische Renaissance, Weserrenaissance
Literatur
- Leonid M. Batkin: Die historische Gesamtheit der italienischen Renaissance. Verlag der Kunst, Dresden 1979.
- Jan Bialostocki: SpÀtmittelalter und beginnende Neuzeit. PropylÀen-Verlag, Berlin 1990. ISBN 3-549-05107-7
- Boris von Brauchitsch (Hrsg.): Renaissance. Das 16. Jahrhundert, Galerie der groĂen Meister. DuMont, Köln 1999. ISBN 3-7701-4620-4
- Jakob Burckhardt: Die Kultur der Renaissance in Italien. Insel-Verlag, Frankfurt/M. 2003. ISBN 3-933203-89-9
- Peter Burke: Die europĂ€ische Renaissance. Zentren und Peripherien. Beck, MĂŒnchen 2005. ISBN 3-406-52796-5
- AndrĂ© Chastel: Italienische Renaissance. Beck, MĂŒnchen 1965.
- André Chastel: Kunst, Ideen, Geschichte. Der Mythos der Renaissance. Edition Skira, Genf 1969.
- Denys Hay: Die Renaissance. Die RĂŒckwendung zur Antike. Rheingauer VG, Eltville 1986. ISBN 3-88102-078-0
- Ernst Gombrich: Zur Kunst der Renaissance. AusgewÀhlte AufsÀtze. Klett-Cotta, Stuttgart
- 1. - Norm und Form. 1985. ISBN 3-608-76146-2
- 2. - Das symbolische Bild. 1986. ISBN 3-608-76147-0
- 3. - Die Entdeckung des Sichtbaren. 1987. ISBN 3-608-76148-9
- 4. - Neues ĂŒber alte Meister. 1988. ISBN 3-608-76152-7
- Ludwig Heinrich Heydenreich: Studien zur Architektur der Renaissance. Fink, MĂŒnchen 1981. ISBN 3-7705-1066-6
- Johan Huizinga: Das Problem der Renaissance. Wagenbach, Berlin 1991. ISBN 3-8031-5135-X
- Michael JÀger: Die Theorie des Schönen in der italienischen Renaissance. DuMont, Köln 1990. ISBN 3-7701-1739-5
- Hubert Janitschek: Die Gesellschaft der Renaissance in Italien und die Kunst. Vier VortrÀge. Spemann, Stuttgart 1879.
- Georg Kauffmann: Die Kunst des 16. Jahrhunderts. PropylÀen-Verlag, Berlin 1990. ISBN 3-549-05108-5
- Paul Oskar Kristeller: Humanismus und Renaissance. Fink, MĂŒnchen
- 1. - Die antiken und mittelalterlichen Quellen. 1974.
- 2. - Philosophie, Bildung und Kunst. 1976.
- Richard Mackenney: Renaissances. The cultures of Italy, ca. 1300 - ca. 1600. Palgrave Macmillan, Basingstoke 2005. ISBN 0-333-62905-1
- Alfred von Martin: Soziologie der Renaissance, Dritte Auflage, MĂŒnchen: C.H. Beck, 1974 (Erste Auflage 1932).
- Walter Paatz: Die Kunst der Renaissance in Italien. Kohlhammer, Stuttgart 1961.
- Volker Reinhardt: Die Renaissance in Italien. Geschichte und Kultur. Beck, MĂŒnchen 2002. ISBN 3-406-47991-X
- Die Renaissance. Maler des 15. und 16. Jahrhunderts, Eltville a.Rh.: BechtermĂŒnz Verlag, 1989 (Darstellung von 27 Malern der Renaissance und ihrer Werke)
- Frederick A. van Scheltema: Die Kunst der Renaissance. Kohlhammer, Stuttgart 1957.
- Erwin Panofsky: Die Renaissancen der europÀischen Kunst. Suhrkamp, Frankfurt/M. 2004. ISBN 3-518-28483-5
- Anne Schunicht-Rawe, Vera LĂŒpkes (Hrsg.): Handbuch der Renaissance. Deutschland, Niederlande, Belgien, Ăsterreich. DuMont, Köln 2002. ISBN 3-8321-5962-2
- Rudolf SchĂŒrz: Der Geist der Renaissance in der venezianischen Malerei, eine kunstgeschichtliche Betrachtung neuer Ideen die von Venedig ausgingen. Scharnstein 2007.
- Jeffrey C. Smith: The Northern Renaissance. Phaidon Books, London 2004. ISBN 0-7148-3867-5
- Samuel H. Thomson: Das Zeitalter der Renaissance. Von Petrarca bis Erasmus. Kindlers Kulturgeschichte Europa Bd. 11. Dtv, MĂŒnchen 1983. ISBN 3-423-05941-9
- Edgar Wind: Heidnische Mysterien in der Renaissance. Suhrkamp, Frankfurt/M. 1987. ISBN 3-518-28297-2
- Heinrich Wölfflin: Die klassische Kunst. EinfĂŒhrung in die italienische Renaissance. Schwabe, Basel 1983. ISBN 3-7965-0286-5
- Manfred Wundram: Renaissance. Reclam, Stuttgart 2004. ISBN 3-15-018173-9
- Marina Belozerskaya: Rethinking the Renaissance. Burgundian Arts across Europe. Cambridge (MA) 2002.
Einzelnachweise
- â Peter Burke: Die europĂ€ische Renaissance. Zentren und Peripherien, MĂŒnchen 1998.
- â Marina Belozerskaya: Rethinking the Renaissance. Burgundian Arts across Europe, Cambridge (MA) 2002.
- â Strathern, Paul: The Medici: Godfathers of the Renaissance (2003) p81â90, p172â197
- â The Islamic World to 1600, University of Calgary Website, Stand 10. Mai 2007
- â History of the Renaissance, HistoryWorld, Stand 10. Mai 2007
- â Julius Kirshner: Family and Marriage: A socio-legal perspective. Italy in the Age of the Renaissance: 1300-1550. Bearb. v. John M. Najemy. Oxford University Press, Oxford 2004, S. 89
- â Jacob Burckhardt: Die Kultur der Renaissance in Italien. Bearb. v. Walter Goetz. 12. Auflage. Kröner, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-520-05311-4. Burckhardt kennzeichnet die Italiener der beginnenden Renaissance als ein ânoch halb antikes Volk.â
- â Burckhardt a. a. O. Darin: Die Republiken: Venedig und Florenz.
- â Hermann Hipp: Studien zur "Nachgotik" des 16. und 17. Jahrhunderts in Deutschland, Böhmen, Ăsterreich und der Schweiz. 3 Bde. Diss. TĂŒbingen 1979.
- â Ethan Matt Kavaler: Renaissance Gothic. Pictures of Geometry and Narratives of Ornament. In: Art History 29 (2006), S. 1 - 46.
- â Hermann Hipp: Die BĂŒckeburger "structura". Aspekte der Nachgotik im Zusammenhang mit der deutschen Renaissance. In: Renaissance in Nord-Mitteleuropa I (= Schriften des Weserrenaissance-Museums SchloĂ Brake 4). MĂŒnchen, Berlin 1990. S. 159 -170.
Weblinks
- FrĂŒhrenaissance
- Hochrenaissance
- Census of Antique Works of Art & Architecture Known in the Renaissance
- Renaissance Malerei von ALTErtuemliches.at
- Rudolf SchĂŒrz: Der Geist der Renaissance
- H. C. Kuhn (Hg.): GGRENir: Internetography on Renaissance intellectual history, aktualisiert bis 2003.
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